Die Deutsche Bank unterstützt bei der Lufthansa Group den Einsatz von rund 1.600 Tonnen Sustainable Aviation Fuel. Die Vereinbarung zeigt, wie nachhaltige Geschäftsreisen zum Instrument der Unternehmensklimabilanz werden und welchen Nachfrageimpuls Firmenkunden in der Luftfahrtbranche setzen können.
Die Deutsche Bank verbindet die Investition mit dem Ziel, die Emissionen ihrer eingekauften Leistungen bis 2030 gegenüber 2019 nahezu zu halbieren. Lufthansa beziffert die erwartete Einsparung auf rund 5.500 Tonnen CO₂ gegenüber herkömmlichem Kerosin, was rechnerisch den Emissionen von etwa 520 Flügen zwischen Frankfurt und London mit einem Airbus A320neo entspreche. Entscheidend ist jedoch, dass das SAF nicht zwingend in den Maschinen landet, mit denen Beschäftigte der Bank reisen. Die vereinbarte Menge soll vielmehr innerhalb von sechs Monaten in die Flughafeninfrastruktur eingespeist und über das gesamte Streckennetz bilanziert werden.
Die Klimawirkung wird über das Streckennetz bilanziert, nicht pro Ticket
Sustainable Aviation Fuel ist ein Flugkraftstoff, der fossilem Kerosin beigemischt werden kann, ohne dass Flugzeuge oder Tankanlagen grundsätzlich umgerüstet werden müssen. Das von Lufthansa verwendete SAF werde aus biogenen Reststoffen hergestellt und erreiche über Herstellung, Transport und Verbrennung hinweg im Jahresmittel einen mindestens 80 Prozent niedrigeren CO₂-Fußabdruck als konventionelles Kerosin. Klimaneutral ist der Kraftstoff damit nicht, denn auch bei seiner Verbrennung entstehen Emissionen und die tatsächliche Bilanz hängt von Rohstoffen, Verarbeitung und Transportwegen ab. Für Firmenkunden entsteht die Klimawirkung deshalb vor allem über eine rechnerische Zuordnung der eingesetzten Menge, nicht über eine individuelle Betankung des gebuchten Fluges.
Firmenkunden werden für die Luftfahrtbranche zum Nachfragehebel
Lufthansa versucht, diese bilanzielle Logik als Firmenkundenprodukt zu etablieren. Unternehmen können über SAF-Bulk-Deals größere Mengen finanzieren und erhalten ab einer Investition von 2.000 Euro ein Scope-3-Zertifikat, mit dem sich vermiedene Emissionen aus Geschäftsreisen in der Klimaberichterstattung ausweisen lassen. Nach Angaben des Konzerns beteiligten sich 2025 weltweit rund 1.700 Firmen an solchen Angeboten, während sich die verkaufte SAF-Menge über verschiedene Formate mehr als verdoppelt habe. Die Zahlen deuten auf wachsende Zahlungsbereitschaft hin, sagen aber noch wenig darüber aus, welchen Anteil alternative Kraftstoffe am gesamten Treibstoffverbrauch der Lufthansa Group erreichen.
Auch Privatkunden greifen häufiger zu Tarifen, die einen SAF-Anteil oder andere Klimaschutzbeiträge enthalten. Mehr als fünf Prozent der Fluggäste hätten 2025 eine entsprechende Option gewählt, darunter die sogenannten Green Fares. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Marktes ist diese Nachfrage relevant, weil Produzenten neue Anlagen nur dann finanzieren dürften, wenn sich verlässliche Abnehmer finden. Zugleich bleibt offen, wie schnell zusätzliche Produktionskapazitäten entstehen und zu welchen Preisen der Kraftstoff gegenüber fossilem Kerosin angeboten werden kann.
Die Vereinbarung verbindet Klimaziele mit einer stabileren Lieferkette
Für die Bank ist die Kooperation Teil ihrer Strategie, Emissionen entlang der Lieferkette zu senken. Ihr Nachhaltigkeitschef Jörg Eigendorf argumentiert, eine verlässliche Nachfrage könne Investitionen der SAF-Hersteller auslösen und alternative Kraftstoffe langfristig wettbewerbsfähiger machen. Damit übernimmt das Institut nicht nur Kosten für die eigene Klimabilanz, sondern setzt auf einen Markteffekt, der über die gebuchte Menge hinausreichen soll. Ob dieser Effekt eintritt, hängt allerdings davon ab, ob weitere Unternehmen dauerhaft ähnliche Verträge abschließen.
Regulatorisch ist das Modell nicht völlig losgelöst von staatlichen Vorgaben. Lufthansa erklärt, die für Kundenprogramme beschafften Mengen würden zusätzlich zu verpflichtenden SAF-Quoten erworben, Teile des förderfähigen Kraftstoffs seien jedoch über den EU-Emissionshandel mitfinanziert worden. Für die Bewertung solcher Angebote ist deshalb wichtig, freiwillige Nachfrage, gesetzliche Mindestmengen und öffentliche Förderung getrennt zu betrachten. Erst diese Abgrenzung zeigt, welcher zusätzliche Klimanutzen tatsächlich dem Engagement eines einzelnen Unternehmens zugerechnet werden kann.
Nachhaltige Geschäftsreisen bleiben ein Baustein unter mehreren
Die SAF-Vereinbarung erweitert eine Geschäftsbeziehung, die seit Oktober 2025 auch die Herausgabe der Miles-&-More-Kreditkarte durch die Bank umfasst. Für Lufthansa ist sie zugleich ein Beispiel dafür, wie sich Firmenkunden an der Finanzierung teurerer Kraftstoffe beteiligen lassen. Der Konzern nennt daneben Flottenmodernisierung, höhere Treibstoffeffizienz, intermodale Verbindungen und spezielle Kundenangebote als weitere Hebel. Die Dekarbonisierung des Luftverkehrs hängt damit nicht von einer einzelnen Technologie ab, sondern von einer Kombination aus effizienteren Flugzeugen, weniger fossilem Kraftstoff und veränderten Reiseentscheidungen.
Für Unternehmen bietet SAF einen vergleichsweise leicht abrechenbaren Weg, verbleibende Emissionen von Flugreisen zu mindern. Der Ansatz stößt jedoch dort an Grenzen, wo die verfügbare Menge knapp bleibt oder die bilanziellen Einsparungen als Ersatz für tatsächliche Emissionssenkungen verstanden werden. Langfristig dürfte sich die Bedeutung solcher Verträge daran messen lassen, ob sie zusätzliche Produktion anstoßen und den Preisabstand zu fossilem Kerosin verringern. Erst dann könnte aus einzelnen Firmenvereinbarungen ein relevanter Beitrag zur Transformation des Luftverkehrs werden.


