BS Energy lässt seine bestehenden Kraftwerksanlagen in den kommenden drei Jahren technisch begleiten und modernisieren. Der Auftrag an Bilfinger zeigt, dass die kommunale Wärmeversorgung nicht allein durch neue Energiequellen klimafreundlicher werden soll, sondern auch durch den schrittweisen Umbau vorhandener Infrastruktur.
Bilfinger für BS Energy umfasst deutlich mehr als klassische Wartungsarbeiten. Der Industriedienstleister soll Änderungen, Erweiterungen und Modernisierungen der Heizkraftwerke in Braunschweig planen, bewerten und kontrollieren. Hinzu kommen Inspektionen in unterschiedlichen technischen Bereichen. Für den Energieversorger entsteht damit eine externe Instanz, die Kosten, Termine und technische Qualität überwachen soll.
Owner’s Engineering soll Modernisierung und Versorgungssicherheit miteinander verbinden
Der Begriff Owner’s Engineering bezeichnet die technische Vertretung eines Anlagenbetreibers gegenüber Planern, Lieferanten und ausführenden Unternehmen. Bilfinger soll Projekte daher nicht nur vorbereiten, sondern ihre Umsetzung aus Sicht von BS Energy prüfen und koordinieren. Dieses Modell ist vor allem bei laufenden Kraftwerken relevant, weil Umbauten in bestehende Prozesse eingreifen und den Betrieb möglichst wenig beeinträchtigen dürfen.
Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die den Brennstoffeinsatz senken und Emissionen reduzieren sollen. Dazu zählen eine verbesserte Abgasnachbehandlung und modernere Automatisierung, mit der sich Anlagen genauer steuern lassen. Für die kommunale Wärmeversorgung ist dieser Ansatz bedeutsam, weil Fernwärmesysteme auch während der Transformation zuverlässig funktionieren müssen. Die Heizkraftwerke in Braunschweig bleiben damit zunächst ein wichtiger Teil des regionalen Energiesystems, sollen aber sparsamer und emissionsärmer betrieben werden.
Der Vertrag ist Teil des Braunschweiger Klimaziels für 2045
BS Energy will nach eigenen Angaben bis 2045 treibhausgasneutral wirtschaften. Das Unternehmen setzt dafür auf erneuerbare Energien, Fernwärmeausbau, Geothermie und perspektivisch Wasserstoff. Rund 35 Prozent der erzeugten Wärme stammen laut Mitteilung bereits aus erneuerbaren Quellen. Owner’s Engineering wird damit zu einem Baustein einer Strategie, bei der neue Erzeugungsformen und die Modernisierung bestehender Anlagen parallel vorangetrieben werden.
Für Bilfinger eröffnet der Vertrag ein Geschäftsfeld, das mit der Dekarbonisierung regionaler Energieversorgung an Bedeutung gewinnt. Viele Stadtwerke müssen ihre Anlagen weiter betreiben und gleichzeitig auf neue Technologien vorbereiten, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Ob die geplante CO₂-Reduktion tatsächlich erreicht wird, hängt deshalb weniger vom Rahmenvertrag selbst als von den konkreten technischen Eingriffen und ihrer Wirkung im laufenden Betrieb ab.


