BASF Coatings setzt bei CO2-Bilanzen auf SAP und erweitert die Datentiefe im Lackgeschäft

Wenn Industrieunternehmen heute über Klimaschutz sprechen, geht es oft zuerst um Zahlen und deren Glaubwürdigkeit. BASF Coatings will genau dort ansetzen und bringt die Berechnung des Product Carbon Footprint breiter in die eigene Produktwelt. Die Ankündigung zeigt, wie sehr sich Nachhaltigkeitsdaten vom Nebenprodukt zur Voraussetzung im Geschäft mit großen Industriekunden entwickeln.

BASF Coatings stellt dafür ein BASF Coatings PCF-Tool vor, das den CO2-Fußabdruck eines Verkaufsportfolios von mehr als 120.000 Produkten abbilden soll. Nach Darstellung des Unternehmens ersetzt die Lösung eine bisher intern entwickelte Anwendung, die bereits seit einigen Jahren für Kunden weltweit CO2-Daten lieferte. Neu ist weniger die grundsätzliche Idee als die Skalierung und der Anspruch, komplexe Produkte wie Lacke mit vielen Farbvarianten konsistent rechnen zu können.

Aus Sicht des Unternehmens sollen die so entstehenden Werte Kunden helfen, Entscheidungen stärker datenbasiert zu treffen und Reduktionspotenziale zu identifizieren. Der Schritt ist auch ein Signal in Richtung industrieller Abnehmer, die ihre eigenen Emissionen nicht mehr nur grob schätzen wollen. Gerade in der BASF Lacke Automobilindustrie wird Transparenz zunehmend zu einer Frage der Lieferfähigkeit, weil Einkaufsabteilungen Informationen zu vorgelagerten Emissionen häufiger einfordern.

Die CO2-Bilanz wird zur Eintrittskarte in industrielle Lieferketten

Dass BASF Coatings das Thema so prominent setzt, passt zu einer Entwicklung, die viele Zulieferbranchen erfasst hat. Emissionsdaten werden nicht nur für eigene Ziele gebraucht, sondern zunehmend als Nachweis gegenüber Kunden, die ihre Lieferketten klimaseitig durchleuchten. Ein BASF CO2-Transparenz Lieferkette Ansatz bedeutet in der Praxis, dass Kennzahlen entlang von Rohstoffen, Logistik und Produktion verknüpft werden müssen, damit sie vergleichbar bleiben und im Einkauf als belastbar gelten.

Dabei wird der Product Carbon Footprint, also der CO2-Fußabdruck eines einzelnen Produkts, für Laien oft missverständlich: Er beschreibt nicht die Emissionen eines gesamten Unternehmens, sondern die Treibhausgase, die einem Produkt über definierte Prozessschritte zugerechnet werden. Für Lacke ist das besonders anspruchsvoll, weil Rezepturen und Farbtöne variieren und schon kleine Änderungen in den eingesetzten Stoffen oder im Energieeinsatz die Bilanz verändern können. Dass BASF Coatings den Prozess nun stärker systemgestützt abbilden will, ist daher auch eine Antwort auf die Erwartung, dass PCF-Werte nicht nur existieren, sondern nachvollziehbar zustande kommen.

SAPs Footprint-Software zwingt Datenströme in einheitliche Logik

Technisch setzt BASF Coatings nach eigener Darstellung auf eine Standardsoftware und nennt das System als BASF Coatings SAP-SFM Lösung. Konkret handelt es sich um SAP Sustainability Footprint Management, das schrittweise global ausgerollt worden sei und die bisherige interne Anwendung ablöse. Damit bindet BASF Coatings die PCF-Rechnung enger an Datenstrukturen, die in vielen Unternehmen ohnehin im ERP-Umfeld liegen, was die Vergleichbarkeit erhöhen kann, aber auch eine stärkere Abhängigkeit von Softwarelogik und Datenqualität mit sich bringt.

Inhaltlich soll das System CO2-Daten von über 25.000 bezogenen Rohstoffen integrieren und zudem standortspezifische Energieverbräuche von mehr als 30 eigenen Produktionsstandorten berücksichtigen. Damit wird die Rechnung granularer, weil nicht mehr nur Durchschnittswerte eine Rolle spielen, sondern Unterschiede zwischen Standorten sichtbar werden können. Der fachliche Projektleiter Maximilian Bauer formuliert den Anspruch so: „Mit der Einführung von SFM bringen wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen und schaffen für uns und unsere Kunden eine belastbare Transparenz“.

Lebenszyklus-Tools wie GLASS verschieben den Blick vom Produkt zum Prozess

Auffällig ist, dass BASF Coatings die PCF-Bilanzierung nicht als Endpunkt darstellt, sondern als Baustein, der durch weitere Werkzeuge ergänzt werde. Genannt wird das GLASS Tool, das als Global Life Cycle Assessment of Automotive Surface Solutions für OEMs gedacht ist, sowie ein EcoImpact Assessment Tool für Reparaturwerkstätten. Während PCF vor allem das einzelne Produkt adressiert, zielt diese Perspektive stärker auf den gesamten Lackierprozess, also auf den Ablauf und die damit verbundenen Emissionen jenseits der Materialseite.

Für die Praxis kann das wichtig sein, weil ein Teil der Klimawirkung nicht im Lack selbst entsteht, sondern in Energiebedarf, Trocknung, Prozesszeiten und Ausschuss. Wenn solche Aspekte systematisch ausgewertet werden, verschiebt sich die Diskussion von der Frage „welcher Lack ist besser“ hin zu „welcher Prozess ist effizienter“. BASF Coatings verknüpft das mit dem Hinweis, Kunden könnten so auch Effizienz und Qualität verbessern, wobei die tatsächliche Wirkung davon abhängen dürfte, wie konsequent Unternehmen die Erkenntnisse in ihre Produktionsrealität übersetzen.

Das 2030-Ziel zeigt, wie stark die Chemie unter Transformationsdruck steht

BASF Coatings ordnet die Digitalinitiative in eine breitere Nachhaltigkeitsstrategie ein und nennt das Ziel, den eigenen CO2-Fußabdruck bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 2018 zu senken. Das ist ambitioniert, weil ein Teil der Emissionen strukturell an Energie- und Rohstoffsysteme gebunden ist und nicht allein durch bessere Messung verschwindet. Umso stärker wird die Frage, wie aus Transparenz konkrete Maßnahmen werden, etwa bei Rohstoffwahl, Transport und Energieumstellung.

Das Unternehmen verweist dazu auf alternative Rohstoffe, erneuerbare Energien sowie nachwachsende oder recycelte Rohstoffe und nennt auch den zertifizierten Massenbilanzansatz und ChemCycling®. In der Logik des BASF Coatings PCF-Tool soll die Datengrundlage helfen, solche Hebel im Produktportfolio sichtbar zu machen und in der Lieferkette argumentierbar zu werden. Dr. Markus Piepenbrink, Leiter Global Sustainability BASF Coatings, sagt dazu: „Für unsere Kunden wird der Klimaschutz immer wichtiger. Mit unseren Tools können wir sie mit verlässlichen Daten versorgen und auf dieser Basis auch mit Lösungen unterstützen“. Ob sich daraus ein Wettbewerbsvorteil ergibt, dürfte davon abhängen, wie gut BASF Coatings die Daten dauerhaft aktuell hält und wie stark Kunden diese Transparenz tatsächlich in ihre Beschaffungsentscheidungen übersetzen.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von BASF, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

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