CIMIC Group Indien erhält Aufträge für ein Vorhaben, das Indiens Bergbau verändern könnte. Am Standort Rampura Agucha in Rajasthan will Hindustan Zinc Rampura Abfallströme aus der Produktion künftig als Rohstoffquelle nutzen und damit die Debatte um Kritische Mineralien Energiewende neu aufladen.
Sedgman und Leighton Asia, beide zur australischen CIMIC Group gehörend, sollen nach Angaben des Konzerns an Indiens erster Zink-Tailings Recyclinganlage mitwirken. Während Sedgman vor allem Planung, Engineering und die Beschaffung von Ausrüstung aus dem Ausland übernehmen solle, sei Leighton Asia für Bau und Beschaffung vor Ort vorgesehen. In Summe stellt CIMIC dafür Erlöse von rund A$400 Millionen in Aussicht, verteilt auf getrennte Verträge mit Hindustan Zinc Rampura.
Für Laien braucht es eine kurze Übersetzung: Tailings sind Rückstände, die nach der Erzaufbereitung übrig bleiben und meist in großen Becken oder Halden lagern. In ihnen stecken häufig noch verwertbare Bestandteile, die mit moderneren Verfahren nachträglich zurückgewonnen werden können. Genau darum geht es hier, allerdings in einer Größenordnung, die Hindustan Zinc Rampura als Blaupause für künftige Projekte verstanden wissen möchte. Das Projekt im Bundesstaat Rajasthan rückt damit von einer reinen Umweltmaßnahme in Richtung Industriepolitik und Versorgungssicherheit.
Tailings-Recycling ist mehr als Abfallmanagement und berührt Indiens Rohstoffpolitik
Hindustan Zinc Rampura ordnet das Vorhaben als Strategiewechsel ein, weg von zusätzlichem Abbau hin zu besserer Nutzung bestehender Ressourcen. Konzernchef Arun Misra formulierte es so: „India’s next phase of industrial growth will be defined not just by how much we mine, but by how intelligently we use what we already have.“ In der Logik des Unternehmens soll die Anlage helfen, die Versorgung mit Metallen zu stabilisieren, ohne allein neue Gruben erschließen zu müssen. Das passt in eine Phase, in der Regierungen weltweit Lieferketten neu bewerten und bei kritischen Rohstoffen weniger Abhängigkeit riskieren wollen.
Auch für die Energiewende ist das Thema relevant, weil Zink in vielen Anwendungen steckt, etwa beim Korrosionsschutz von Stahl, der in Infrastrukturprojekten gebraucht wird. Zugleich bleibt die Branche unter Druck, ihren Fußabdruck zu senken und Altlasten zu reduzieren. Das Stichwort Tailing-Reprocessing klingt technisch, meint aber im Kern den Versuch, aus einem Problem Lagerstätten mit Restmetallen zu machen. Ob sich das rechnet, hängt vom Metallgehalt der Rückstände, von Energiepreisen und von der Zuverlässigkeit der Verfahren ab.
Für die CIMIC Group Indien ist das Projekt ein umkämpfter Auftrag mit Ausführungsrisiken
Für die CIMIC Group Indien ist das Paket auch ein Signal in einen Markt, in dem Baukonzerne und Prozessspezialisten um Großprojekte ringen. Sedgman verweist auf Erfahrung in der Mineralaufbereitung und auf eine Reihe von Studien und Projekten, die der Konzern in den vergangenen Jahren umgesetzt habe. Gleichzeitig ist der Schritt von der Planung zur stabilen Anlage in Betrieb oft der kritische Punkt, gerade wenn mehrere Liefer- und Beschaffungspfade parallel laufen. Offshore Engineering und Onshore-Beschaffung klingen nach Arbeitsteilung, bedeuten in der Praxis aber zusätzliche Schnittstellen, die Zeit und Kosten treiben können.
Hinzu kommt, dass das Projekt über eine reine Investition hinaus auch als Referenz dienen dürfte. Wer Indiens erste Anlage dieser Art sichtbar ans Netz bringt, kann bei ähnlichen Vorhaben leichter punkten, zumal staatliche Stellen und Aufsichtsbehörden bei neuen Verfahren genau hinschauen. Dass CIMIC das Vorhaben über die Konzernspitze von ACS Group und HOCHTIEF einordnet, zeigt zudem, wie sehr der Auftrag als strategischer Baustein verstanden wird. Der angekündigte Umsatz ist groß genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, aber nicht groß genug, um ein schwaches Projektmanagement zu überdecken.
Hindustan Zinc Rampura macht Rampura Agucha zum Testfall für Kreislaufwirtschaft im Bergbau
Leighton Asia stellt in Aussicht, dass das Projekt auch lokale Effekte haben werde, etwa über Beschäftigung und Beschaffung in der Region. Solche Aussagen sind in der Branche üblich, allerdings entscheidet sich die Akzeptanz häufig an konkreten Punkten wie Lkw-Verkehr, Staub, Wasserverbrauch und langfristiger Sicherung der Rückstandsflächen. Wenn die Zink-Tailings Recyclinganlage zeigt, dass aus Rückständen verlässlich Metalle zurückgewonnen werden können, könnte das den Umgang mit alten Halden verändern. Für Hindustan Zinc Rampura wäre das ein Argument, den Ansatz auf weitere Standorte zu übertragen und so die eigene Produktion weniger abhängig von neuem Erz zu machen.
Langfristig berührt das Projekt damit zwei Linien zugleich: die Frage, wie sich Kritische Mineralien Energiewende in ausreichender Menge beschaffen lassen, und die Frage, wie Bergbau in dicht besiedelten Regionen gesellschaftlich tragfähig bleibt. Tailings-Recycling wirkt auf den ersten Blick wie ein technisches Nischenthema, könnte aber in der Praxis zum Wettbewerbsfaktor werden, weil es über Kosten, Genehmigungen und Reputation mitentscheidet. Ob Rampura Agucha tatsächlich zur Blaupause wird, hängt am Ende weniger an Ankündigungen als an stabilen Ausbeuten, verlässlichem Betrieb und transparenten Umweltkennzahlen.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von HOCHTIEF, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


