Die chinesische Zentralbank hat die Deutsche Bank zur Clearingbank für Renminbi in Europa bestimmt. Damit erhält der Finanzplatz Frankfurt eine zusätzliche Funktion im Zahlungsverkehr mit China, während grenzüberschreitende Transaktionen in der chinesischen Währung direkter abgewickelt werden können.
Das Mandat betrifft vor allem die Infrastruktur hinter internationalen Zahlungen. Beim RMB-Clearing werden Forderungen zwischen Banken verrechnet und anschließend in Renminbi abgewickelt; ein direkter Zugang kann dabei zusätzliche Zwischenschritte reduzieren und die Zahlungsabwicklung vereinfachen. Nach Angaben der Deutschen Bank ist sie das erste Institut in Europa, das diese Aufgabe übernehmen darf. Für Unternehmen und Finanzhäuser dürfte entscheidend sein, ob sich daraus im Alltag schnellere Prozesse, besser planbare Liquidität und geringere operative Reibungsverluste ergeben.
Das RMB-Clearing stärkt Frankfurt als Finanzschnittstelle zu China
Für den Finanzplatz Frankfurt ist die Entscheidung strategisch relevant, weil ein europäischer Zugang zur Abwicklung von Renminbi-Zahlungen zusätzliche Finanzströme an den Standort binden kann. Zugleich erweitert sich damit die Infrastruktur für den China-Europa-Handel, ohne dass daraus automatisch ein deutlich größeres Geschäftsvolumen entsteht. Wie groß die praktische Bedeutung wird, hängt davon ab, wie intensiv Unternehmen und Banken Zahlungen tatsächlich in der chinesischen Währung abwickeln.
Für Firmen mit Geschäft in China kann ein direkter Clearingweg organisatorische Vorteile bringen. Die Deutsche Bank verweist unter anderem auf einen leichteren Zugang zu Offshore-RMB-Liquidität sowie auf Verbesserungen bei Handelsfinanzierung und Liquiditätsmanagement. Dahinter steht vor allem die Frage, wie schnell Geld verfügbar ist, wo Währungsbestände gehalten werden und wie viele Stationen eine Zahlung durchläuft. Wechselkurs-, Kredit- oder Geschäftsrisiken verschwinden durch das neue Angebot allerdings nicht.
Für die Deutsche Bank gewinnt der China-Europa-Korridor strategisch an Gewicht
Das Mandat passt zur internationalen Aufstellung der Deutschen Bank, die sowohl in China präsent ist als auch eine bedeutende Rolle im europäischen Zahlungsverkehr spielt. Die neue Funktion kann ihre Position als Verbindung zwischen Unternehmen und Finanzinstituten auf beiden Seiten stärken und bestehende Angebote im Zahlungsverkehr und bei Finanzierungen enger verzahnen. Zugleich erhält die Renminbi-Internationalisierung in Europa einen weiteren institutionellen Kanal.
Auch politisch ist die Entscheidung bemerkenswert, weil belastbare Finanzinfrastruktur eine Voraussetzung für stabile Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Europa ist. Ein direkterer grenzüberschreitender Zahlungsverkehr kann Handels- und Investitionsprozesse erleichtern, sagt aber noch wenig darüber aus, welche Rolle der Renminbi langfristig im europäischen Geschäft spielen wird. Für Frankfurt liegt der unmittelbare Gewinn daher vor allem in einer zusätzlichen Schnittstelle zum chinesischen Finanzsystem – und weniger in einer grundsätzlichen Verschiebung der Kräfteverhältnisse auf den internationalen Währungsmärkten.


