Beiersdorf Shea-Butter und AAK Kolo Nafaso: Westafrika Nachhaltigkeitsprogramm wird fortgesetzt

AAK und Beiersdorf setzen ihre Zusammenarbeit in Westafrika fort und knüpfen damit an ein Programm an, das seit 2020 in Ghana und Burkina Faso läuft. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen seien bislang mehr als 10.500 Shea-Sammlerinnen und ihre Familien erreicht worden. Die zweite Phase soll stärker auf Landschaftspflege, Wasserzugang und arbeitsersparende Technik zielen.

Seit 2020 kooperieren das schwedische Unternehmen AAK und Beiersdorf entlang einer Rohstoffkette, die in vielen Nachhaltigkeitsdebatten eine Schlüsselrolle spielt. In Ghana und Burkina Faso, zwei wichtigen Herkunftsländern für Shea, sollen Frauen beim Sammeln und Verarbeiten der Nüsse wirtschaftlich unabhängiger werden. AAK spricht in diesem Zusammenhang von einem Direktsourcing-Ansatz, der Zwischenstufen reduzieren und die Herkunft besser nachvollziehbar machen soll, ein Punkt, der für international tätige Konsumgüterkonzerne auch mit Blick auf wachsende Berichtspflichten an Bedeutung gewinnt. Für Beiersdorf ist die Zusammenarbeit zugleich Teil einer Strategie, zentrale Vorprodukte für Pflegeartikel stärker abzusichern, ohne dabei nur auf Preis und Verfügbarkeit zu schauen.

Bemerkenswert ist vor allem die Größenordnung der ersten Projektphase, die nach Unternehmensangaben die ursprünglich gesetzten Ziele übertroffen habe. 7.320 Frauen hätten Schulungen zur Finanzbildung erhalten, organisiert über lokale Spargruppen nach dem Modell der Village Savings and Loan Associations (VSLAs). Zusätzlich seien 7.961 Frauen an Pflanzaktionen beteiligt gewesen, insgesamt seien 20.425 Shea-Setzlinge in die Erde gebracht worden. Die Unternehmen verweisen außerdem auf mehr als 12.000 eingesetzte Kochherde, die weniger Brennholz benötigen und die Verarbeitung sicherer machen sollen, was in der Klimabilanz als Beitrag zu Scope-3 gewertet wird.

Die Shea-Lieferkette wird zum politischen und ökonomischen Prüfstein.

Die Shea-Lieferkette Kosmetik steht seit Jahren exemplarisch für ein Dilemma globaler Konsummärkte: Millionen Produkte in Europa basieren auf Rohstoffen, die in Handarbeit und oft unter prekären Bedingungen gewonnen werden. Shea-Butter gilt in der Körper- und Lippenpflege als Feuchtigkeitsspender, die Herstellung ist jedoch arbeitsintensiv und stark vom Zugang zu Wasser, Energie und funktionierenden lokalen Märkten abhängig. Dass AAK und Beiersdorf ihre Partnerschaft verlängern, lässt sich daher auch als Reaktion auf ein Umfeld lesen, in dem Unternehmen nicht mehr nur über Preis und Qualität verhandeln, sondern auch über Sozialstandards und Risikoabsicherung in fragilen Regionen. In dieser Logik ist das Programm weniger Wohltätigkeit als ein Versuch, Lieferketten stabiler und weniger konfliktanfällig zu machen.

Gleichzeitig bleibt die Frage, wie belastbar die gemeldeten Effekte sind und was sie langfristig bedeuten. Hohe Teilnehmerzahlen können ein Indikator für Reichweite sein, sagen aber noch wenig über Einkommen, Verhandlungsmacht oder Resilienz gegenüber Ernteausfällen. Die Unternehmen stellen den Nutzen der Spargruppen und Trainings in den Vordergrund und verweisen auf Rückmeldungen aus den Gemeinden. Eine Teilnehmerin aus der Dijo-Dorfgemeinschaft in Ghana wird mit den Worten zitiert: „Früher haben wir kaum Geld gespart. Heute treffen wir uns wöchentlich, vergeben Kredite aus einer gemeinsamen Kasse und zahlen diese zurück.“ Solche Erfahrungen deuten darauf hin, dass die Initiative tatsächlich in Alltagsökonomien eingreift, die sonst oft von informellen Krediten und kurzfristigen Notverkäufen geprägt sind.

Technische Maßnahmen helfen schnell, doch sie verändern nicht automatisch Machtverhältnisse.

