Beiersdorf führt als einer der ersten großen Kosmetikkonzerne den EcoBeautyScore für seine Marken NIVEA und Eucerin ein. Die neue Umweltkennzahl soll Verbraucherinnen und Verbrauchern zeigen, wie nachhaltig ein Produkt ist. Nahezu alle getesteten Gesichtspflegeprodukte erreichen die besten Kategorien.
Bedeutung und Kontext
Die Einführung des EcoBeautyScore markiert für die Branche der nachhaltigen Kosmetik einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz. Über viele Jahre standen Unternehmen zunehmend unter Druck, ihre ökologischen Auswirkungen offener darzustellen, während Konsumentinnen und Konsumenten stärker auf Umweltaspekte achten. Mit dem neuen Bewertungssystem will die Industrie eine einheitliche Orientierung bieten, die weit über übliche Marketinglabels hinausgeht. Die Initiative entstand in einem Marktumfeld, das sich seit Jahren verändert: Verbraucher erwarten nachvollziehbare Daten, während Hersteller versuchen, komplexe Lieferketten und Emissionsfaktoren verständlich zu kommunizieren. Diese Entwicklung mündet nun in einem Instrument, das nachvollziehbar, vergleichbar und branchenweit anwendbar sein soll.
Beschreibung des Vorhabens
Der EcoBeautyScore ordnet Kosmetikprodukte anhand von 16 wissenschaftlich definierten Umweltkriterien in fünf Stufen von A bis E ein. Die Kriterien umfassen unter anderem den CO₂-Fußabdruck, die Verpackungsbilanz und die Auswirkungen von Inhaltsstoffen auf Ökosysteme. Der Score schafft so ein sichtbares Raster, das auch Produkte verschiedener Marken vergleichbar macht. Nach Angaben von Beiersdorf wird die Kennzahl zunächst digital veröffentlicht, damit Nutzerinnen und Nutzer sie direkt auf den Produktseiten finden können. Bei NIVEA sind 99 Prozent der bewerteten Gesichtspflegeprodukte mit A oder B eingestuft, bei Eucerin sind es sogar alle Produkte. Die Werte spiegeln umfassende Überarbeitungen von Formulierungen und Verpackungen wider, die der Konzern in den vergangenen Jahren vorangetrieben hat.
Beteiligte Akteure und Zusammenarbeit
Der EcoBeautyScore ist das Ergebnis eines breiten Industriebündnisses, das mehr als 70 Unternehmen, Händler und Branchenverbände umfasst. Die beteiligten Firmen entwickelten die Methodik nach eigenen Angaben unabhängig von staatlichen Vorgaben und tragen gemeinsam die Verantwortung für die Datenbasis. Innerhalb dieses Netzwerks entstand auch die EcoBeautyScore Association, die das Verfahren koordiniert und weiter ausbaut. Beiersdorf war von Beginn an Teil dieser Kooperation, die über mehrere Jahre hinweg wissenschaftliche Modelle, Bewertungslogiken und technische Standards erarbeitete. Durch diese Zusammenarbeit sollte ein System entstehen, das für den gesamten Sektor nutzbar ist und gleiche Voraussetzungen schafft.
Anwendungsfelder und gesellschaftliche Relevanz
Der Score richtet sich in erster Linie an Konsumentinnen und Konsumenten, die nachhaltige Kosmetik bevorzugen, aber bislang nur schwer nachvollziehen konnten, wie sich einzelne Produkte in ihrer Umweltwirkung unterscheiden. Die Kennzahl soll Kaufentscheidungen erleichtern und gleichzeitig dazu beitragen, das Bewusstsein für ökologische Folgen von Alltagsprodukten zu schärfen. Auch für die Industrie könnte das Instrument weitreichende Bedeutung erlangen, da es Unternehmen dazu motiviert, ihre Prozesse, Verpackungsmaterialien und Rezepturen weiter zu verbessern. Die Methodik ist nicht nur auf Gesichtspflege begrenzt, sondern bereits auf Duschpflege, Shampoos und Haarpflegeprodukte übertragbar. Damit besitzt das System das Potenzial, sich über die nächsten Jahre zu einem Standard für Umweltbewertung im Kosmetikmarkt zu entwickeln.
Einschätzungen und Statements
Beiersdorf-Chef Vincent Warnery betonte in diesem Zusammenhang, Nachhaltigkeit gelinge nur „durch gemeinsames Handeln in der Branche“. Die Einführung des EcoBeautyScore zeige, dass jahrelange Kooperation nun sichtbare Resultate hervorbringe und einen Mehrwert für die Verbraucher liefere. Die Forschungsleiterin des Konzerns, Gitta Neufang, sprach von einem wichtigen Fortschritt, der die intensive Arbeit zahlreicher Partner widerspiegle. Beide Einschätzungen unterstreichen, dass das Unternehmen den Score nicht als Marketinginstrument, sondern als strukturelle Veränderung im Markt positionieren möchte. Die Aussagen verdeutlichen zudem die Erwartung, dass transparente Umweltbewertungen künftig fester Bestandteil des Wettbewerbs sein werden.
Wirtschaftlicher und politischer Rahmen
Die Kosmetikbranche sieht sich zunehmend europäischen Vorgaben gegenüber, die auf transparente Umweltinformationen und nachhaltigere Lieferketten abzielen. Politische Initiativen wie der EU-Green-Deal fördern Entwicklungen, die Umweltwirkungen von Konsumgütern messbar machen sollen. Unternehmen, die früh eigene Standards etablieren, sichern sich damit eine bessere Ausgangslage, falls strengere Regulierungen folgen. Zugleich wächst der wirtschaftliche Druck: Nachhaltige Kosmetik ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente des Marktes. Wer dort glaubwürdig auftreten will, benötigt über bloße Markenbotschaften hinaus nachvollziehbare Daten. Der EcoBeautyScore könnte deshalb nicht nur als Orientierung für Verbraucher dienen, sondern auch als Wettbewerbskriterium für Hersteller.
Herausforderungen
Trotz der positiven Resonanz ist das System nicht frei von Herausforderungen. Die Berechnung von Umweltwirkungen ist komplex und hängt von zahlreichen Faktoren ab, die sich je nach Produktkategorie stark unterscheiden. Gleichzeitig ist die Vergleichbarkeit nur dann gewährleistet, wenn alle Unternehmen nach denselben Standards arbeiten und ihre Daten konsistent liefern. Kritiker könnten zudem bemängeln, dass die Methode aus der Industrie heraus entwickelt wurde und daher nicht völlig unabhängig ist. Auch bleibt offen, wie gut Verbraucherinnen und Verbraucher die Skala langfristig verstehen und nutzen werden, insbesondere wenn weitere Kategorien hinzukommen und die Systematik komplexer wird.
Ausblick
Die EcoBeautyScore Association plant bereits, den Bewertungsrahmen auf weitere Produktgruppen auszuweiten und die wissenschaftliche Basis kontinuierlich zu aktualisieren. Beiersdorf will die Scores künftig auch in weiteren Ländern veröffentlichen und damit die Transparenz für internationale Zielgruppen erhöhen. Sollte sich das System etablieren, könnte es zum Referenzmodell für Umweltbewertungen im gesamten Konsumgüterbereich werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Score nicht nur Sichtbarkeit schafft, sondern auch tatsächliche Veränderungen in Produktion, Verpackung und Konsumverhalten anstößt. Branchenkenner rechnen damit, dass die Bedeutung solcher Kennzahlen weiter wächst, da ökologische Auswirkungen zum festen Bestandteil wirtschaftlicher Entscheidungen werden.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Beiersdorf, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


