Die DOUGLAS Group verankert Klimaziele nicht nur in eigenen Maßnahmen, sondern zunehmend in Mietverträgen. Mit sogenannten Green Leases will der Händler sein Filialgeschäft schrittweise energieeffizienter machen – und die Verantwortung dafür stärker mit Immobilienpartnern teilen.
Hinter der Ankündigung steht eine strategische Frage, die den gesamten stationären Handel beschäftigt: Wie lassen sich Nachhaltigkeitsziele im Bestand umsetzen, wenn Flächen und Gebäudetechnik oft nicht dem Mieter gehören?
Die DOUGLAS Group versucht genau dort anzusetzen und hat nach eigenen Angaben erste Vereinbarungen für rund 170 DOUGLAS- und NOCIBÉ-Filialen geschlossen. Das entspreche knapp zehn Prozent der etwa 1.700 selbst betriebenen Läden; weitere Gespräche liefen. Die Green-Lease Initiative Düsseldorf zielt damit auf einen Hebel, der im Einzelhandel lange unterschätzt wurde: Wer Energie spart und CO₂ senkt, braucht in vielen Fällen die Mitwirkung der Eigentümer – sonst bleiben Pläne auf den Einflussbereich des Mieters begrenzt.
Dass die DOUGLAS Group Green Leases ausgerechnet als Baustein für das Premium-Beauty Filialnetz Europa herausstellt, ist auch ein Signal an Investoren und Vermieter: Nachhaltigkeit soll nicht nur über Marketing, sondern über Prozesse und vertragliche Pflichten messbar werden. Konzernchef Sander van der Laan ordnete den Schritt als Teil einer langfristigen Zielrichtung ein: „Wir nehmen unsere Verantwortung als Premium-Beauty-Anbieter mit rund 1.700 selbst betriebenen Filialen sehr ernst und wissen, was wir bewirken können. Mit den Green-Lease-Verträgen machen wir einen großen Schritt hin zu unserer langfristigen Vision: einem grüneren und energieeffizienteren Filialnetz.”
Green-Lease-Verträge verlagern Klimaziele in die Mietverträge – und machen Vermieter mitverantwortlich
Green Leases sind, vereinfacht gesagt, Mietverträge mit Zusatzklauseln, die eine umweltfreundlichere Nutzung der Immobilie festschreiben sollen. Die DOUGLAS Group beschreibt das Modell als Arbeitsteilung zwischen Mieter und Vermieter: Beide Seiten würden Anreize erhalten, Gebäude effizienter zu betreiben, Emissionen zu senken und den Energieverbrauch transparenter zu machen. Für die Branche ist das insofern relevant, als viele Filialketten zwar ihre Läden betreiben, aber kaum Einfluss auf Heizung, Lüftung, Klimatisierung oder die Grundsubstanz der Gebäude haben – genau dort liegen jedoch oft die größten Einsparpotenziale.
Bemerkenswert ist, mit wem die Gruppe startet: Als Partner nennt sie unter anderem die ECE Group und Klépierre, also große Eigentümer von Handelsimmobilien. Damit wird die DOUGLAS Group Green Leases nicht als Nischenprojekt angelegt, sondern als Testballon im industriellen Maßstab. Für Vermieter kann das attraktiv sein, weil modernisierte Flächen tendenziell leichter vermietbar sind und Energiekostenrisiken sinken; für Mieter könnte es planbarere Betriebskosten und bessere Klimabilanzen bedeuten. Allerdings steckt in der Konstruktion auch Konfliktpotenzial, weil Investitionen und Nutzen nicht automatisch bei derselben Partei anfallen – und weil Green Leases erst dann Wirkung entfalten, wenn sie konkret genug sind, um im Alltag nicht zu verpuffen.
Die eigentliche Hürde liegt im Bestand – Technik-Updates kosten Geld und Zeit
In der Praxis entscheidet sich der Erfolg weniger an wohlklingenden Vertragspassagen als an der Gebäudetechnik im Laden. Die DOUGLAS Group verweist auf Maßnahmen wie LED-Beleuchtung sowie moderne Systeme für Heizung, Lüftung und Klimatechnik (HLK). Gerade im Bestand ist das aufwendig: Umbauten müssen in laufendem Betrieb geplant werden, Genehmigungen und Eigentümerinteressen spielen hinein, und nicht jede Fläche lässt sich ohne Weiteres auf einen neuen Standard bringen. Für die Energieeffizienz Douglas Stores ist das dennoch zentral, weil Filialen laut Unternehmen den größten Anteil am eigenen ökologischen Fußabdruck hätten.
Dass zunächst rund 170 Standorte erfasst sind, zeigt zugleich die Größenordnung des Vorhabens: Es ist ein Anfang, aber noch nicht der Beleg für einen flächendeckenden Wandel im Premium-Beauty Filialnetz Europa. Ob die Green-Lease Initiative Düsseldorf zügig wächst, hängt deshalb stark davon ab, wie gut sich die Konditionen auf weitere Vermieter übertragen lassen – und ob beide Seiten eine belastbare Logik finden, wer welche Investition trägt, wie Einsparungen nachgewiesen werden und wie Streitfälle gelöst werden. Für den Einzelhandel insgesamt ist das ein interessanter Präzedenzfall: Wenn große Ketten Mietverträge als Klimainstrument nutzen, könnte das den Druck auf Immobilienportfolios erhöhen, energetisch nachzurüsten.
Smart Meter und Ökostrom sind der pragmatische Teil der Strategie, aber noch kein Durchbruch
Neben den Vertragsmodellen setzt DOUGLAS auf Mess- und Einkaufsentscheidungen, die kurzfristiger greifen. In weiten Teilen der Standorte sollen intelligente Stromzähler (Smart Meter) installiert werden; damit lasse sich der Verbrauch genauer beobachten und gezielter steuern. Der Konzern nimmt sich vor, die Technik bis zum Ende des Geschäftsjahres 2024/25 in einem Großteil der Filialen und Büros einzubauen. Solche Zähler sind kein Klimawunder, können aber ein praktisches Management-Werkzeug sein: Ohne verlässliche Daten bleibt Energieeffizienz Douglas Stores häufig ein Bauchgefühl – mit Daten werden Lastspitzen, Fehlverbräuche oder ineffiziente Routinen sichtbar.
Beim Strombezug meldet die Gruppe Fortschritte, aber auch eine Zwischenstufe: In der Hälfte der Länder, in denen sie tätig ist, werde bereits erneuerbarer Strom genutzt; der Anteil solle steigen. Das ist ein Signal, das gut in die derzeitige Industrie- und Regulierungslage passt, in der Unternehmen zunehmend nachvollziehbar darlegen müssen, wie Emissionen entstehen und sinken. Gleichzeitig bleibt offen, wie schnell sich das in allen Märkten ausrollen lässt, wenn Herkunftsnachweise, Verfügbarkeit und Preisniveaus unterschiedlich sind. Für DOUGLAS Group Green Leases bedeutet das: Verträge, Messtechnik und Strombeschaffung greifen erst dann sauber ineinander, wenn sie in den Alltag vieler Vermieter und Filialteams übersetzt werden – genau dort entscheidet sich, ob aus der Green-Lease Initiative Düsseldorf ein Standard wird oder nur ein weiterer Pilotschritt.


