Deutsche Bahn verbessert Bilanz, doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus

Die Deutsche Bahn hat 2025 operativ wieder Gewinn erzielt, bleibt im Kerngeschäft aber tief defizitär. Die Bilanz zeigt damit eine Stabilisierung, aber noch keine Entwarnung.

Operativer Fortschritt trifft auf strukturelle Schwächen

Der Umsatz stieg um drei Prozent auf rund 27 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um 630 Millionen Euro auf 297 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb das Ergebnis der fortgeführten Bereiche nach Steuern jedoch mit 2,3 Milliarden Euro im Minus. Erst die Effekte aus dem Verkauf von DB Schenker führten bilanziell zu einem Überschuss von 5,3 Milliarden Euro. Die Bahn ist damit stabiler geworden, wirtschaftet aber noch nicht dauerhaft aus eigener Kraft profitabel.

Besonders sichtbar wird die Ambivalenz im Fernverkehr. DB Fernverkehr erzielte beim bereinigten operativen Ergebnis wieder einen kleinen Gewinn von 45 Millionen Euro. Umsatz und Verkehrsleistung erreichten Höchststände, doch Störungen im Netz, lange Bauphasen und eine nur langsam bessere Betriebsqualität begrenzen die Entwicklung. Hinzu kam eine Wertminderung von rund 1,4 Milliarden Euro, weil die künftigen Umsatzerwartungen wegen des Infrastrukturzustands niedriger ausfallen. Da die Sanierung wichtiger Korridore bis 2036 gestreckt wird, verbessern sich Netzqualität und Zuverlässigkeit langsamer als erhofft.

Die Nachfrage wächst schneller als die Zuverlässigkeit

Die Zahl der Reisenden im Schienenpersonenverkehr stieg 2025 um 3,4 Prozent auf 1,93 Milliarden. Das Problem liegt daher weniger in fehlender Nachfrage als in der Leistungsfähigkeit des Systems. Baustellen, Verspätungen und Kapazitätsengpässe verhindern, dass das Wachstum vollständig wirtschaftlich genutzt werden kann. Für die Verkehrspolitik ist diese Diskrepanz zentral. Der Bund setzt auf die Schiene, um Verkehr zu verlagern und Klimaziele zu erreichen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Fahrgastzahl, sondern ob das Netz pünktlicher, robuster und planbarer wird.

Rekordinvestitionen erhöhen zunächst den Druck

Die Infrastrukturinvestitionen erreichten 2025 mit rund 22 Milliarden Euro ein Rekordniveau, davon flossen etwa 19 Milliarden Euro in das Netz. Im laufenden Jahr wollen Bund und Bahn zusammen mehr als 23 Milliarden Euro investieren. Es geht nicht mehr nur um Instandhaltung, sondern um die Erneuerung von Strecken, Bahnhöfen, Stellwerken und Betriebsabläufen.

Kurzfristig führen diese Ausgaben jedoch nicht automatisch zu einem besseren Betrieb. Baustellen reduzieren Kapazitäten und machen Fahrpläne anfälliger. 2025 erreichten nur 60,1 Prozent der Fernverkehrszüge ihr Ziel pünktlich, nach 62,5 Prozent im Vorjahr. Die Investitionen sind damit zugleich Voraussetzung künftiger Stabilität und Ursache aktueller Belastungen. Für 2026 kündigt die Bahn ein besonders intensives Baujahr an. Der Konzern rechnet selbst damit, dass es etwa ein Jahrzehnt dauern wird, bis das Netz wieder deutlich besser funktioniert.

Service und Konzernumbau sollen die Sanierung stützen

Um die Folgen für Reisende abzufedern, hat die Bahn zusätzliche Programme im Umfang von 140 Millionen Euro angekündigt. Sie sollen Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, den Komfort im Fernverkehr und die Kundeninformation verbessern. Solche Maßnahmen ersetzen keine stabile Infrastruktur, können aber die wahrgenommene Servicequalität während der langen Umbauphase stützen.

Parallel steht 2026 ein Konzernumbau an. Entscheidungen sollen stärker in operative Bereiche verlagert, Bürokratie abgebaut und Verantwortlichkeiten näher an den Bahnbetrieb gerückt werden. Dahinter steht die Erkenntnis, dass nicht nur Finanzen und Infrastruktur problematisch sind, sondern auch langsame Entscheidungswege und komplexe Zuständigkeiten. Ob der Umbau tatsächlich greift, lässt sich aus den Zahlen für 2025 noch nicht ableiten.

Die Geschäftsfelder bleiben unterschiedlich belastet

DB Regio steigerte sein operatives Ergebnis auf 191 Millionen Euro, auch die Busgesellschaften erreichten wieder einen Gewinn. Der Fernverkehr kehrte ebenfalls in die schwarzen Zahlen zurück. Schwieriger bleibt die Lage bei DB Cargo. Die Sparte verbesserte zwar ihr Ergebnis, blieb operativ aber leicht negativ. Für 2026 ist ein harter Sanierungskurs angekündigt. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar, zugleich bleibt der Schienengüterverkehr für Industrie, Lieferketten und Klimapolitik strategisch wichtig.

Auch DB InfraGO erzielte nur ein leicht positives Ergebnis. Höhere Personalaufwendungen und steigende Abschreibungen durch die Modernisierung belasteten die Zahlen. Gerade die für die langfristige Leistungsfähigkeit entscheidenden Bereiche lassen sich deshalb nicht allein nach kurzfristiger Rendite beurteilen.

Der Schenker-Verkauf schafft Spielraum, aber keine Dauerlösung

Die Netto-Finanzschulden sanken zum Jahresende um 11,9 Milliarden Euro auf rund 20,7 Milliarden Euro. Möglich wurde das vor allem durch den Verkauf von DB Schenker. Die Erlöse entlasten die Bilanz und verringern den Druck durch Zinslasten und Refinanzierung. Der Effekt ist jedoch nicht wiederholbar. Mit Schenker fällt eine profitable internationale Logistiksparte weg, während die Bahn stärker auf ihr deutsches Kerngeschäft mit Personenverkehr, Infrastruktur und Gütertransport zurückgeworfen wird.

Für 2026 erwartet der Konzern einen Umsatzanstieg auf rund 28 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von etwa 600 Millionen Euro. Das wäre ein weiterer Schritt der Stabilisierung. Die entscheidenden Fragen bleiben jedoch offen. Wie stark belasten Baustellen und schwache Pünktlichkeit das Kerngeschäft? Wie konsequent greift der Konzernumbau? Und wie weit kann die Bahn ihre Investitionen künftig selbst tragen? Der operative Gewinn von 2025 ist deshalb kein Zielpunkt, sondern ein Anfang. Entscheidend wird sein, ob die finanzielle Erholung in spürbar bessere Leistungsfähigkeit übersetzt werden kann.

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