DHL Supply Chain baut seine Automatisierung im Lagergeschäft weiter aus und setzt dafür weltweit auf die SOFTBOT Plattform des US-Anbieters SVT Robotics. Der Konzern verfolgt damit nach eigenen Angaben das Ziel, neue Robotiklösungen deutlich schneller in bestehende Abläufe einzubinden und sie anschließend über viele Standorte hinweg zu vervielfältigen. Für eine Branche, die unter Kostendruck, Personalmangel und schwankenden Sendungsmengen steht, ist das mehr als ein technisches Detail.
DHL Supply Chain macht damit deutlich, dass Logistikautomatisierung Lager heute weniger an einzelnen Robotern scheitert als an der Frage, wie schnell sich neue Systeme in gewachsene IT-Landschaften einfügen lassen. Gerade in großen Netzwerken mit vielen Kunden, unterschiedlichen Prozessen und regionalen Besonderheiten entscheidet die Integration oft darüber, ob ein Pilotprojekt skaliert oder im Einzelfall stecken bleibt.
Nach Unternehmensangaben sind bereits mehr als 8.000 kollaborative Roboter im globalen Netzwerk von DHL Supply Chain im Einsatz. Neu ist nun der Versuch, diese Vielfalt über eine einheitliche Softwareebene besser beherrschbar zu machen. Die SOFTBOT Plattform soll dabei als standardisierte Integrationsschicht zwischen Robotik, weiteren Automatisierungslösungen und dem Warenmanagementsystem dienen. Statt für jede neue Technik individuelle Schnittstellen über Wochen zu programmieren, sollen vorinstallierte Konnektoren den Anschluss stark verkürzen. DHL spricht von einer bis zu zwölfmal schnelleren Einbindung gegenüber klassischen Integrationsprojekten.
In der Lagerlogistik wird Software zur eigentlichen Skalierungsfrage
Der Schritt verweist auf ein bekanntes Problem der Branche. Viele Lagerhäuser arbeiten längst nicht mehr nur mit Fördertechnik, sondern mit mobilen Robotern, Kommissioniersystemen, Bildverarbeitung und datengetriebenen Steuerungswerkzeugen. Technisch ist vieles verfügbar, wirtschaftlich interessant wird es aber erst dann, wenn neue Lösungen ohne langen Umbau der IT eingeführt werden können. Genau an dieser Stelle setzt die SOFTBOT Plattform an, die nach Darstellung der beteiligten Unternehmen technologieoffen angelegt sei und unterschiedliche Systeme zusammenführen solle.
Für Laien lässt sich das so erklären: Nicht der Roboter allein bringt den Effizienzgewinn, sondern seine reibungslose Abstimmung mit Bestandsdaten, Auftragssteuerung und Materialfluss. Wenn jede neue Maschine eine eigene Sonderanbindung erfordert, steigen Kosten, Ausfallrisiken und Projektlaufzeiten. Eine Plug-and-Play-Logik ist deshalb in der Logistik nicht bloß Komfort, sondern ein möglicher Hebel für schnellere Investitionsentscheidungen. DHL Supply Chain versucht mit dieser Plattformstrategie, genau diesen Flaschenhals in der Logistikautomatisierung Lager zu entschärfen.
Die globale Standortstrategie zielt auf schnellere Rollouts statt auf einzelne Pilotprojekte
Strategisch interessant ist vor allem der Maßstab. Die SOFTBOT Plattform ist laut DHL Supply Chain bereits an 30 Standorten im Einsatz und soll in den kommenden drei Jahren auf mehr als 100 Standorte ausgeweitet werden. Das deutet darauf hin, dass der Konzern die Plattform nicht als Nischenlösung für Spezialprojekte betrachtet, sondern als Teil seiner globalen Standortstrategie. In großen Logistiknetzwerken zählt weniger der spektakuläre Einzelfall als die Fähigkeit, ein erprobtes Modell in vielen Hallen, Ländern und Kundenszenarien zu wiederholen.
