Foppa verbindet Solarstrom und Lagerlogistik zu einem betriebswirtschaftlichen Modell

Im Lager- und Logistikgeschäft entscheidet Energie längst nicht mehr nur über Nachhaltigkeitsbilanzen, sondern zunehmend über Kosten, Auslastung und Wettbewerbsfähigkeit. Das Beispiel von Foppa in Egna zeigt, wie ein vergleichsweise unspektakulärer Prozess im Hintergrund, nämlich das Laden von Flurförderzeugen, zu einem strategischen Hebel werden kann.

Das Unternehmen aus dem Lebensmittelgroßhandel verknüpft nach eigenen Angaben seine Photovoltaikanlage mit dem Lademanagement der Fahrzeugflotte so, dass ein Großteil des tagsüber erzeugten Stroms direkt im eigenen Betrieb verbraucht wird. Dahinter steht keine symbolische Klimamaßnahme, sondern ein Versuch, Stromerzeugung und Stromverbrauch präziser aufeinander abzustimmen.

Foppa nutzt an seinem Hauptsitz in Egna eine Photovoltaikanlage, die seit Jahren ausgebaut worden sei und inzwischen auf rund 1 MWp komme. Für einen Logistikstandort dieser Art ist das relevant, weil sich damit ein spürbarer Teil des Strombedarfs selbst decken lässt. Der Engpass liegt jedoch oft nicht in der Erzeugung, sondern in der Frage, wann Energie anfällt und wann sie tatsächlich gebraucht wird. Gerade im Lebensmittelgroßhandel mit Kühlzellen, Kommissionierung und eng getakteten Betriebsabläufen verschieben sich Lastspitzen häufig in Tageszeiten, in denen die Sonne keine Energie mehr liefert.

Genau dort setzt das aktive Lastmanagement an, das Foppa gemeinsam mit Jungheinrich eingeführt habe. Das System steuere die Ladevorgänge der Flurförderzeuge nicht nach starren Zeitfenstern, sondern in Echtzeit. Ladebeginn und Ladeleistung würden an die verfügbare Solarenergie, an die vorhandene technische Infrastruktur und an die Bedingungen des Strombezugs angepasst. Was technisch klingt, ist ökonomisch leicht zu erklären: Der Betrieb versucht, möglichst viel günstigen selbst erzeugten Strom genau dann zu nutzen, wenn er anfällt, statt später teureren Strom aus dem Netz zuzukaufen.

Intelligentes Laden zeigt, dass Photovoltaik im Lager erst durch Steuerung wirtschaftlich wird

Die bloße Installation einer Photovoltaikanlage gilt in vielen Unternehmen inzwischen als naheliegender Schritt. Deutlich schwieriger ist es, aus dieser Anlage im Alltag einen hohen Nutzen zu ziehen. Denn Solarstrom fällt nicht nach Schichtplan an, sondern wetter- und tageszeitabhängig. Ohne Steuerung landet ein Teil der Energie entweder zu ungünstigen Zeitpunkten im Netz oder kann betriebsintern nur eingeschränkt verwendet werden. Dass Foppa nun auf aktives Lastmanagement setzt, verweist deshalb auf einen breiteren Trend in der Intralogistik des Lebensmittelgroßhandels: Energie wird nicht mehr nur erzeugt, sondern softwaregestützt verteilt.

Nach Angaben der Beteiligten soll beim Laden der Fahrzeuge inzwischen ein Eigenstromanteil von rund 90 Prozent erreicht werden. Sollte dieser Wert im Dauerbetrieb stabil bleiben, wäre das beachtlich. Denn er deutet darauf hin, dass sich die Photovoltaikanlage in Egna nicht nur bilanziell, sondern operativ in den Lagerablauf einfügt. Für Unternehmen ist das aus zwei Gründen interessant: Erstens sinkt der Netzbezug, was die Energiekosten drücken kann. Zweitens werden vorhandene Netzanschlüsse und interne Infrastruktur entlastet, weil Lasten gleichmäßiger verteilt werden. In Zeiten volatiler Strompreise und wachsender Netzentgelte wird genau diese Flexibilität zum Wettbewerbsfaktor.

