Bechtle meldet einen Ausbau der Ladeinfrastruktur an seinen Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schritt ist nicht nur ein Nachhaltigkeitssignal, sondern auch ein Versuch, E-Mobilität im Arbeitsalltag planbar zu machen. Hinter der Zahl steht eine Strategie, die Fuhrpark, Gebäudetechnik und Strombezug enger verzahnt.
Bechtle hat nach eigenen Angaben in der DACH-Region 1.000 Ladepunkte in Betrieb und erreicht damit eine Größenordnung, die in vielen Unternehmen noch als Pilotphase gilt. Bemerkenswert ist weniger die symbolische Marke als die Geschwindigkeit: Seit 2020 habe sich die installierte Infrastruktur verzehnfacht, allein in diesem Jahr seien 166 Ladepunkte hinzugekommen. Damit wird Bechtle Ladepunkte DACH zu einem praktischen Infrastrukturprojekt – und nicht nur zu einem Nachhaltigkeitskapitel im Geschäftsbericht.
Dass ein IT-Dienstleister in dieser Breite investiert, verweist auf einen grundlegenden Wandel: Laden am Arbeitsplatz wird zunehmend als Teil betrieblicher Mobilität verstanden, ähnlich wie Jobticket oder Dienstwagenregelung. Bechtle spricht davon, an 61 Standorten Lademöglichkeiten anzubieten; für Beschäftigte kann das im Alltag entscheidend sein, weil öffentliches Laden je nach Region weiterhin ungleich verteilt ist. Für die Branche ist das ein Hinweis darauf, dass Ladeinfrastruktur IT-Systemhaus nicht nur „nice to have“ ist, sondern in Regionen mit knappen Parkflächen und Netzanschlüssen zum Standortfaktor werden kann.
Die E-Mobilität Bechtle Fuhrpark wird als größter Hebel für Klimaziele beschrieben
Im eigenen Wirkungsbereich sehe Bechtle den Wechsel zu elektrischen Antrieben als wichtigsten Dekarbonisierungshebel, heißt es in der Mitteilung. Das Unternehmen ordnet den Ausbau der Ladepunkte daher ausdrücklich der Fuhrparkstrategie zu und verbindet ihn mit einem Zeithorizont bis 2030, in dem nachhaltige Antriebe schrittweise dominieren sollen. Ende 2024 habe der Anteil alternativer Antriebe im Fuhrpark bei rund 47 Prozent gelegen, davon rund 21 Prozent vollelektrisch – Zahlen, die zeigen, dass der Wandel bereits fortgeschritten ist, aber nicht abgeschlossen.
Auffällig ist, wie stark Bechtle den operativen Nutzen betont: Beschäftigte könnten sowohl Dienst- als auch Privatfahrzeuge während der Arbeitszeit laden, abgerechnet werde transparent nach Verbrauch – inklusive einer „Kilowattstunden-Abrechnung“ zu einheitlichen Konditionen. Das ist mehr als ein Nebenangebot, denn ohne verlässliche Ladeoptionen bleibt die Elektrifizierung des Fuhrparks oft eine Rechenaufgabe mit vielen Unsicherheiten. COO Antje Leminsky formuliert die Ambition entsprechend deutlich: „Die Installation des eintausendsten E-Ladepunkts in der DACH-Region markiert einen weiteren Meilenstein und unterstreicht unsere Ambition, das bereits sehr hohe Niveau unserer Aktivitäten kontinuierlich zu steigern“.
Gütersloh und Neckarsulm zeigen, wie stark Standortausbau inzwischen von Energie abhängt
Den 1.000. Ladepunkt verbindet Bechtle mit einer baulichen Erweiterung in Gütersloh – ein Detail, das die Logik hinter dem Programm erklärt. Wo Gebäude wachsen, steigen nicht nur die Parkplätze, sondern auch die Anforderungen an Stromanschlüsse, Lastverteilung und Betriebskonzepte. Die Charge@Work Ladelösung wird dabei als Klammer dargestellt, mit der sich Ladepunkte standortübergreifend organisieren lassen; seit Jahresende 2024 seien vier weitere Standorte hinzugekommen. Bechtle Ladepunkte DACH ist damit nicht allein ein Ausbauprojekt, sondern ein Rollout, der interne Standards setzt.
Ein zweites Beispiel liefert der Konzernsitz in Neckarsulm, wo nach Unternehmensangaben rund 170 Ladepunkte betrieben werden – die größte „E-Ladetankstelle“ innerhalb der Gruppe. Bechtle verweist darauf, dass der Ausbau dort bereits 2014 begonnen habe, also deutlich früher als in vielen anderen Unternehmen der Privatwirtschaft. Diese Frühphase kann heute ein Vorteil sein, weil sie Know-how zu Betrieb, Wartung und Nutzersteuerung geschaffen hat. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass Ladeinfrastruktur IT-Systemhaus schnell eine Dimension erreicht, in der Strom- und Flächenmanagement zur Managementaufgabe werden – nicht zur Frage einzelner Wallboxen.
Ohne Ökostrom und Steuerungssoftware droht der Ausbau an Netz- und Kostengrenzen zu stoßen
Parallel zum Ausbau der Ladepunkte treibt Bechtle nach eigener Darstellung eine Ökostrom-Umstellung voran und verknüpft nachhaltige Immobilienkonzepte mit Energieversorgung aus Photovoltaik und Geothermie. Für die Klimabilanz ist das zentral: Elektroautos verbessern Emissionen im Betrieb nur dann spürbar, wenn der Strommix mitzieht. Zugleich wird der betriebswirtschaftliche Teil relevanter, weil Ladeinfrastruktur bei vielen Standorten Lastspitzen erzeugen kann, die Netzentgelte und Anschlussleistungen beeinflussen. Genau hier setzt das angekündigte Lade- und Energiemanagement an, das die Nutzung in die bestehende Energielandschaft einpassen soll.
Als Lieferant der Stationen nennt Bechtle The Mobility House Solutions, das seit 2020 auch ein softwarebasiertes System für Steuerung und Effizienz bereitstelle – im Kern ein Lastmanagement, das Ladezeiten und verfügbare Leistung koordiniert. Strategisch ist das ein Hinweis darauf, dass der Ausbau künftig weniger an der Zahl der Ladepunkte scheitert als an deren Einbettung in Gebäude, Netze und Stromverträge. Zudem will Bechtle die Infrastruktur über die DACH-Region hinaus ausrollen: In 14 europäischen Ländern ist das Unternehmen mit eigenen Standorten vertreten; außerhalb von DACH gebe es derzeit rund 60 Ladepunkte, unter anderem in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Für die E-Mobilität Bechtle Fuhrpark bedeutet das: Der nächste Schritt ist nicht die nächste runde Zahl, sondern die Frage, wie sich ein einheitliches Ladenetz unter unterschiedlichen nationalen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lässt – und wie belastbar die Charge@Work Ladelösung im europäischen Maßstab ist.


