Mit dem Abschluss der Coatings-Transaktion treibt der Ludwigshafener Chemiekonzern seine BASF-Portfoliostrategie voran. Der Finanzinvestor Carlyle übernimmt die Mehrheit, während BASF 40 Prozent am Lackgeschäft von Surventis behält. Die Neuordnung betrifft einen wichtigen Markt für Automobillacke, dessen Nähe zu Fahrzeugherstellern und Werkstätten das Geschäft industriell anspruchsvoll und zugleich konjunkturabhängig macht.
Die im Oktober 2025 angekündigte Transaktion wurde am 30. Juni 2026 nach den erforderlichen regulatorischen Genehmigungen vollzogen. Der Coatings-Verkauf von BASF bewertet das übertragene Geschäft mit 7,7 Milliarden Euro und bringt BASF einen Zahlungsmittelzufluss vor Steuern von rund 5,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich lag der Buchwert des Reinvermögens der Veräußerungsgruppe Ende 2025 bei etwa 3,0 Milliarden Euro. Die Differenz ist nicht mit dem endgültigen Veräußerungsgewinn gleichzusetzen, deutet aber auf einen erheblichen bilanziellen Effekt hin.
BASF gewinnt finanziellen Spielraum, gibt aber operative Kontrolle ab
Für BASF ist die Transaktion mehr als ein Verkauf zur kurzfristigen Stärkung der Kasse. Der Konzern verfolgt mit seiner BASF-Portfoliostrategie das Ziel, eigenständige Geschäftsbereiche klarer vom Kerngeschäft zu trennen und ihren Wert separat sichtbar zu machen. Mit einem Anteil von 40 Prozent bleibt BASF wirtschaftlich an Surventis beteiligt, kann die operative Entwicklung aber nicht mehr allein bestimmen. Das Modell verbindet damit einen hohen Mittelzufluss mit der Chance, an späteren Wertsteigerungen teilzuhaben.
Die Konstruktion begrenzt zugleich den vollständigen Rückzug. BASF trägt als Minderheitseigner weiterhin einen Teil der wirtschaftlichen Risiken, ohne das Unternehmen wie zuvor in den Konzernabschluss einzubeziehen. Für Carlyle eröffnet die Mehrheitsübernahme dagegen die Möglichkeit, Investitionen, Finanzierung und Wachstumspläne stärker auf das Lackgeschäft auszurichten. Ob diese Arbeitsteilung Wert schafft, wird weniger am Kaufpreis als an der künftigen Ertragsentwicklung gemessen werden.
Surventis startet mit etablierten Geschäften in einem zyklischen Markt
Das Lackgeschäft von Surventis umfasst Fahrzeugserienlacke für die industrielle Produktion, Autoreparaturlacke für Werkstätten und die Oberflächentechnik. Solche Produkte prägen nicht nur Farbe und Erscheinungsbild eines Fahrzeugs, sondern schützen Materialien unter anderem vor Korrosion, Witterung und mechanischer Belastung. Der Markt für Automobillacke hängt deshalb eng mit Produktionszahlen, Modellwechseln, Reparaturaufkommen und den Qualitätsvorgaben großer Fahrzeughersteller zusammen. Das macht langfristige Kundenbeziehungen wertvoll, erhöht aber auch die Abhängigkeit von der Entwicklung der Autoindustrie.
Für Lieferketten bedeutet der Eigentümerwechsel zunächst keinen technischen Bruch, da das operative Geschäft als eigenständiges Unternehmen fortgeführt wird. Strategisch erhält Surventis jedoch mehr Abstand zu einem breit aufgestellten Chemiekonzern und muss Investitionen künftig stärker aus der eigenen Marktposition heraus begründen. Dabei dürften Effizienz, Produktqualität und die Fähigkeit, Kunden international zuverlässig zu beliefern, wichtiger sein als ein neuer Firmenname. Die Eigenständigkeit kann Entscheidungen beschleunigen, sie beseitigt aber weder Preisdruck noch konjunkturelle Risiken.
Die Bewertung zeigt den hohen Preis spezialisierter Industriegeschäfte
Zusammen mit dem bereits im Oktober 2025 veräußerten Geschäft für Bautenanstrichmittel kommt der frühere Coatings-Bereich laut BASF auf einen Unternehmenswert von 8,7 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich auf Basis des Ergebnisses von 2024 ein Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA vor Sondereinflüssen von rund 13. Vereinfacht ausgedrückt entspricht die Bewertung etwa dem Dreizehnfachen des damaligen operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Ein solches Multiple ist kein Qualitätsurteil für sich, zeigt aber, welche Erwartungen Käufer an Ertragskraft, Marktstellung und Entwicklungsmöglichkeiten knüpfen.
Für BASF stützt die Bewertung die These, dass einzelne Geschäfte außerhalb des Verbunds einen höheren sichtbaren Wert erreichen können. Diese Rechnung bleibt dennoch abhängig davon, ob Surventis seine Margen hält, notwendige Investitionen finanziert und im Wettbewerb bestehen kann. Auch der Kaufpreis allein sagt wenig darüber aus, wie sich Beschäftigung, Forschung oder Standorte langfristig entwickeln. Die Transaktion ist deshalb sowohl ein finanzieller Erfolg für den Verkäufer als auch ein anspruchsvoller Bewährungstest für den neuen Eigentümer.
Die neue Bilanzierung macht den wirtschaftlichen Abstand sichtbar
BASF weist das Coatings-Geschäft bereits seit Ende September 2025 als nicht fortgeführten Bereich aus und stellt dessen Ergebnis rückwirkend ab Januar 2025 separat dar. Auch der Gewinn aus dem Coatings-Verkauf von BASF fließt in diese Position ein und wirkt sich damit auf Konzernergebnis und Ergebnis je Aktie aus. Von Juli 2026 an wird die Beteiligung nach der Equity-Methode bilanziert, sodass BASF nur noch den eigenen Anteil am Ergebnis von Surventis erfasst. Damit verschwindet das Geschäft operativ weitgehend aus den Konzernzahlen, bleibt wirtschaftlich aber über die Minderheitsbeteiligung relevant.
Die Bilanzierung unterstreicht den Kern der Neuordnung. Das Lackgeschäft von Surventis soll künftig selbstständiger geführt werden, während BASF Kapital freisetzt und die Komplexität des Konzerns reduziert. Die BASF-Portfoliostrategie wird sich nun daran messen lassen müssen, ob der Mittelzufluss produktiv eingesetzt wird und die verbleibenden Geschäfte überzeugender wachsen. Für den Chemiekonzern endet mit dem Abschluss daher nicht nur eine Verkaufstransaktion, sondern beginnt eine Phase, in der die versprochene strategische Schärfung in den Zahlen sichtbar werden muss.


