BayWa erweitert einen Teil ihres Tankstellennetzes um Paketstationen der Marke inboxx. Gemeinsam mit GLS Germany und DPD Deutschland startet das Unternehmen zunächst an 30 Standorten in Bayern und Baden-Württemberg. Weitere Stationen könnten folgen. Damit rücken Tankstellenstandorte Bayern stärker in den Fokus einer Paketlogistik Deutschland, die sich zunehmend vom klassischen Haustürgeschäft löst.
BayWa Paketstationen entstehen dort, wo Menschen ohnehin regelmäßig vorbeikommen. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen sollen die ersten inboxx Paketstationen an 30 BayWa-Tankstellen in Betrieb gehen, darunter Standorte in Bayern sowie ausgewählte Niederlassungen in Baden-Württemberg. Mittelfristig ist ein Ausbau auf weitere Tankstellen möglich, denn BayWa betreibt insgesamt mehr als 80 solcher Standorte. Der Schritt folgt einer klaren Logik: Paketdienste suchen gut erreichbare Orte mit längeren Öffnungszeiten, die sich in alltägliche Wege integrieren lassen. Tankstellen erfüllen diese Bedingungen häufig besser als klassische Einzelhandelsflächen. Für die Paketlogistik Deutschland bedeutet das eine stärkere Verlagerung hin zu Abhol- und Versandpunkten, die nicht eigens angesteuert werden müssen, sondern in bestehende Routinen eingebettet sind.
Tankstellen werden für Paketdienste zu wertvollen Alltagsstandorten
Die Kooperation zwischen BayWa, GLS und DPD ist Teil eines größeren Umbaus der Zustellinfrastruktur. Unter der Marke inboxx Paketstationen bauen die beiden Paketdienste ein gemeinsam nutzbares Stationsnetz auf, das Versand, Empfang und Retouren flexibler machen soll. Die Systeme sind nicht auf einen einzelnen Anbieter beschränkt, sondern als anbieteroffene Lösung konzipiert. GLS und DPD verfügen den Angaben zufolge bereits über jeweils mehr als 10.000 sogenannte Out-of-Home-Punkte, also Paketshops und Stationen außerhalb der Haustürzustellung. Bis Ende 2027 soll daraus ein gemeinsames Netz von 20.000 Paketshops und Paketstationen in Deutschland entstehen. BayWa Paketstationen sind damit nicht nur eine Ergänzung des Tankstellenangebots, sondern ein Baustein in einem größeren Flächenausbau.
Die beteiligten Unternehmen betonen vor allem den Komfort für Kunden. BayWa-Tankstellenleiter Werner Henzel erklärte, die Tankstellen seien für viele Menschen ein fester Anlaufpunkt im Alltag. Redaktionell betrachtet liegt die größere Relevanz jedoch in der veränderten Funktion solcher Standorte. Tankstellen werden zunehmend nicht nur als Orte für Kraftstoff, Shopgeschäft oder Mobilitätsangebote verstanden, sondern als kleine Serviceinfrastruktur im ländlichen und suburbanen Raum. Für Paketdienste sind solche Flächen wertvoll, weil sie erreichbar, bekannt und bereits in lokale Verkehrsströme eingebunden sind. Für Kunden entsteht ein zusätzlicher Nutzen, wenn Paketabholung, Versand oder Retoure mit Tanken, Einkauf oder anderen Erledigungen verbunden werden können.
BayWa nutzt bestehende Flächen strategisch
Für BayWa ist die Kooperation auch eine Standortentscheidung. Das Unternehmen verfügt historisch über eine starke Präsenz in ländlichen und regional geprägten Märkten, vor allem im Süden Deutschlands. Tankstellenstandorte Bayern spielen deshalb eine besondere Rolle, weil sie vielerorts näher an Alltagswegen liegen als klassische Innenstadtlagen. Durch die Installation von inboxx Paketstationen lässt sich vorhandene Fläche intensiver nutzen, ohne dass neue Gebäude oder eigene Logistikimmobilien geschaffen werden müssen. Diese Form der Nachverdichtung ist für Handels- und Infrastrukturunternehmen attraktiv. Sie erhöht die Frequenz an bestehenden Standorten, schafft zusätzliche Berührungspunkte mit Kunden und kann Nebenerlöse stärken, ohne das Kerngeschäft vollständig zu verändern.
