Bechtle Multi-Cloud-Portal wächst und setzt auf digitale Souveränität Deutschland

Bechtle hat neue Partnerverträge mit der Deutschen Telekom und Arvato Systems geschlossen und erweitert damit sein Cloud-Angebot. Der IT-Dienstleister will Kunden mehr Auswahl beim Aufbau und Betrieb ihrer IT geben und zugleich Anforderungen an Datenhoheit stärker adressieren. Konkret sollen die Open Telekom Cloud und die Arvato Systems Private Cloud künftig in das Portfolio aufgenommen werden.

Bechtle setzt darauf, dass sich Cloud-Entscheidungen zunehmend über Governance und Rechtsraum entscheiden und weniger über reine Preismodelle. Nach Darstellung des Unternehmens soll das Bechtle Multi-Cloud-Portal als zentrale Oberfläche dienen, über die sich unterschiedliche Cloud-Dienste einkaufen, verwalten und kontrollieren lassen. Für die Open Telekom Cloud werde betont, sie sei auf europäische Vorgaben wie die DSGVO ausgerichtet und damit für Organisationen relevant, die Datenflüsse eng begrenzen oder nachvollziehbar dokumentieren müssen.

Neu ist weniger die Idee eines Portals als die größere strategische Dringlichkeit. Bechtle verweist darauf, seit 2017 über einen Cloud-Marketplace Services verschiedener Provider auf einer Plattform managen zu können. In Zeiten, in denen Unternehmen und Behörden ihre IT-Risiken stärker entlang der Lieferketten diskutieren, wird die Rolle des Integrators wichtiger. Gleichzeitig steigt der Aufwand, wenn mehrere Plattformen parallel betrieben werden und Sicherheits-, Support- oder Abrechnungslogiken nicht sauber zusammenpassen.

digitale Souveränität Deutschland wird zum Entscheidungskriterium im Cloud-Markt

Cloud gilt in Europa längst nicht mehr nur als Effizienzthema, sondern als industriepolitischer Hebel. Unternehmen und Verwaltungen verlangen häufiger nachvollziehbare Regeln für Datenzugriffe, Prüfpfade und Zuständigkeiten, weil Audits und Sicherheitsanforderungen strenger werden. Daraus entsteht ein Markt, in dem Compliance zur kaufentscheidenden Größe wird und nicht mehr nur ein formales Abhaken im Projektplan ist. Auch die öffentliche Beschaffung orientiert sich zunehmend an Kriterien, die Datenhaltung und Kontrollrechte schon im Vergabeverfahren absichern sollen.

Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von globalen Plattformen bestehen, weil deren Ökosysteme für viele Anwendungen weiterhin attraktiv sind. Bechtle arbeitet nach eigenen Angaben weiter mit Hyperscalern wie AWS, Google Cloud und Microsoft und ergänzt das Portfolio um europäische Optionen wie IONOS, Plusserver, OVHcloud oder STACKIT. Aus Sicht vieler Kunden entscheidet am Ende, ob die versprochene Interoperabilität im Alltag tatsächlich funktioniert, etwa wenn Anwendungen zwischen Umgebungen verschoben werden oder wenn Kosten- und Leistungsmodelle über mehrere Anbieter hinweg vergleichbar bleiben sollen.

Die neuen Bausteine bringen Auswahl, sie erhöhen aber auch den Erwartungsdruck

Die Telekom positioniert ihr Angebot im Kern als Public Cloud, bei der Nutzer standardisierte Dienste flexibel buchen können. Thomas Weber, verantwortlich für die Plattform, macht den Partneraspekt deutlich: „Mit Bechtle erweitern wir unseren Vertriebskanal für die Open Telekom Cloud.“ Für Bechtle ist das eine Gelegenheit, eine zusätzliche Option mit europäischem Rechtsraumprofil anzubieten, ohne automatisch in einen reinen Funktionsvergleich mit den großen internationalen Plattformen gedrängt zu werden. Gleichzeitig wird der Dienstleister daran gemessen werden, ob Beratung, Migration und Betrieb für Kunden tatsächlich einfacher werden.

Bei Arvato Systems geht es um ein anderes Einsatzfeld, das häufig in regulierten Branchen und im öffentlichen Sektor zu finden ist. Die Arvato Systems Private Cloud wird als abgeschottete Cloud-Umgebung beschrieben, die sich für Organisationen mit hohen Schutzbedarfen eignen solle, und ergänzt damit das Multi-Cloud-Setup um eine weitere Option aus Deutschland. Technisch ist von einer Virtual Private Cloud und von einem Software-Defined Datacenter die Rede, also von einer Infrastruktur, die per Software virtualisiert wird und Ressourcen flexibel zuteilt. Für Laien heißt das, dass Cloud-Mechaniken wie Skalierung und Automatisierung genutzt werden sollen, ohne alle Daten und Zugriffsregeln in eine offene Umgebung zu verlagern.

Für Bechtle wird das Portal zur Bewährungsprobe im laufenden Betrieb

Mit den Partnerschaften verschiebt Bechtle seinen Schwerpunkt weiter in Richtung Betrieb und Beratung. Das Unternehmen kündigt an, die neuen Angebote im Bechtle Multi-Cloud-Portal bereitzustellen und durch Managed Services zu ergänzen. Melanie Schüle, Geschäftsführerin Bechtle Clouds, formuliert den Anspruch so: „Mit den neuen Partnerschaften unterstreichen wir unseren Anspruch, Kunden die beste Kombination aus globaler Innovationskraft, Wahlfreiheit und lokaler Sicherheit zu bieten“, sagte sie. Entscheidend wird sein, ob Bechtle diese Kombination im Alltag verlässlich orchestrieren kann, inklusive klarer Verantwortlichkeiten, durchgängiger Sicherheitsprozesse und transparenter Kostensteuerung. Denn je mehr Optionen ein Portal verspricht, desto stärker fällt jede operative Reibung ins Gewicht.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Bechtle, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

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