BASF Coatings erhält Preis für OFLA-Verfahren in der Autolackierung

BASF Coatings ist für ein Verfahren ausgezeichnet worden, das die automobile Lackierung ressourcenschonender machen soll. Das OFLA-Verfahren richtet sich vor allem an die industrielle Zwei-Ton-Lackierung, die bislang häufig zusätzliche Arbeitsschritte, Material und Energie benötigt. Im Renault-Werk Maubeuge wird die Technologie bereits in der Serienproduktion eingesetzt.

BASF Coatings erhält dafür den Sustainability Award in Automotive 2026 in der Kategorie „Technologie: Betrieb & Lieferkette“. Vergeben wird der Preis von der ATZ/MTZ-Gruppe und der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Ausgezeichnet werden Lösungen, die ökologische Verbesserungen mit industriell nutzbaren Prozessen verbinden.

Beim OFLA-Verfahren wird die Kontrastfarbe nicht mehr großflächig aufgesprüht. Digital gesteuerte Lackstrahlen bringen sie gezielt auf die vorgesehene Fläche. Dadurch entsteht eine präzise Lackkante, ohne dass angrenzende Bereiche zuvor abgeklebt werden müssen.

Präziser Lackauftrag ersetzt Sprühnebel und Abklebung

Die automobile Lackierung gehört zu den energie- und materialintensiven Bereichen der Fahrzeugproduktion. Besonders Zwei-Ton-Designs mit andersfarbigen Dächern oder Karosserieelementen erfordern bei konventionellen Verfahren zusätzliche Lackier-, Trocknungs- und Abklebeprozesse.

Das OFLA-Verfahren setzt an dieser Stelle an. Der Lack wird nicht als breiter Sprühnebel verteilt, sondern kontrolliert dort aufgetragen, wo er benötigt wird. Dadurch sollen Materialverluste, Abfall und zusätzliche Prozessschritte reduziert werden.

BASF Coatings liefert dafür die Lacktechnologie ColorSharp Decor Coat. Sie ist auf den gezielten Auftrag durch Lackstrahlen abgestimmt und soll klar abgegrenzte Linien sowie eine gleichmäßige Oberfläche ermöglichen.

Eine wichtige Rolle spielt das Fließverhalten des Materials. Der Lack muss sich nach dem Auftrag ausreichend verteilen, darf jedoch nicht über die vorgesehene Kante hinauslaufen. Dazu wurden Rheologie, Verlauf und Nivellierung angepasst.

Für die Serienproduktion genügt es nicht, dass eine Lackkante unter Laborbedingungen gelingt. Das Ergebnis muss über viele Fahrzeuge hinweg reproduzierbar bleiben. Die Auszeichnung würdigt deshalb nicht nur ein neues Material, sondern eine Prozessinnovation für bestehende Fertigungsabläufe.

Renault Maubeuge setzt OFLA in der Serie ein

Im Renault-Werk Maubeuge wird OFLA bereits unter Produktionsbedingungen genutzt. Nach Angaben der Unternehmen lassen sich gegenüber einem konventionellen Zwei-Ton-Prozess deutliche Einsparungen erzielen.

Der Energieverbrauch soll um rund 25 Prozent sinken. Das entspricht laut Mitteilung etwa 1,7 Gigawattstunden pro Jahr. Gleichzeitig sollen jährlich rund 300 Tonnen weniger CO2 entstehen.

Auch beim Materialverbrauch nennt BASF konkrete Werte. Pro Fahrzeug sollen etwa 300 Gramm lackkontaminierter Abfall entfallen, der bei herkömmlichen Verfahren durch Abklebematerial entstehen würde.

Zusätzlich sollen auf Prozessebene rund 200 Gramm Lack je Fahrzeug eingespart werden. Möglich wird dies, weil ein zusätzlicher Basislack- und Klarlackdurchlauf nicht mehr erforderlich sein soll.

