EnBW erreicht 500 Schnellladestandorte an Rewe- und Penny-Märkten

EnBW und die Rewe Group bauen die öffentliche Ladeinfrastruktur am Einzelhandel weiter aus. Mit dem 500. Standort an Rewe- und Penny-Märkten ist die Hälfte des bis 2030 geplanten Netzes erreicht. Insgesamt sollen 1.000 Standorte entstehen.

Seit dem Start der Kooperation im Herbst 2022 wurden an den Filialen nach Unternehmensangaben mehr als fünf Millionen Ladevorgänge registriert. Das zeigt, dass Ladeinfrastruktur nicht nur an Autobahnen und in Innenstädten gebraucht wird. Sie wird zunehmend dort aufgebaut, wo Menschen ohnehin regelmäßig halten.

Supermärkte und Discounter entwickeln sich damit zu Knotenpunkten für Einkauf, Energie und Mobilität. Besonders für Haushalte ohne eigene Wallbox kann das Laden am Einzelhandel eine Lücke schließen. Für EnBW entsteht ein dichteres Schnellladenetz, während die Rewe Group ihre Parkflächen strategisch aufwertet.

Supermarktparkplätze werden Teil der Ladeinfrastruktur

Die 500 Standorte umfassen mehr als 2.200 Schnellladepunkte. Damit entfällt nach Angaben der Unternehmen mehr als ein Viertel der EnBW-Schnellladepunkte in Deutschland auf die Kooperation mit der Rewe Group. Die Stationen befinden sich an Rewe- und Penny-Märkten in Städten und im ländlichen Raum.

Die Ladeleistung reicht je nach Standort bis zu 400 Kilowatt, sofern das Fahrzeug diese Leistung aufnehmen kann. EnBW nennt als Beispiel einen möglichen Reichweitenzuwachs von bis zu 400 Kilometern in 15 Minuten. Der tatsächliche Wert hängt jedoch von Fahrzeugmodell, Batteriestand und technischen Bedingungen ab.

Der Vorteil des Konzepts liegt in der Verbindung mit bestehenden Routinen. Wer während des Einkaufs lädt, muss keinen zusätzlichen Stopp einplanen. Nach Angaben von EnBW ist der Samstag zugleich der Tag mit den meisten Ladevorgängen an diesen Standorten. Das spricht dafür, dass Schnellladen am Supermarkt bereits im Alltag vieler Nutzer angekommen ist.

EnBW verfolgt eine breitere Standortstrategie

Das EnBW Schnellladenetz umfasst nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als 8.000 Schnellladepunkte in Deutschland. Im Durchschnitt soll bereits alle 50 Kilometer ein EnBW-Schnellladepunkt erreichbar sein.

Der Ausbau an Rewe- und Penny-Märkten ist Teil einer Strategie, die drei Standorttypen verbindet: Supermarktparkplätze, urbane Ladepunkte und Schnellladeparks entlang wichtiger Verkehrsachsen. Damit will EnBW sowohl den Alltagsverkehr als auch Langstrecken abdecken.

Für den Hochlauf der Elektromobilität reicht es nicht, dass Fahrzeuge günstiger werden und größere Reichweiten bieten. Öffentliches Laden muss zugleich verlässlich, leicht auffindbar und preislich nachvollziehbar sein. EnBW will nach eigenen Angaben rund 20 Prozent der künftig benötigten Schnellladeinfrastruktur bereitstellen.

Für die Rewe Group können Ladepunkte die Attraktivität der Märkte erhöhen und zusätzliche Aufenthaltszeit schaffen. Zugleich verbindet die Kooperation Nahversorgung mit emissionsärmerer Mobilität. Handelsflächen übernehmen damit eine neue Funktion innerhalb der Mobilitätswende.

Ladepreise werden zum Wettbewerbsfaktor

Mit der wachsenden Zahl öffentlicher Ladepunkte rücken die Kosten stärker in den Mittelpunkt. EnBW verweist auf einheitliche Preise an den eigenen Stationen, unabhängig von Standort und Ladezeit.

Im Tarif EnBW mobility+ L nennt das Unternehmen bei einer monatlichen Grundgebühr von 11,99 Euro einen Preis ab 39 Cent pro Kilowattstunde. In bestimmten Vorteilstarifen, etwa in Verbindung mit einem Hausstromvertrag, soll der Preis bei 35 Cent pro Kilowattstunde liegen.

Für Menschen ohne private Lademöglichkeit ist diese Preisfrage besonders wichtig. Öffentliches Schnellladen wird häufig als deutlich teurer wahrgenommen als das Laden zu Hause. In Städten und bei Mietwohnungen kann der Ladepreis deshalb darüber entscheiden, wie attraktiv ein Elektroauto im Alltag ist.

Für die Branche wächst zugleich der Druck auf Transparenz. Unterschiedliche Tarife, Roaming-Gebühren und standortabhängige Preise haben den Markt für viele Nutzer unübersichtlich gemacht. Einheitliche und nachvollziehbare Konditionen können Vertrauen schaffen.

EnBW verbindet sein Schnellladenetz mit einer eigenen App, einer festen Tarifstruktur und dem Zugang zu weiteren europäischen Ladepunkten. Damit konkurrieren Betreiber nicht mehr nur über die Zahl der Stationen, sondern auch über Preisgestaltung, Bedienbarkeit und Verlässlichkeit.

Mobilitätswende und Handelsflächen rücken zusammen

Die Partnerschaft zeigt, wie stark die Mobilitätswende auf bestehende Alltagsinfrastruktur zurückgreift. Supermarktparkplätze liegen häufig verkehrsgünstig, sind vielen Menschen vertraut und lassen sich ohne neue Nutzungsgewohnheiten in den Tagesablauf integrieren.

Während Ladeparks an Autobahnen vor allem Reisende bedienen, decken Standorte am Einzelhandel den regelmäßigen Bedarf im Nahbereich ab. Diese Kombination kann dazu beitragen, öffentliches Schnellladen für eine größere Nutzergruppe verfügbar zu machen.

EnBW gibt an, die Standorte mit Ökostrom zu betreiben. Gleichzeitig stellt der Ausbau hohe Anforderungen an Netzanschlüsse, Flächenplanung und Genehmigungen. Mit jedem neuen Schnellladestandort müssen Handelsunternehmen, Netzbetreiber, Kommunen und Energieversorger enger zusammenarbeiten.

Bis 2030 soll das gemeinsame Netz von 500 auf 1.000 Standorte wachsen. Ob das Ziel erreicht wird, hängt neben Investitionen und Baufortschritt auch von Netzkapazitäten und der Entwicklung des Elektroautomarktes ab.

Schon jetzt zeigt die Kooperation, dass Schnellladen nicht mehr nur als Spezialangebot für frühe Elektroauto-Nutzer gedacht ist. Es wird Teil einer breiteren Versorgungsstruktur, in der Einkauf, Energie und Mobilität zunehmend zusammengeführt werden.

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