Bertelsmann rückt Indiens Deep-Tech-Szene näher an Europa

Mit der Unterstützung von Bharat Innovates 2026 will Bertelsmann India Investments den Austausch zwischen indischen Forschungsausgründungen, internationalen Investoren und europäischen Industriepartnern stärken. Die Deep-Tech-Messe in Nizza zeigt, wie eng Standortpolitik, Kapitalzugang und technologische Souveränität inzwischen miteinander verbunden sind.

Bertelsmann India Investments hat sich an der ersten Auslandsausgabe von Bharat Innovates 2026 beteiligt, einer Deep-Tech-Messe, die vom 14. bis 16. Juni im Palais des Expositions in Nizza stattfand. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Indiens Premierminister Narendra Modi und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, was den politischen Rang des Formats unterstreicht. Die Messe war Teil des indisch-französischen Jahres der Innovation und sollte indische Deep-Tech-Unternehmen stärker in internationale Kapital- und Kooperationsnetzwerke einbinden.

Ausgewählt wurden mehr als 120 forschungsnahe Start-ups und Innovatoren aus Indien, darunter Teams aus dem Umfeld der Indian Institutes of Technology und des Indian Institute of Science. Sie kamen aus einem Bewerberfeld von mehr als 1.200 Kandidaten und präsentierten sich vor Investoren, Konzernen, politischen Entscheidungsträgern und Forschungspartnern. Für Bertelsmann India Investments ist diese Bühne mehr als ein Branchenereignis, weil sie zeigt, dass indische Technologiepolitik zunehmend auf globale Anschlussfähigkeit ausgerichtet ist.

Indiens zweite Start-up-Welle entsteht nicht mehr nur in Apps und Plattformen

Die erste große indische Start-up-Welle war vor allem digital geprägt, etwa durch Handelsplattformen, Zahlungsdienste und Softwaremodelle. Nun verschiebt sich der Schwerpunkt stärker in Bereiche, die längere Entwicklungszeiten, mehr Kapital und engere Verbindungen zur Forschung erfordern. Genau hier setzt der Begriff Deep Tech an, also Technologien, die aus wissenschaftlicher Forschung hervorgehen und nicht allein auf schnellen Softwarezyklen beruhen.

Bharat Innovates deckte nach Angaben der Organisatoren 13 Felder ab, darunter Halbleiter, Biotechnologie, Weltraumtechnik, Verteidigung, neue Kommunikationssysteme und fortschrittliche Materialien. Für Laien bedeutet das: Viele dieser Firmen entwickeln nicht nur digitale Dienste, sondern Bausteine für künftige Lieferketten, Industrieprozesse und staatliche Infrastruktur. Damit wird die Deep-Tech-Messe auch zu einem Signal an Europa, dass Indien nicht nur Absatzmarkt oder IT-Dienstleister sein will, sondern selbst als Ursprung strategischer Technologie auftreten möchte.

Bertelsmann sucht Zugang zu einem innovationspolitisch wichtigen Markt

Bertelsmann Investments war in Nizza auf Führungsebene vertreten, unter anderem durch CEO Carsten Coesfeld und Pankaj Makkar, den Managing Director von Bertelsmann India Investments. Coesfeld nahm an einer Investorenrunde zu globalen Kapitalverbindungen für Deep Tech teil, Makkar war in die Vorbereitung der Veranstaltung eingebunden und sprach über internationale Investitionen in forschungsbasierte Technologien. Das deutet darauf hin, dass Bertelsmann India Investments die indische Szene nicht nur als Finanzinvestor beobachtet, sondern sich als Akteur im Aufbau eines Ökosystems positionieren will.

Diese Rolle passt zur bisherigen Strategie des Konzerns, der über Bertelsmann Investments bereits in europäische KI-Unternehmen wie Mistral AI investiert hat. In Indien verweist Bertelsmann India Investments auf Beteiligungen an Deep-Tech- und KI-orientierten Start-ups wie Scimplify, Inito und SquadStack AI. Die Botschaft dahinter ist klar: Kapital allein reicht bei indischen Deep-Tech-Unternehmen oft nicht aus, gefragt sind auch Industriepartnerschaften, internationale Kunden und Hilfe beim Weg aus dem Labor in den Markt.

Kapital entscheidet darüber, ob Forschung internationale Märkte erreicht

Deep-Tech-Firmen unterscheiden sich von klassischen Internet-Start-ups, weil sie häufig teure Forschung, Testanlagen, Zulassungen und längere Entwicklungsphasen finanzieren müssen. Dadurch wird der Zugang zu geduldigem Kapital zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Wenn Bharat Innovates 2026 globale Investoren nach Nizza bringt, geht es daher nicht nur um Präsentationen, sondern um die Frage, ob Forschungstransfer aus Indien schneller in marktfähige Produkte übersetzt werden kann.

Pankaj Makkar sagte, Indiens Deep-Tech-Ökosystem habe einen Wendepunkt erreicht. „Es geht nicht mehr darum, ob aus Indien Innovationen von Weltklasse hervorgehen können.“ Entscheidend sei nun, diese Innovationen mit globalem Kapital, Industriepartnern und internationalen Märkten zu verbinden. Für Bertelsmann India Investments liegt darin ein strategisches Feld, weil sich Investitionen, Innovationspolitik und internationale Marktöffnung zunehmend überlagern.

Europa und Indien nähern sich über Technologiepolitik an

Die Veranstaltung in Nizza fällt in eine Phase, in der Indien und Europa ihre wirtschaftlichen Beziehungen stärker strukturieren. In der Pressemitteilung werden dafür unter anderem das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU, das TEPA mit der EFTA sowie das CETA mit Großbritannien genannt. Unabhängig von den politischen Details zeigt diese Aufzählung, dass Marktzugang, Investitionsregeln und technologische Zusammenarbeit enger zusammengedacht werden.

Für Europa ist diese Annäherung auch deshalb relevant, weil viele Zukunftsbranchen unter geopolitischem Druck stehen. Lieferketten sollen robuster werden, Abhängigkeiten von einzelnen Regionen sinken und Schlüsseltechnologien stärker diversifiziert werden. Indien Europa Innovation wird damit zu einem strategischen Suchfeld, in dem Veranstaltungen wie Bharat Innovates 2026 eine Brückenfunktion übernehmen: Sie machen sichtbar, welche Forschung aus Indien international skalieren könnte und welche Partner dafür gebraucht werden.

Die Messe zeigt, wie Standortpolitik und Risikokapital zusammenrücken

Bertelsmann India Investments dürfte von Bharat Innovates 2026 nicht unmittelbar durch einzelne Messekontakte profitieren, sondern durch einen besseren Zugang zu einem entstehenden Marktsegment. Wer früh mit Hochschulen, Gründern, Ministerien und Investoren vernetzt ist, kann Entwicklungen besser einschätzen und mögliche Beteiligungen früher identifizieren. Für einen internationalen Medien-, Bildungs- und Investmentkonzern ist das auch eine Wette darauf, dass indische Deep-Tech-Unternehmen in den kommenden Jahren stärker um globales Kapital konkurrieren werden.

Der größere Punkt reicht über Bertelsmann hinaus. Indien versucht, seine wissenschaftlichen Stärken in industrielle Wertschöpfung zu übersetzen, während Europa neue Partner für Technologieentwicklung und Wachstum sucht. Bharat Innovates 2026 steht damit für eine Entwicklung, in der Innovationsmessen nicht mehr nur Schaufenster sind, sondern Instrumente wirtschaftlicher Außenpolitik und privater Investitionsstrategie.

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