Für Automobilhersteller sind solche Effekte relevant, weil sie Nachhaltigkeitsziele mit messbaren Produktionsvorteilen verbinden. Weniger Energie, Lack und Abfall können die Umweltbilanz verbessern und zugleich laufende Kosten senken.

BASF, Renault und Dürr verbinden ihre Kompetenzen

Die Einführung zeigt, dass sich neue Produktionsverfahren in der Automobilindustrie selten durch einen einzelnen Anbieter umsetzen lassen.

BASF Coatings stellt die Lacktechnologie bereit. Renault bringt Erfahrung aus der Fahrzeugproduktion ein. Dürr liefert die notwendige Applikations- und Automatisierungstechnik.

Das Werk in Maubeuge wird damit zu einem Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Automobilhersteller, Chemieindustrie und Anlagenbau. Erst durch die Abstimmung von Material, Maschine und Fertigungsprozess kann eine neue Technologie in hohen Stückzahlen eingesetzt werden.

Für Zulieferer verändert sich dadurch die Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette. Gefragt sind nicht mehr nur einzelne Produkte, sondern Lösungen, die sich zuverlässig in bestehende Produktionssysteme integrieren lassen.

Verzicht auf Overspray reduziert Materialverluste

Ein zentrales Merkmal von OFLA ist die Vermeidung von Overspray. Bei klassischen Spritzverfahren entsteht Lacknebel, der nicht vollständig auf der vorgesehenen Fläche landet. Er muss anschließend aufgefangen, gefiltert oder entsorgt werden.

Beim OFLA-Verfahren soll der Lack mit einer Übertragungseffizienz von 100 Prozent aufgebracht werden. Die Angabe bezieht sich darauf, dass das Material gezielt auf die gewünschte Oberfläche gelangt und kein klassischer Sprühnebel entsteht.

Weniger Overspray bedeutet geringere Lackverluste und weniger Aufwand für Reinigung, Filterung und Entsorgung. Der Wegfall von Abklebematerial reduziert zudem Abfall und vereinfacht den Arbeitsablauf.

Für die industrielle Nutzung zählt jedoch nicht nur die ökologische Wirkung. Das Verfahren muss schnell, zuverlässig und wirtschaftlich genug sein, um den Takt einer Serienproduktion einzuhalten. Die Anwendung in Maubeuge zeigt, dass die Technologie nicht nur als Demonstrator funktioniert, sondern in einen realen Produktionsprozess eingebunden werden kann.

Prozessinnovationen gewinnen an Bedeutung

Der Sustainability Award lenkt den Blick auf einen Teil der Fahrzeugproduktion, der oft weniger Aufmerksamkeit erhält als Batterien, Antriebe oder Software. Auch Lackierstraßen, Beschichtungen und Oberflächentechnik beeinflussen den Energieverbrauch und die CO2-Bilanz eines Fahrzeugs.

Für BASF Coatings ist die Auszeichnung strategisch relevant. Das Unternehmen positioniert sich nicht nur als Lieferant von Lackmaterialien, sondern als Anbieter von Prozesslösungen für eine effizientere Produktion.

Alvin Lao, Head of Global Sustainability, Automotive OEM Coatings bei BASF Coatings, erklärt, die Auszeichnung zeige, wie Prozessinnovationen auf Basis moderner Lacktechnologie das Nachhaltigkeitsprofil der Zwei-Ton-Lackierung verändern könnten.

Dahinter steht ein wachsender Anspruch an Zulieferer. Neue Produkte sollen nicht nur technische Anforderungen erfüllen, sondern messbar zu Energieeffizienz, geringeren Emissionen und niedrigeren Produktionskosten beitragen.

Wenn Automobilhersteller ihre Werke stärker nach Nachhaltigkeitskennzahlen steuern, könnte die Bedeutung solcher Verfahren weiter zunehmen. Das OFLA-Verfahren zeigt, dass auch ein etablierter Arbeitsschritt wie die Autolackierung Potenzial für industrielle Modernisierung bietet.

Schreibe einen Kommentar