CTJ Janssen setzt bei Lkw-Reifen auf Kreislaufwirtschaft statt Wegwerfmodell

Die Spedition CTJ Janssen aus Grevenbroich setzt im Reifenmanagement ihrer Flotte verstärkt auf runderneuerte Lkw-Reifen von Continental. Das Unternehmen verbindet die Nutzung der ContiRe-Produkte mit einem Rückführungs- und Wiederverwertungskonzept und verfolgt damit offenbar ein Ziel, das in der Branche an Bedeutung gewinnt: geringere Betriebskosten bei zugleich sinkendem Ressourcenverbrauch.

Mit mehr als 500 eigenen Sattelzugmaschinen zählt CTJ Janssen zu den größeren Logistikunternehmen in der Region. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen sollen die runderneuerten Lkw-Reifen im Alltag eine hohe Laufleistung erreichen und zugleich günstiger sein als Neureifen. Für eine Spedition, deren Geschäft stark von Margendruck, Kraftstoffkosten und Auslastung abhängt, ist genau das kein Nebenaspekt, sondern Teil der Kernkalkulation.

Hinzu kommt, dass Reifen in der öffentlichen Debatte über klimafreundlichere Transporte oft hinter Themen wie Antrieb, Kraftstoffe oder Ladeinfrastruktur verschwinden. Tatsächlich sind sie für Flottenbetreiber ein relevanter Kosten- und Effizienzfaktor. Wenn CTJ Janssen die ContiRe runderneuerten Lkw-Reifen nun fest in sein Reifenmanagement einbindet, lässt sich das daher auch als Zeichen für einen breiteren Wandel in der Speditionsbranche lesen: Dekarbonisierung wird nicht mehr nur über den Motor gedacht, sondern über die gesamte Nutzungskette eines Fahrzeugs.

Das Reifenmanagement wird für Speditionen zu einer strategischen Stellschraube

Continental beschreibt das zugehörige ContiLifeCycle-System als Kreislaufmodell, bei dem Neureifen, Karkassenmanagement und Runderneuerung zusammen gedacht werden. Vereinfacht gesagt geht es darum, gebrauchte Reifen nicht vorschnell auszusortieren, sondern ihre weiter nutzbaren Bestandteile erneut in den Einsatz zu bringen. Dafür werden Altreifen geprüft, von der bisherigen Lauffläche befreit und mit neuer Lauffläche und neuem Profil versehen.

Für Laien ist vor allem ein Punkt entscheidend: Ein runderneuerter Reifen ist kein provisorisch reparierter Reifen, sondern ein industriell aufgearbeiteter Nutzfahrzeugreifen. Continental zufolge können dabei rund 70 Prozent des Altreifens weiterverwendet werden. Das macht das Verfahren für Fuhrparks interessant, weil es Material spart und die Wirtschaftlichkeit verbessern kann. Gerade in einer Branche, in der wenige Prozentpunkte über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden, gewinnt ein solches Reifenmanagement an Gewicht.

Die Verbindung von ContiRe und HVO 100 zeigt, wie Logistikunternehmen Klimaziele praktisch herunterbrechen

CTJ Janssen stellt die Reifenstrategie nicht isoliert dar, sondern verknüpft sie mit weiteren Maßnahmen. Das Familienunternehmen, 1985 gegründet und seit 2008 in zweiter Generation geführt, habe seine gesamte Flotte in diesem Jahr auf den synthetischen Dieselkraftstoff HVO 100 umgestellt, der auf Rest- und Abfallstoffen basiert. Nach Unternehmensangaben lasse sich damit der CO₂-Ausstoß gegenüber fossilem Diesel erheblich reduzieren.

In Kombination mit der Runderneuerung der Reifen ergebe sich laut den Angaben eine Gesamteinsparung von mehr als 90 Prozent. Solche Werte sind einzuordnen, weil sie stark von Rechenmethode, Vergleichsbasis und konkretem Einsatzprofil abhängen. Unabhängig davon zeigt der Fall jedoch, wohin sich die Flottenstrategie vieler Transportunternehmen bewegt: Nicht eine einzelne Technologie soll den Unterschied machen, sondern das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen, von alternativen Kraftstoffen bis hin zu vermeintlich unspektakulären Komponenten wie Reifen. Geschäftsführer Olaf Meyers formuliert den Anspruch des Unternehmens so: „Die Reifen sind für uns das i-Tüpfelchen bei der Dekarbonisierung unserer Flotte“.

Für die Lieferkette zählt am Ende, ob Kosten, Verfügbarkeit und Sicherheit zusammenpassen

Dass Continental neben neuen Produkten auch kaltrunderneuerte und heißrunderneuerte Reifen anbietet, ist vor diesem Hintergrund mehr als ein Sortimentsdetail. Es verweist auf einen Markt, in dem Hersteller stärker versuchen, sich nicht nur über den Verkauf von Neureifen, sondern über komplette Lebenszyklen zu positionieren. Für Logistikunternehmen wie CTJ Janssen ist das attraktiv, wenn Verfügbarkeit, Sicherheit und Preis in der Praxis tatsächlich zusammenpassen.

Die größere wirtschaftliche Bedeutung liegt daher weniger in einem einzelnen Produktnamen als in der Logik dahinter. Wenn Speditionen Reifen als Teil einer Kreislaufwirtschaft behandeln, verändert das Beschaffung, Wartung und Kostenrechnung entlang der Lieferkette. Das könnte auch industriepolitisch relevanter werden, weil Ressourceneffizienz, Materialnutzung und die Senkung laufender Betriebskosten in Europa zunehmend zusammengedacht werden. Meyers begründet die Entscheidung entsprechend nüchtern: „ContiRe liefert uns ein sehr gutes Effizienz- und Performanceergebnis – mit hoher Laufleistung und deutlicher Preisersparnis gegenüber Neureifen. Wenn wir dadurch auch noch CO₂ einsparen können, warum sollten wir das dann nicht machen?“

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