Die Wahl von Lithium-Ionen-Batterien macht das Konzept erst im Alltag praktikabel

Entscheidend ist dabei nicht nur die Software, sondern auch die Batterietechnik. Foppa und Jungheinrich verweisen darauf, dass Lithium-Ionen-Batterien kurzfristiges und schwankendes Laden deutlich besser verkraften als klassische Blei-Säure-Systeme. Für Laien lässt sich das so zusammenfassen: Moderne Batterien sind anpassungsfähiger, wenn Strom nicht kontinuierlich in gleicher Menge, sondern in wechselnder Intensität verfügbar ist. Genau das passiert bei Solarstrom, dessen Erzeugung im Tagesverlauf ansteigt, abfällt und auf Wetterlagen reagiert.

Jungheinrich beschreibt diesen Zusammenhang so: „Active Load Management sorgt dafür, dass die Ladegeräte genau dann aktiv sind, wenn ausreichend Solarstrom vorhanden ist. Gleichzeitig wird die Ladeleistung dynamisch an die vorhandene Infrastruktur und den bestehenden Energievertrag angepasst“. Diese Aussage ist technisch nachvollziehbar und verweist auf den Kern des Modells. Nicht die einzelne Ladesäule ist entscheidend, sondern die koordinierte Abstimmung von Erzeugung, Verbrauch, Netzanschluss und Fahrzeugverfügbarkeit.

Für den Lagerbetrieb hat das noch einen zweiten Effekt, der oft unterschätzt wird. Wenn Lithium-Ionen-Fahrzeuge eingesetzt werden, entfallen typische Zusatzaufwände älterer Batteriekonzepte, etwa Batteriewechsel, separate Ladebereiche oder der Umgang mit schweren Wechselakkus. Das spart nicht nur Platz, sondern reduziert auch Prozessunterbrechungen. Der Nutzen des aktiven Lastmanagements liegt damit nicht allein in der Stromrechnung, sondern auch in einer ruhigeren und planbareren Betriebsorganisation.

Das Projekt in Egna steht für einen größeren Umbau industrieller Lieferketten

Bemerkenswert ist an dem Fall weniger die absolute Größe des Projekts als seine Signalwirkung. Laut Unternehmen wurden drei bestehende Fahrzeuge nachgerüstet, dazu seien neun weitere Kommissionierer mit entsprechender Funktion hinzugekommen. Insgesamt sind am Standort Egna damit derzeit zwölf Fahrzeuge dieser Art im Einsatz. Das ist keine flächendeckende Transformation eines gesamten Industriezweigs, aber ein konkretes Beispiel dafür, wie sich Energie- und Logistiksysteme Schritt für Schritt verschränken lassen.

Für die Lieferkette ist das vor allem deshalb relevant, weil der Lebensmittelgroßhandel stark auf Verfügbarkeit, Temperaturführung und Kostendisziplin angewiesen ist. Jede Möglichkeit, den Energieeinsatz präziser zu steuern, wirkt mittelbar auf Marge und Versorgungssicherheit. Zugleich passt das Projekt in eine europäische Entwicklung, in der Unternehmen stärker auf Eigenstromnutzung, geringere Abhängigkeit vom Netz und resilientere Standorte setzen. Industriepolitik und Regulierung fördern diese Richtung indirekt mit, etwa über den politischen Druck zur Elektrifizierung, zur effizienteren Netznutzung und zu mehr lokaler Energieerzeugung.

Renè Celva, Geschäftsleiter für Einkauf und Logistik bei Foppa, formuliert den nächsten Schritt so: „Wir schauen uns gemeinsam mit Jungheinrich an, wie wir den überschüssigen Strom künftig auch für weitere logistische Prozesse nutzen können“. Darin zeigt sich, dass das Projekt in Egna offenbar nicht als abgeschlossene Einzellösung verstanden wird. Sobald die Photovoltaikanlage mehr Strom liefert, als für die Flurförderzeuge nötig ist, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage: Welche Prozesse lassen sich zusätzlich elektrifizieren oder flexibler takten? Genau dort beginnt die strategische Bedeutung solcher Investitionen, weil aus einer einzelnen Ladelösung ein Baustein für den Umbau des gesamten Standorts werden kann.

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