Der Handel mit elektrifizierten Gebrauchtwagen gewinnt in Europa deutlich an Gewicht. Nach Angaben von AUTO1.com wurden 2025 über die Plattform 29.100 E-Fahrzeuge gehandelt. Das waren 57 Prozent mehr als im Vorjahr, während das gesamte Handelsvolumen über alle Antriebsarten um 20 Prozent stieg.
Der Markt wächst damit nicht mehr allein über Neuzulassungen. Zunehmend kommen Fahrzeuge aus Leasingverträgen, Firmenflotten und gewerblichen Beständen in den Wiederverkauf. Rund drei Viertel der gehandelten elektrifizierten Fahrzeuge wechselten laut AUTO1.com über Landesgrenzen hinweg den Händler. Das zeigt, wie wichtig digitale Plattformen für den europäischen EV-Gebrauchtwagenmarkt werden, weil Angebot, Nachfrage und Förderbedingungen zwischen den Ländern stark variieren.
Deutschland wächst, bleibt aber hinter anderen Märkten
In Deutschland stieg der Handel gebrauchter Elektrofahrzeuge auf AUTO1.com um 40 Prozent. Im europäischen Vergleich belegte der deutsche Markt dennoch nur Rang sieben. Stärker entwickelten sich unter anderem Portugal, Rumänien, Spanien und Frankreich. Die Unterschiede dürften mit Förderprogrammen, Händlerstrukturen, Flottenanteilen und dem Alter der Fahrzeugbestände zusammenhängen.
Deutschland bleibt zugleich ein wichtiger Neuwagen- und Flottenmarkt. Viele heute zugelassene Elektroautos werden in einigen Jahren als Leasing- oder Firmenwagenrückläufer in den Gebrauchtmarkt gelangen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden 2025 in Deutschland 545.142 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Ihr Anteil am Pkw-Neuwagenmarkt lag bei 19,1 Prozent, ein Zuwachs von 43,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch in der EU legten elektrifizierte Fahrzeuge zu: Batterieelektrische Autos erreichten laut ACEA 17,4 Prozent Marktanteil, Hybride 34,5 Prozent.
Junge Leasingrückläufer prägen das Angebot
Rund 60 Prozent der über AUTO1.com gehandelten elektrifizierten Gebrauchtwagen waren zwischen einem und fünf Jahre alt. Junge Fahrzeuge aus Leasing- und Flottenverträgen bestimmen damit bislang den Markt. Viele dieser Autos wurden während des Elektroauto-Booms der vergangenen Jahre erstmals zugelassen und gelangen nun in die zweite Vermarktungsrunde.
Der Handel bleibt anspruchsvoller als bei etablierten Verbrennern. Neben Alter, Kilometerstand und Ausstattung spielen Batteriezustand, Reichweite, Ladeleistung und Softwarestand eine wichtige Rolle. Mit einem wachsenden Anteil älterer Elektroautos dürfte die Bewertung schwieriger werden. Standardisierte Batteriezertifikate und transparente Angaben zur Batteriegesundheit könnten deshalb für Händler und Käufer an Bedeutung gewinnen.
Viele deutsche Händler bleiben zurückhaltend
Trotz des Marktwachstums beteiligt sich ein großer Teil der deutschen Händler bislang kaum am Geschäft mit elektrifizierten Gebrauchtwagen. Nach einer Befragung von AUTO1.com verkauften 2025 nur 9 Prozent der deutschen Partnerhändler mehr als 20 Elektro-, Hybrid- oder Plug-in-Hybridfahrzeuge. Weitere 21 Prozent handelten zwischen einer und 20 Einheiten.
71 Prozent der Befragten gaben dagegen an, überhaupt keine elektrifizierten Fahrzeuge verkauft zu haben. Auch für 2026 erwartet AUTO1.com keine vollständige Trendwende. 64 Prozent der Händler rechnen damit, weiterhin keine entsprechenden Fahrzeuge zu handeln, nur 12 Prozent erwarten mehr als 20 Einheiten. Die Zurückhaltung dürfte mit schwer kalkulierbaren Restwerten, schnellen Modellwechseln, schwankender Nachfrage und Unsicherheit über künftige Förderprogramme zusammenhängen.
