BASF will auf der Techtextil vom 21. bis 24. April 2026 in Frankfurt zeigen, wie stark die Textilindustrie inzwischen von chemischen Materialinnovationen geprägt wird. Im Mittelpunkt stehen Recycling, geringere Emissionen, atmungsaktive Membranen und industrielle Anwendungen. Technische Textilien betreffen längst nicht mehr nur Spezialanbieter, sondern Outdoorbekleidung, Bauprodukte, Fahrzeuge, Möbel, Filtersysteme und Mode.
Der Messeauftritt zeigt, wie Chemiekonzerne auf Nachhaltigkeitsdruck, Kostendisziplin und komplexe Lieferketten reagieren. BASF präsentiert unter anderem Schuhe, Outdoorhosen, Kletterseile, Rucksäcke, Vliesstoffe, Verbundmaterialien und Membranen. An diesen Beispielen sollen Begriffe wie Massenbilanz, Product Carbon Footprint und Kreislaufwirtschaft greifbarer werden.
Ein zentrales Produkt ist Ultramid Ccycled. Das Material kommt in gezeigten Sportschuhen, Outdoorhosen und Kletterseilen zum Einsatz. Grundlage ist ein massenbilanziertes Verfahren, bei dem alternative Rohstoffe aus chemischem Recycling in den Produktionsverbund eingespeist und rechnerisch bestimmten Produkten zugeordnet werden. So können auch schwer verwertbare Kunststoffabfälle wie Altreifen indirekt in neue Wertschöpfungsketten einfließen.
Recycelte und biozirkuläre Rohstoffe rücken in den Mittelpunkt
Mit Ultramid Ccycled adressiert BASF die Frage, wie sich fossile Rohstoffe verringern lassen, ohne bestehende Produktionsprozesse vollständig umzubauen. Die Materialqualität soll unverändert bleiben, obwohl alternative Rohstoffe am Anfang der chemischen Herstellung eingesetzt werden.
Für Marken aus Sport, Outdoor und Mode ist das attraktiv, weil sie Nachhaltigkeitsziele verfolgen können, ohne neue Materialsysteme mit anderen Eigenschaften einführen zu müssen. Für Verbraucher bleibt der Ansatz jedoch erklärungsbedürftig. Der recycelte Rohstoffanteil muss nicht physisch in jedem einzelnen Produkt enthalten sein, sondern wird bilanziell zugeordnet.
Ein ähnliches Prinzip verfolgt BASF mit Ultramid BMB. Das Material nutzt biozirkuläre Rohstoffe und wird in einem Jumpsuit von Zara gezeigt. Die Ausgangsstoffe sind nach REDcert2 zertifiziert und ersetzen fossile Ressourcen zu Beginn des Produktionsprozesses.
Nach Unternehmensangaben kann der CO2-Fußabdruck gegenüber Standard-Ultramid um mehr als 50 Prozent sinken. Die Berechnung bezieht sich auf Cradle to Gate, also auf den Weg bis zum Werkstor. Sie erfasst nicht den gesamten Lebenszyklus des Kleidungsstücks, ist für Beschaffung und Nachhaltigkeitsberichte dennoch relevant.
Auch der Fahrradrucksack TRAILCONTROL ZERO 20+ von VAUDE soll zeigen, wie Materialien mit bilanziell reduziertem Klimaeffekt in marktfähige Produkte gelangen. Zum Einsatz kommt Ultramid ZeroPCF, ein Polyamid 6 mit einem bilanziellen CO2-Fußabdruck von null bis zum Werkstor.
Das bedeutet nicht, dass Herstellung, Nutzung und Entsorgung des fertigen Produkts emissionsfrei sind. Für Hersteller von Outdoorprodukten kann eine solche Materialkennzahl dennoch wichtig sein, weil sie die Emissionen ihrer Lieferketten genauer ausweisen müssen.
