Das BMW Group Werk Landshut erprobt seit Juli 2026 eine Pilotanlage, mit der Prozesswasser aus der Gelenkwellenfertigung aufbereitet und erneut genutzt werden soll. Hinter dem Vorhaben steht das Forschungsprojekt BayWater. Es soll zeigen, ob sich ressourcenschonende Wassertechnik unter laufenden Produktionsbedingungen zuverlässig einsetzen lässt.
Für BMW ist der Test vor allem ein Praxisschritt: Aus Laboransätzen muss nun eine Lösung werden, die mit schwankenden Bedingungen in der Fertigung zurechtkommt. Die Pilotanlage läuft mindestens vier Monate und wird wissenschaftlich begleitet. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob die Prozesswasser-Aufbereitung technisch funktioniert, sondern ob Wasserqualität, Energiebedarf und Produktionsanforderungen gleichzeitig beherrschbar bleiben. Gerade darin liegt die wirtschaftliche Relevanz des Versuchs, denn eine Kreislauflösung müsste sich in bestehende Abläufe einfügen, ohne neue Risiken für die Fertigung zu schaffen. Die Frage ist damit nicht nur ökologisch, sondern auch betrieblich: Wasser kann erst dann häufiger im Kreislauf geführt werden, wenn die Wiederverwendung mit den Anforderungen der laufenden Fertigung vereinbar ist.
Die Pilotanlage macht Wassermanagement zu einer Frage der Produktionspraxis
Installiert ist die Anlage dort, wo das Wasser tatsächlich anfällt: in der Gelenkwellenfertigung des BMW Group Werk Landshut. Das reduziert die Distanz zwischen Forschung und Anwendung und erlaubt es, die entwickelten Verfahren unter realen Betriebsbedingungen zu prüfen. Industrielles Wassermanagement muss sich hier im Produktionsalltag bewähren, weil sich erst dort zeigt, wie robust Aufbereitungstechnik auf wechselnde Belastungen reagiert. Ein Verfahren, das im Labor stabile Werte liefert, muss im Werk zusätzlich mit unterschiedlichen Prozesszuständen und konstanten Qualitätsanforderungen zurechtkommen.
Getestet werden Filter-, UV- und Sensortechnologien, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Filter sollen Verunreinigungen entfernen, UV-Verfahren können zur Behandlung des Wassers beitragen, während Sensoren laufend erfassen, ob definierte Qualitätswerte eingehalten werden. Die Kombination ist deshalb relevant, weil ein geschlossener Wasserkreislauf nur dann praktikabel ist, wenn die Aufbereitung zuverlässig gesteuert und kontrolliert werden kann. Der Test richtet sich damit nicht auf eine einzelne Technik, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer Verfahrensschritte. Genau dieses Zusammenspiel dürfte darüber entscheiden, ob aus der Pilotlösung später ein Verfahren wird, das sich auch unter wechselnden Bedingungen zuverlässig betreiben lässt.
Das Forschungsprojekt BayWater soll aus Einzelverfahren ein Kreislaufsystem machen
Industrielles Wassermanagement ist dabei mehr als reine Wasserreinigung. Das Forschungsprojekt BayWater verfolgt ein weitergehendes Ziel als die reine Senkung des Frischwasserverbrauchs. Untersucht wird, wie industrielle Wasserströme so geführt werden können, dass Wasser möglichst lange im Betrieb bleibt und mit vertretbarem Energieaufwand erneut eingesetzt werden kann. Damit rückt neben der eigentlichen Reinigung auch die Prozesssteuerung in den Mittelpunkt. Für Unternehmen wäre ein solcher Ansatz vor allem dann interessant, wenn sich Wasserverbrauch und Aufbereitungsaufwand gemeinsam reduzieren lassen.
Das BMW Group Werk Landshut liefert dafür seit Anfang 2025 Wasserproben aus der Produktion und dient nun als Testumgebung für die daraus entwickelten Ansätze. Die Beteiligten wollen aus den Messdaten ableiten, wie Aufbereitung, Sensorik und Steuerung zusammenspielen müssen. Gelingt dieser Schritt, könnte die Prozesswasser-Aufbereitung von einer einzelnen technischen Maßnahme zu einem Bestandteil der Produktionsplanung werden. Die Pilotphase markiert deshalb den Übergang von der Entwicklung einzelner Verfahren zu der Frage, ob daraus ein dauerhaft einsetzbares System entstehen kann.
Für die Industrie zählt nicht nur weniger Wasserverbrauch, sondern stabile Qualität
Der Nutzen geschlossener Wasserkreisläufe steht und fällt mit der Zuverlässigkeit. In einer industriellen Fertigung darf wiederaufbereitetes Wasser weder die Produktqualität beeinträchtigen noch zusätzliche Störungen verursachen. Deshalb ist die mindestens viermonatige Testphase mehr als ein Demonstrationsbetrieb: Sie soll belastbare Daten darüber liefern, ob die Technik dauerhaft und unter wechselnden Bedingungen funktioniert. Erst solche Daten können zeigen, ob der Ansatz für weitere Produktionsbereiche überhaupt infrage kommt.
Zugleich ist der Energiebedarf ein wichtiger Prüfpunkt. Wasser mehrfach zu nutzen ist nur dann ressourcenschonend, wenn die Behandlung nicht an anderer Stelle unverhältnismäßig hohe Aufwände erzeugt. Daraus entsteht ein Zielkonflikt zwischen Wasserersparnis, Energieeffizienz und Prozesssicherheit, den BayWater unter realen Bedingungen ausloten soll. Hinzu kommt der Anspruch, regionale Wasserressourcen zu schonen und Produktionssysteme widerstandsfähiger gegenüber veränderten klimatischen Bedingungen zu machen, wie es der Forschungsverbund als langfristige Perspektive beschreibt.
Der Standort Landshut wird zum Testfeld für übertragbare Lösungen
Die strategische Bedeutung des Forschungsprojekts BayWater liegt deshalb weniger in einer einzelnen Pilotanlage als in der möglichen Übertragbarkeit. Die in Landshut erhobenen Daten sollen helfen, die Technologien weiterzuentwickeln und Ansätze auch für andere industrielle Anwendungen nutzbar zu machen. Damit wird der Standort zum Bindeglied zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und industrieller Fertigung. Zugleich zeigt das Projekt, wie eng Ressourceneffizienz inzwischen mit der konkreten Auslegung von Produktionsprozessen verknüpft ist. Dass Industrieunternehmen gemeinsam mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten, ist dabei Teil des Ansatzes: Die wissenschaftliche Auswertung soll nicht neben der Produktion stattfinden, sondern direkt aus deren Betriebsdaten lernen.
Für BMW ist der Versuch außerdem ein Test, wie stark sich Wasserkreisläufe künftig in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen. Sollte sich das Konzept bewähren, könnte es als Baustein für eine ressourcenschonendere Fertigung dienen, ohne dass dafür die Qualitätsanforderungen abgesenkt werden. Noch befindet sich das Projekt jedoch ausdrücklich in der Erprobung; ob aus der Pilotanlage ein breiter einsetzbares Modell wird, hängt von den Ergebnissen des laufenden Tests ab. Gerade diese offene Frage macht die kommenden Monate für BayWater relevanter als die Installation der Anlage selbst.