Grenzüberschreitender Handel stärkt Plattformen
AUTO1.com profitiert von seiner Rolle als B2B-Plattform zwischen professionellen Händlern. Gerade bei Fahrzeugen mit unsicheren Restwerten kann ein breiter Marktüberblick zum Wettbewerbsvorteil werden. Wer große Transaktionsmengen aus mehreren Ländern auswertet, kann Preisniveaus, Nachfrageunterschiede und regionale Bestände besser einschätzen als ein einzelner Händler mit wenigen Verkäufen.
Der grenzüberschreitende Handel macht den europäischen EV-Markt liquider. Fahrzeuge können aus Ländern mit hohem Angebot in Märkte mit stärkerer Nachfrage verkauft werden. Gleichzeitig wird die Preisbildung internationaler. Nationale Rabatte, Förderprogramme und Neuwagenpreise können dadurch schneller auf Gebrauchtwagenwerte in anderen Ländern wirken.
Sinkende Preise erhöhen den Margendruck
64 Prozent der befragten deutschen Händler erwarten für 2026 sinkende Preise bei gebrauchten batterieelektrischen Fahrzeugen. 20 Prozent rechnen mit stabilen Preisen, 16 Prozent mit steigenden. Für Käufer können niedrigere Preise den Einstieg in die Elektromobilität erleichtern. Für Händler ist dieselbe Entwicklung ambivalent, weil sie Margen belastet und die Bewertung vorhandener Lagerbestände erschwert.
Besonders junge Gebrauchtwagen reagieren empfindlich auf Rabattaktionen und Preissenkungen bei Neufahrzeugen. Wenn Hersteller ihre Listenpreise reduzieren, kann der Wert bereits zugelassener Autos kurzfristig sinken. Größere Mengen an Leasingrückläufern könnten diesen Effekt verstärken. Der Markt könnte breiter werden, während Händler zugleich höhere Risiken bei Einkauf und Lagerhaltung tragen.
Toyota führt das Ranking elektrifizierter Fahrzeuge an
Toyota lag 2025 sowohl europaweit als auch in Deutschland an der Spitze der über AUTO1.com gehandelten elektrifizierten Fahrzeuge. In Deutschland folgten Mercedes-Benz und Volkswagen. Europaweit lagen Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW auf den weiteren Plätzen. Das Ranking umfasst allerdings nicht nur batterieelektrische Fahrzeuge, sondern auch klassische Hybride und Plug-in-Hybride. Toyotas Spitzenposition ist daher auch auf die starke Marktstellung der Marke im Hybridsegment zurückzuführen.
Die Rangfolge zeigt weniger die Beliebtheit einzelner reiner Elektroautomarken als die Größe des verfügbaren Bestands elektrifizierter Fahrzeuge. Hersteller mit hohen Flotten- und Firmenwagenanteilen sind im Wiederverkauf besonders stark vertreten. Für Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW wird der Gebrauchtmarkt strategisch wichtiger, weil stabile Restwerte Leasingkalkulationen erleichtern und das Vertrauen der Kunden stärken.
Die AUTO1 Group meldete für 2025 einen Umsatz von 8,2 Milliarden Euro und mehr als 842.000 verkaufte Fahrzeuge. Die Plattformdaten bilden nicht den gesamten europäischen Markt ab, liefern aber ein relevantes Signal aus einem großen B2B-Handelsnetzwerk. Der Rekordhandel zeigt, dass gebrauchte E-Autos stärker im professionellen Fahrzeughandel ankommen. Ob daraus ein stabiler Massenmarkt wird, hängt vor allem von transparenten Batteriedaten, kalkulierbaren Restwerten und der Bereitschaft der Händler ab, sich intensiver mit elektrifizierten Fahrzeugen zu beschäftigen.


