Bosch nutzt die CES 2026 in Las Vegas, um den Wandel vom Komponentenlieferanten zum Anbieter vernetzter Hardware, Software und KI-Dienste zu unterstreichen. Der Konzern verbindet die Strategie mit hohen Investitionen und konkreten Umsatzzielen, muss aber beweisen, dass Kunden für digitale Funktionen dauerhaft zahlen.
Bis Anfang der nächsten Dekade soll der Umsatz mit Software und Services auf mehr als sechs Milliarden Euro steigen, ein großer Teil davon im Mobilitätsgeschäft. Zugleich will Bosch bis Ende 2027 mehr als 2,5 Milliarden Euro in künstliche Intelligenz investieren. Damit reagiert das Unternehmen auf einen Wettbewerb um Daten, Plattformen und Kundenschnittstellen.
Im softwaredefinierten Auto geht es um Daten und Updates
Im Fahrzeuggeschäft setzt Bosch auf Funktionen, die nach dem Kauf per Software aktualisiert oder erweitert werden können. Das Auto nähert sich damit einem digitalen Produkt an, dessen Fähigkeiten nicht vollständig bei der Auslieferung feststehen. Für Hersteller und Zulieferer ist das wichtig, weil sich Erlöse stärker auf den gesamten Lebenszyklus verteilen können.
Gleichzeitig entstehen neue Risiken. Fehlerhafte Updates können sicherheitsrelevant sein, und die Frage nach Datenzugriff und Verantwortung wird komplizierter. Bosch will deshalb nicht nur einzelne Funktionen liefern, sondern größere Softwarepakete und Steuerungsarchitekturen. Ob sich dieses Modell durchsetzt, hängt von offenen Schnittstellen und verlässlicher Pflege ab.
Ein KI-basiertes Cockpit soll Sprache, Fahrzeugumgebung und persönliche Präferenzen verbinden. Vorgesehen sind Hinweise bei der Parkplatzsuche oder Unterstützung bei Online-Terminen. Im Alltag wird sich zeigen, wie präzise die Systeme arbeiten und welche Daten lokal oder in der Cloud verarbeitet werden.
By-Wire, Radar und Fahrsoftware erweitern die Rolle des Zulieferers
Bosch stellt außerdem elektrische Lenk- und Bremssysteme in den Mittelpunkt. Bei By-Wire werden mechanische Verbindungen teilweise durch elektrische Signale ersetzt. Das ermöglicht neue Innenraumkonzepte und eine engere Softwaresteuerung, verlangt aber redundante Systeme, damit ein Fehler nicht zum Kontrollverlust führt.
Mit dem Radar Gen 7 Premium kündigt Bosch einen Sensor an, der kleine Hindernisse wie Paletten oder Reifen aus größerer Entfernung erkennen soll. Verbesserte Sensorik ist für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren entscheidend, weil viele Probleme bei seltenen und schlecht vorhersehbaren Ereignissen auftreten.
Die Software Vehicle Motion Management soll Bremse, Lenkung, Antrieb und Fahrwerk zentral koordinieren. Bosch verspricht weniger Nick- und Rollbewegungen. Der Ansatz zeigt, wie klassische Fahrzeugtechnik zur Softwarefrage wird und sich das Fahrverhalten später anpassen lässt, ohne die gesamte Hardware zu verändern.
Agentische KI soll Fabriken stärker selbstständig steuern
Neben der Mobilität rückt Bosch industrielle KI in den Vordergrund. Gemeinsam mit Microsoft soll Manufacturing Co-Intelligence ausgebaut werden. Dabei geht es um agentische KI, die nicht nur Informationen erzeugt, sondern Aufgabenketten analysiert und Handlungsschritte vorbereitet oder ausführt.
In Fabriken könnten solche Systeme Abweichungen erkennen, Wartung planen oder Materialflüsse optimieren. Der Nutzen liegt in geringeren Stillständen und besserer Auslastung. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Plattformen, Datenmodellen und Schnittstellen. Bosch bringt Produktionswissen ein, Microsoft die IT-Infrastruktur. Mit Sick nennt Bosch einen ersten industriellen Anwender.
Für Kunden ist diese Kombination interessant, wenn Lösungen schneller produktiv werden. Entscheidend bleibt, wie transparent Entscheidungen der KI sind und wer Verantwortung trägt, wenn Empfehlungen zu Fehlern führen. In sicherheitskritischen Umgebungen zählen Nachvollziehbarkeit und Freigaben stärker als schnelle Demonstrationen.
Die USA-Strategie verbindet autonome Lkw und Halbleiterfertigung
Bosch vertieft in den USA die Zusammenarbeit mit Kodiak AI für fahrerlose Lkw. Der Konzern will Sensoren und Komponenten für redundante Lenk- und Bremssysteme liefern. Damit positioniert sich Bosch in einem Markt, der im Fernverkehr Produktivitätsgewinne verspricht, aber weiterhin von Haftungsfragen und unterschiedlichen Zulassungsregeln geprägt ist.
Parallel modernisiert Bosch eine Fabrik für Siliziumkarbid-Wafer in Roseville, Kalifornien. Siliziumkarbid ist für Leistungselektronik in Elektrofahrzeugen wichtig, weil es Energieverluste reduzieren kann. Die Investition zeigt, dass Softwarestrategie und Fertigung nicht getrennt betrachtet werden. Digitale Funktionen brauchen weiterhin zuverlässige Hardware und kontrollierbare Lieferketten.
Für Bosch ist der US-Markt damit Technologie-, Produktions- und Absatzstandort. Die Verbindung aus autonomem Fahren und Halbleiterfertigung soll die Position gegenüber Autoherstellern stärken. Sie erhöht aber das Investitionsrisiko, falls der Hochlauf elektrischer und autonomer Fahrzeuge langsamer ausfällt.
Digitale Identitäten erreichen E-Bikes und Sensorsysteme
Auch bei Konsum- und Industrieprodukten setzt Bosch auf digitale Zusatzfunktionen. In der eBike Flow App sollen Nutzer ein Fahrrad oder eine Batterie als gestohlen markieren können. Käufer und Händler erhalten beim Verbinden eine Warnung. Die Funktion zeigt, wie Plattformkonten und digitale Identitäten bei physischen Produkten zum Sicherheitsmerkmal werden.
Mit Origify will Bosch Oberflächenmuster als digitale Kennzeichnung gegen Produktfälschungen nutzen. Die KI-MEMS-Plattform BMI5 soll Bewegungen und Nutzungskontexte direkt im Sensor erkennen, etwa für Robotik sowie Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen. Damit verlagert sich Rechenleistung näher an das Gerät, was Reaktionszeiten und Datenschutz verbessern kann.
Der Bosch Tech Compass zeigt zugleich Grenzen der Akzeptanz. Laut Konzern sehen viele Befragte KI als entscheidend für die Zukunft, gleichzeitig wünscht sich eine Mehrheit mehr Zeit zur Einordnung. Transparenz, Kontrolle und klare Verantwortung werden darüber entscheiden, ob die auf der CES gezeigten Systeme als Fortschritt oder zusätzliche Komplexität wahrgenommen werden.