Technische Textilien reichen weit über Kleidung hinaus
Die Messepräsentation macht deutlich, wie weit der Begriff technische Textilien inzwischen gefasst wird. BASF zeigt Bindemittel für Vliesstoffe und faserverstärkte Verbundwerkstoffe, die etwa in Bauprodukten, Filtern und Fahrzeugen eingesetzt werden.
Acronal und Styrofan dienen als Bindemittel für Glas- und Kunstfaservliese. Solche Materialien sind für Endkunden meist unsichtbar, beeinflussen aber Festigkeit, Haltbarkeit, Gewicht und Verarbeitung. Für Industriekunden zählen dabei vor allem Zuverlässigkeit, Kostenkontrolle und regulatorische Sicherheit.
Mit acForm präsentiert BASF eine dispersionsbasierte Bindemitteltechnologie für Holzfasermatten. Diese können als Kernstruktur für komplexe dreidimensionale Bauteile mit Furnieroberflächen dienen. Gegenüber klassischen Sperrholz- und Furnierlagen könnten solche Lösungen größere Formfreiheit bieten.
Für die Möbelindustrie ist das interessant, weil sich Design, Materialeffizienz und Serienfertigung enger verbinden lassen. Gleichzeitig zeigt die Anwendung, wie stark Textiltechnik, Holzwerkstoffe und Chemie inzwischen ineinandergreifen.
Auch Acrodur wird als emissionsarmes Acrylatharz für Leichtbau-Verbundlösungen gezeigt. Die Beispiele reichen von Glasfiltermedien für Lackierkabinen bis zu Glasgeweben, die Putz- und Dämmsysteme verstärken.
Der Nachhaltigkeitseffekt solcher Materialien entsteht nicht nur über die Rohstoffbasis. Auch geringeres Gewicht, längere Lebensdauer und bessere Funktion können in großen Stückzahlen einen messbaren Unterschied machen.
Membranen und Textilrecycling werden zum nächsten Test
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit dimpora bei mikroporösen Membranen. Herkömmliche Membranen werden häufig mechanisch gestreckt, um Poren zu erzeugen. Das kann ihre Elastizität begrenzen.
Durch die Kombination von Elastollan, einem thermoplastischen Polyurethan von BASF, mit der Technologie von dimpora soll eine dehnbare Membran entstehen, die wasserdicht und atmungsaktiv bleibt. Sie wird zudem als PFAS-frei und lösemittelfrei beschrieben.
Für Outdoor- und Funktionsbekleidung ist das relevant, weil Regulierung und öffentliche Debatte den Einsatz bestimmter Chemikalien stärker unter Druck setzen. Eine elastische Membran kann Bewegungen besser mitmachen und eröffnet Marken zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Mit loopamid nimmt BASF außerdem Textilabfälle in den Blick. Das Verfahren soll Polyamid 6 aus PA6-Textilabfällen zurückgewinnen und erneut für textile Anwendungen nutzbar machen. Gezeigt werden eine Zara-Jacke, ein Jogginganzug aus dem T-Rex-Projekt mit adidas sowie ein T-Shirt von Pompea mit Polyamidgarn von Fulgar.
Für die Modeindustrie ist das strategisch bedeutsam, weil geschlossene Textilkreisläufe bislang nur begrenzt funktionieren. Viele Kleidungsstücke bestehen aus Mischfasern, Beschichtungen, Farben und Zubehörteilen, die hochwertiges Recycling erschweren.
Die Beispiele auf der BASF Techtextil 2026 zeigen deshalb, dass Kreislaufwirtschaft im Textilsektor nicht von einem einzelnen Material abhängt. Sie benötigt chemische Verfahren, Zertifizierungen, Rücknahmestrukturen und Unternehmen, die recycelte Rohstoffe in großen Mengen einsetzen.
BASF positioniert sich mit dem Messeauftritt nicht nur als Materiallieferant, sondern als Partner einer Textilindustrie, die ihre Rohstoffbasis und Lieferketten neu ordnen muss. Ob daraus ein breiter Markt entsteht, hängt von Preis, Verfügbarkeit, Regulierung und der Bereitschaft großer Marken ab, neue Materialstandards dauerhaft zu übernehmen.


