Etikettiertechnik von Krones erreicht mit der Ergomodul den Serienmaßstab

Mit der tausendsten Ergomodul Etikettiermaschine markiert Krones einen industriellen Meilenstein: Aus einer einst ungewöhnlich flexiblen Maschinenidee ist binnen weniger Jahre ein Serienprodukt geworden. Der Erfolg zeigt zugleich, wie stark die Abfüll- und Verpackungstechnik heute von kurzen Umrüstzeiten, digitaler Wartung und variablen Verpackungsformaten geprägt wird.

Die Geschichte der Etikettiertechnik von Krones reicht bis 1951 zurück, als Firmengründer Hermann Kronseder eine halbautomatische Etikettiermaschine entwickelte. Entscheidender für das heutige Geschäft war jedoch der Schritt zur modularen Bauweise im Jahr 2001. Erstmals konnten unterschiedliche Etikettierverfahren auf einer gemeinsamen Maschinenplattform kombiniert werden, was Kunden mehr Spielraum bei Sortenwechseln gab und Krones zugleich half, die Variantenvielfalt im eigenen Portfolio zu begrenzen.

Mit der 2017 eingeführten EM-Baureihe wurde dieses Prinzip für die Serienproduktion weiterentwickelt. Die Ergomodul Etikettiermaschine verbindet eine offene Basismaschine mit austauschbaren Aggregaten für Leim-, Rollen- und Selbstklebeetiketten. Statt für jede Etikettenart eine eigene Anlage vorzuhalten, können Getränkehersteller ihre Ausstattung an wechselnde Produkte und Verpackungsdesigns anpassen.

Die modulare Bauweise reagiert auf immer kleinere Produktionslose

Der Nutzen der Plattform liegt weniger in einem spektakulären Einzelmerkmal als in der Kombination aus Flexibilität und standardisierten Schnittstellen. Die Etikettieraggregate werden an vorbereitete Stationen angeschlossen, über die Luft, Wasser, Strom und Daten bereitstehen. Dadurch sinkt der Aufwand beim Umrüsten, während Bedienung und Reinigung einfacher werden können.

Diese Entwicklung passt zu einem Markt, in dem Hersteller häufiger zwischen Flaschenformaten, Markenvarianten und Etikettenarten wechseln. Gerade bei kleineren Losgrößen wird die Umrüstzeit zu einem relevanten Kostenfaktor. Für die Abfüll- und Verpackungstechnik wird Modularität damit zu einer Antwort auf wachsende Produktvielfalt, nicht nur zu einem technischen Komfortmerkmal. Auch Materialeinsatz und Energieverbrauch spielen eine größere Rolle. Krones verweist auf effiziente Servoantriebe und die Fähigkeit, sehr dünne Etiketten zu verarbeiten. Solche Eigenschaften können den Ressourcenverbrauch senken, ihr tatsächlicher Nutzen hängt jedoch von Auslastung, Materialwahl und Betriebskonzept der jeweiligen Linie ab.

Digitalisierung soll ungeplante Stillstände früher erkennbar machen

Seit dem Serienstart hat Krones die Maschine stärker in digitale Produktionssysteme eingebunden. Über eine Shopfloor-Anwendung kann die Anlage Hinweise senden, wenn ein manueller Eingriff erforderlich wird. Verfahren der vorausschauenden Wartung sollen zudem Abweichungen im Maschinenverhalten erkennen, bevor daraus ein Stillstand entsteht.

Für Betreiber ist das vor allem deshalb relevant, weil Etikettiermaschinen meist Teil einer verketteten Abfülllinie sind. Fällt eine Station aus, kann die gesamte Produktion ins Stocken geraten. Digitale Wartung verspricht daher weniger ungeplante Unterbrechungen, setzt aber verlässliche Sensordaten, geschultes Personal und klar definierte Arbeitsabläufe voraus. Krones treibt außerdem die Automatisierung der Materialversorgung voran. In der neuen Liniengeneration Ingeniq kann eine Roboterzelle Etiketten bereitstellen, nachlegen und verkleben, ohne die Produktionsgeschwindigkeit zu reduzieren. Damit verschiebt sich die Rolle des Bedienpersonals schrittweise von manuellen Routinen hin zur Überwachung und Störungsbehebung.

Der Auftrag aus Österreich zeigt den praktischen Wert der Plattform

Die tausendste Maschine soll bei der österreichischen Weinkellerei Lenz Moser in Rohrendorf bei Krems eingesetzt werden. Dort ist vorgesehen, die Anlage ab Sommer in eine bestehende Krones-Linie zu integrieren und bis zu 18.000 Glasflaschen pro Stunde mit Selbstklebeetiketten auszustatten. Verarbeitet werden sollen Behälter zwischen 0,25 und 1,0 Liter.

Für die Weinkellerei steht weniger die Stückzahl der Jubiläumsmaschine als die größere gestalterische und technische Bandbreite im Vordergrund. Nach Angaben des Unternehmens sollen Druckbild, Positioniergenauigkeit und Auswahl der Etikettenarten verbessert werden. Der Fall verdeutlicht, dass hochwertige Flaschenausstattung auch in traditionellen Branchen zunehmend mit automatisierter Serienproduktion verbunden wird. Am Krones-Standort Neutraubling steht die Maschine zugleich für die Industrialisierung eines Konzepts, das ursprünglich vor allem Flexibilität versprach. Nach Unternehmensangaben entfällt inzwischen etwa jede zweite verkaufte Rundläufer-Etikettiermaschine auf dieses Modell. Die Plattform stärkt damit nicht nur das Stammgeschäft, sondern auch die Bindung von Kunden an komplette Linien, digitale Dienste und spätere Modernisierungen.

Der Maschinenbau verlagert Wettbewerbsvorteile in Software und Service

Die Jubiläumszahl fällt in eine Phase, in der klassische Maschinenbauer ihr Geschäft breiter aufstellen. Mechanische Präzision bleibt Voraussetzung, doch Differenzierung entsteht zunehmend durch Software, Datenanalyse, automatisierte Materialflüsse und die Einbindung einzelner Anlagen in komplette Produktionssysteme. Die Ergomodul steht exemplarisch für diesen Wandel vom Einzelprodukt zur vernetzten Plattform.

Für die Etikettiertechnik von Krones ist der Serienerfolg daher strategisch wichtiger als das Jubiläum selbst. Standardisierte Module können Entwicklung, Fertigung und Ersatzteilversorgung vereinfachen, während Kunden ihre Anlagen schrittweise an neue Anforderungen anpassen. Der Krones-Standort Neutraubling gewinnt dadurch eine Doppelrolle als Fertigungsbasis und als Zentrum für die Weiterentwicklung einer Plattform, die in internationalen Getränkelinien über Jahre betrieben werden soll. Langfristig dürfte sich der Wettbewerb daran entscheiden, wie gut solche Systeme reale Effizienzgewinne liefern und zugleich beherrschbar bleiben. Vollautomatisierung und Predictive Maintenance entfalten ihren Wert nur, wenn sie Stillstände tatsächlich reduzieren und nicht zusätzliche Komplexität schaffen. Die tausendste Ergomodul Etikettiermaschine ist deshalb weniger ein Endpunkt als ein Hinweis darauf, dass modulare und datenbasierte Technik im Getränkeanlagenbau zum Normalfall wird.

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