Aurubis baut die Produktion in Italien aus und setzt dabei auf eine Modernisierung, die vor allem auf Effizienz und verlässliche Liefermengen zielt. Am Standort Avellino soll ein zentraler Ofen künftig mehr Kupfer-Gießwalzdraht liefern – ein Vormaterial, das in Kabeln, Leitungen und vielen Anwendungen der Elektrifizierung landet.
Aurubis legt in Avellino rund fünf Millionen Euro für eine technische Erweiterung und Erneuerung eines Schachtofens auf – und koppelt die Investition an das Ziel, die Kupfer Gießwalzdraht Produktion spürbar zu erhöhen. Nach Angaben des Unternehmens soll die Kapazität in einer ersten Stufe um rund 20 Prozent wachsen. Dass Aurubis die Maßnahme als wirtschaftlich attraktiv einstuft, ist auch deshalb bemerkenswert, weil in der Metallindustrie häufig deutlich größere Summen nötig sind, um nennenswerte Mengensprünge zu erreichen.
Für die strategische Lesart ist entscheidend, wofür der zusätzliche Output gedacht ist: Aurubis stellt die Südeuropa Nordafrika Versorgung in den Mittelpunkt – also Märkte, in denen Ausbau von Stromnetzen, Baukonjunktur und Industrienachfrage traditionell zusammenlaufen. Die Aurubis Avellino Modernisierung wirkt damit weniger wie ein Prestigeprojekt als wie ein Versuch, in einer Phase hoher Material- und Energieunsicherheit verlässlich produzieren zu können. In einer Branche, in der Lieferfähigkeit oft wichtiger ist als das letzte Prozent Preisvorteil, kann ein stabiler Standort im Verbundnetz ein Wettbewerbsvorteil sein.
Der modernisierte Ofen soll Kapazität bringen, ohne den Energiebedarf zu treiben.
Technisch geht es um einen Schachtofen – vereinfacht gesagt einen hohen, senkrechten Ofen, in dem Einsatzstoffe von oben nach unten wandern und dabei durch heiße aufsteigende Gase vorgewärmt werden. Aurubis beschreibt, dass in Avellino Kupferkathoden und ausgewählte Recyclingmaterialien eingesetzt werden und der Prozess so gestaltet sei, dass mehr Material mit weniger Energieeinsatz verarbeitet werden könne. Genau hier liegt die industriepolitische Relevanz: Energieeffizienz ist in Europas Metallstandorten nicht nur Klimathema, sondern Kostenfrage – und damit Standortfrage.
Zum Umbau zählen laut Aurubis unter anderem eine größere Schachthöhe, eine neue Ofenschale, eine erneuerte Ausmauerung und ein optimiertes Beschickungssystem; außerdem werde die Anlage auf ein modernes Brennersystem vorbereitet. Das klingt nach „klassischer“ Anlagenpflege – ist in der Praxis aber oft der Hebel, um Ausfallrisiken zu senken und gleichmäßige Qualität zu sichern. In der Schachtofen Kupferdraht-Logik ist das wichtig: Walzdraht muss in großen Mengen konstant laufen, weil nachgelagerte Draht- und Kabelprozesse auf gleichbleibende Eingangswerte angewiesen sind.
Für Kabel- und Drahtkunden zählt Verfügbarkeit – und die wird politischer.
Dass Aurubis den Schritt ausgerechnet in Avellino betont, passt in ein größeres Bild: Kupfer gilt als Schlüsselmaterial für Netzausbau, Rechenzentren und Elektrifizierung, während zugleich die Sorge vor Engpässen entlang der Lieferkette wächst. Die Entscheidung stärkt damit indirekt die Südeuropa Nordafrika Versorgung, weil regionale Produktionskapazitäten Abhängigkeiten reduzieren können – zumindest dort, wo Materialströme bislang über längere Distanzen liefen oder stark auf einzelne Quellen angewiesen waren. Für Kunden der Draht- und Kabelindustrie ist diese Art „Planbarkeit“ oft mehr wert als kurzfristige Preisaktionen.
Aurubis verweist zudem auf ein Netzwerk von vier Standorten für die Kupfer Gießwalzdraht Produktion. In solchen Verbünden entscheidet nicht nur die einzelne Anlage, sondern die Lastverteilung: Wenn ein Werk ausfällt, müssen andere kurzfristig kompensieren – und genau dafür sind Kapazitätsreserven und Effizienzgewinne relevant. Ergänzend hebt das Unternehmen hervor, in Italien als erstes Unternehmen am Standort Avellino den Zertifizierungsprozess von „The Copper Mark“ gestartet zu haben, einem Rahmenwerk für verantwortungsvollere Praktiken in der Kupfer-Wertschöpfungskette. Für Abnehmer kann das zu einem weichen, aber zunehmend wirksamen Kriterium werden, weil ESG-Anforderungen in Beschaffung und Finanzierung immer häufiger konkret nachweisbare Standards verlangen.
Die nächste Ausbaustufe 2026 zeigt, wie schwer Dekarbonisierung im Metallgeschäft bleibt.
Aurubis plant bereits den zweiten Schritt: Für August 2026 ist laut Unternehmensangaben eine weitere Ausbaustufe vorgesehen, bei der ein neues Erdgas-Verbrennungssystem den spezifischen Gasverbrauch um bis zu zehn Prozent senken soll. Das zeigt zweierlei. Erstens: Effizienz ist hier kein einmaliger Umbau, sondern ein Pfad – und die vollständige Kapazitätsausweitung soll erst nach Abschluss dieser zweiten Phase erreicht werden. Zweitens: Erdgas bleibt in der Realität vieler Industrieanlagen ein zentrales Element, selbst wenn Unternehmen parallel Dekarbonisierung betonen.
In der Außendarstellung ordnet Aurubis die Aurubis Avellino Modernisierung als Meilenstein für den Standort ein; Tim Kurth, Chief Operations Officer Custom Smelting & Products, sagt wörtlich: „Die Modernisierung unseres Werks in Avellino ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Standorts, der uns stärker macht.“ Redaktionell betrachtet bleibt die spannende Frage, wie schnell Effizienzgewinne in einer energie- und regulierungsgetriebenen Industrie in dauerhafte Kostenvorteile übersetzt werden können – und ob der Standort damit robust genug wird, um Nachfragespitzen in den kommenden Jahren abzufedern. Sicher ist: Wer heute die Schachtofen Kupferdraht-Kapazität erhöht, positioniert sich für eine Phase, in der Kupfer nicht nur ein Rohstoff, sondern ein Faktor geopolitischer und industrieller Resilienz ist.