Zugleich verweist der Schritt auf die weitere Entwicklung stationärer Nahversorgung. Viele Geschäftsmodelle geraten unter Druck, wenn Frequenzen sinken oder traditionelle Nutzungsmuster schwächer werden. Zusätzliche Dienstleistungen wie Paketabholung, Versand und Retouren können Standorte robuster machen. Die BayWa-Kooperation wirkt deshalb weniger wie eine kurzfristige Vermarktungsmaßnahme, sondern wie ein Versuch, vorhandene Infrastruktur stärker an veränderte Konsum- und Liefergewohnheiten anzupassen.
Paketstationen verändern Wettbewerb und Zustellmodelle
Für GLS und DPD hat die Zusammenarbeit mit BayWa eine strategische Dimension. Die Paketdienste konkurrieren nicht nur um Versandvolumen, sondern zunehmend auch um gut gelegene Übergabepunkte. Wer ein dichtes Netz an Stationen und Shops anbieten kann, verbessert die Wahlmöglichkeiten für Versender und Empfänger. inboxx Paketstationen sollen in diesem Wettbewerb ein sichtbares gemeinsames Angebot schaffen, das außerhalb der Haustürzustellung skaliert. Die Entwicklung reagiert zugleich auf strukturelle Belastungen der Branche. E-Commerce bleibt ein wichtiger Treiber des Paketaufkommens, während Kosten für Personal, Energie und letzte Meile steigen. Stationäre Abholpunkte können helfen, Touren planbarer zu machen und Fehlzustellungen zu verringern. Sie ersetzen die Haustürzustellung nicht vollständig, erweitern aber das Zustellmodell um eine zusätzliche Option.
Entscheidend wird sein, ob solche Angebote tatsächlich in ausreichendem Maß genutzt werden und ob sie auch außerhalb großer Ballungsräume tragfähig sind. Khaled Waizy von GLS beschrieb Paketstationen an Tankstellen als echten Convenience-Hebel. Hinter dieser Formulierung steht ein nüchterner Branchenbefund: Je stärker sich Sendungen bündeln und flexibel abrufen lassen, desto eher können Paketdienste Prozesse stabilisieren. Die BayWa-Kooperation zeigt daher, dass sich Wettbewerb in der Logistik zunehmend auch an der Frage entscheidet, wer Zugang zu attraktiven Alltagsflächen hat.
Die Kooperation weist über Tankstellen hinaus
Die mögliche Ausweitung auf weitere BayWa-Geschäftsfelder ist mehr als eine Randnotiz. BayWa betreibt neben Tankstellen zahlreiche Standorte in Handel, Technik, Baustoffen, Agrar und Wärme. Sollten dort künftig ebenfalls Paketstationen entstehen, könnte sich das Modell von einer punktuellen Tankstellenlösung zu einem breiteren regionalen Stationsnetz entwickeln. Für Verbraucher erhöht ein solches Netz die Zahl flexibler Abhol- und Versandmöglichkeiten. Für Paketdienste eröffnet es Zugang zu Flächen, die gerade im ländlicheren Raum schwerer zu erschließen sind. Für BayWa wiederum stärkt es die Rolle als regionaler Infrastrukturpartner, ohne dass das Unternehmen sein Geschäftsmodell grundlegend neu erfinden muss. Langfristig könnten Paketstationen zu einem selbstverständlichen Bestandteil vieler Handels- und Mobilitätsstandorte werden, ähnlich wie Geldautomaten, Ladepunkte oder Waschstraßen.