In der zweiten Phase wollen AAK und Beiersdorf den Fokus stärker auf Infrastruktur und Produktivität legen. Geplant seien Schulungen für 3.750 Frauen zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Parklandschaften, also Flächen, auf denen Karitébäume in eine landwirtschaftliche Nutzung eingebettet sind. Das Parkland-Management soll, so die Darstellung, dazu beitragen, den Baumbestand zu erhalten und die Erträge auf Sicht zu sichern. Zusätzlich sollen 20 Wasserbohrlöcher erneuert werden, was den Zugang zu sauberem Wasser verbessern und die Zeitlast vieler Haushalte reduzieren könnte. Gerade in Regionen, in denen Wasserholen einen erheblichen Teil des Tages beansprucht, ist das nicht nur ein Gesundheits- und Infrastrukturthema, sondern auch eine wirtschaftliche Stellschraube.

Hinzu kommt ein Technikbaustein, der in Entwicklungsprogrammen häufig unterschätzt wird, weil er unglamourös wirkt: Die Unternehmen kündigen 75 zusätzliche Schälmaschinen an, die Arbeitsschritte beschleunigen und neue Einkommensmöglichkeiten eröffnen sollen, ausdrücklich auch für jüngere Frauen. Hinter dieser Maßnahme steckt eine klare Annahme, nämlich dass Zeitgewinn in der Verarbeitung zu mehr Volumen, besserer Planbarkeit und im besten Fall zu höheren Einnahmen führt. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt jedoch an Bedingungen, die in Pressemitteilungen selten groß vorkommen: Wartung, Ersatzteile, lokale Organisation und die Frage, wer am Ende die Wertschöpfung kontrolliert. Technik kann Prozesse effizienter machen, sie kann aber ebenso neue Abhängigkeiten schaffen, wenn Betrieb und Ownership nicht dauerhaft geklärt sind.

Für Beiersdorf ist die Partnerschaft zugleich Klimapolitik und Wettbewerbsvorsorge.

Beiersdorf Shea-Butter ist nicht nur ein Rohstoffthema, sondern auch ein Marken- und Risikothema. Viele Konsumgüterhersteller haben in den vergangenen Jahren erlebt, wie schnell Reputationsfragen entlang globaler Lieferketten eskalieren können, besonders dort, wo Arbeitsbedingungen schwer überprüfbar sind. Die Verlängerung der Zusammenarbeit lässt sich daher auch als Investition in Glaubwürdigkeit lesen, zumal die Unternehmen die Verbindung zu Klimaschutz und Ökosystemschutz betonen. Die Baumpflanzungen und die Umstellung auf effizientere Kochherde werden als Maßnahmen dargestellt, die Emissionen senken und zugleich den Druck auf lokale Wälder verringern könnten. In einer Branche, die immer häufiger Nachhaltigkeitsversprechen auf Verpackungen druckt, wird die Fähigkeit, solche Aussagen mit konkreten Programmen zu unterfüttern, zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Für AAK ist das Projekt Teil einer Positionierung als Zulieferer, der nicht nur Ingredienzen liefert, sondern auch Herkunft und Standards mitgestaltet. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf pflanzenbasierte Öle und Fette spezialisiert, betreibt weltweit mehrere Produktions- und Innovationsstandorte und ist an der Nasdaq Stockholm gelistet. In der Logik großer Kosmetik- und Lebensmittelketten gilt ein solcher Player als Schnittstelle, an der sich Anforderungen bündeln lassen, von Qualität über Preis bis zu Transparenz. Dass AAK Kolo Nafaso weiterführt, passt in dieses Bild, ebenso wie die Betonung langfristiger Partnerschaften. Aus Beiersdorfs Sicht wird die Initiative als Teil einer Nachhaltigkeitsagenda gerahmt, und die Leiterin für Nachhaltigkeitsstrategie wird mit einem knappen Satz zitiert: „Der Erfolg dieses ganzheitlichen Projekts macht mich stolz“. Der Satz markiert, worum es strategisch geht: um Wirkung, die nach außen belegbar ist, und um eine Lieferkette, die im Zweifel weniger Überraschungen produziert. Für die Shea-Lieferkette Kosmetik dürfte damit ein weiterer Präzedenzfall entstehen, wie Unternehmen soziale Programme mit Beschaffungspolitik verknüpfen, und wie stark sie künftig dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Beiersdorf, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

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