DHL verweist darauf, dass Integrationen in Europa teils innerhalb weniger Stunden gelungen seien und in Asien-Pazifik neue Technologien sogar ohne Betriebsunterbrechung eingebunden worden seien. Das ist vor allem deshalb relevant, weil Lagerstandorte oft rund um die Uhr arbeiten und Stillstände teuer sind. Tim Tetzlaff, Global Head of Digital Transformation bei DHL Supply Chain, bezeichnete die Plattform wörtlich als „das Bindeglied zwischen unserem Lagermanagementsystem (WMS) und unserer strategischen Digitalisierungsagenda“. Hinter dieser Aussage steht ein klassisches Industrieziel: Standardisierung soll den Rollout beschleunigen, ohne jede lokale Einführung wieder zum Großprojekt werden zu lassen.
Echtzeitdaten und ein gemeinsamer Datenlayer könnten zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil werden
Mindestens ebenso wichtig wie die schnellere Anbindung ist der Datenaspekt. DHL erklärt, die SOFTBOT Plattform liefere ein zentrales Dashboard für standortübergreifende Steuerung und Überwachung. Außerdem entstehe ein einheitlicher Datenlayer, der mehr Transparenz über Arbeitsabläufe und die Leistung der eingesetzten Automatisierungstechnik schaffen solle. Solche Echtzeitdaten gelten in der Branche zunehmend als Voraussetzung dafür, Mensch-Roboter-Teams sinnvoll zu koordinieren, Engpässe früh zu erkennen und Prozesse laufend anzupassen.
Gerade für die Lieferkette ist das bedeutsam. Wenn ein Logistikdienstleister an vielen Standorten auf vergleichbare Datenstrukturen zugreifen kann, lassen sich Abweichungen schneller erkennen und operative Entscheidungen zentraler vorbereiten. Das kann die Resilienz verbessern, etwa wenn Volumina stark schwanken oder Kunden kurzfristig andere Abläufe verlangen. Sally Miller, Global CIO bei DHL Supply Chain, sagte dazu: „Die Logistikbranche verändert sich rasant – sei es durch neue Kundenprofile, schwankende Volumina oder technologische Innovationen.“ Die Aussage wirkt wenig überraschend, beschreibt aber den Kern des Problems präzise: Flexibilität ist im Lagergeschäft längst zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden.
Für DHL Supply Chain ist die SOFTBOT Plattform auch ein Signal an Kunden und Technologieanbieter
Der Ausbau der SOFTBOT Plattform hat schließlich auch eine Marktseite. DHL Supply Chain sendet damit das Signal, dass sich neue Automatisierungstechnik künftig leichter in sein Netzwerk einfügen lassen soll. Das dürfte für Technologieanbieter attraktiv sein, weil die Hürde für Implementierungen sinkt. Zugleich stärkt es die Position von DHL gegenüber Industriekunden, die schnell skalierbare Lösungen erwarten, aber keine Experimente mit langwierigen IT-Projekten finanzieren wollen.
Dass DHL viele Implementierungen inzwischen selbstständig durchführen könne, wie SVT Robotics mitteilte, spricht zudem für einen wichtigen Reifegrad. Plattformen entfalten ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn sie nicht dauerhaft vom Anbieter betreut werden müssen, sondern im operativen Alltag der Kunden verankert sind. Für DHL Supply Chain könnte genau das entscheidend werden: weniger Abhängigkeit von individuellen Schnittstellen, mehr Tempo bei der Einführung neuer Systeme und damit ein robusteres Modell für globale Expansion. In einem Markt, in dem Effizienz, Anpassungsfähigkeit und Lieferfähigkeit immer stärker zusammenhängen, ist die SOFTBOT Plattform deshalb nicht nur ein IT-Werkzeug, sondern Teil einer breiteren Standort- und Wettbewerbsstrategie.


