FORVIA HELLA setzt bei iConF auf Analog Devices und zielt auf den Serienanlauf 2028

Der Zulieferer FORVIA HELLA und der Halbleiteranbieter Analog Devices wollen gemeinsam eine zentrale Komponente für künftige Bordnetze entwickeln. Im Kern geht es um iConF, eine elektronisch gesteuerte Sicherung, die Hard- und Software enger zusammenführt. Ein Serienstart bei einem globalen Premiumhersteller wird für 2028 in Aussicht gestellt.

FORVIA HELLA iConF soll nach Darstellung der Beteiligten vor allem ein Problem adressieren, das mit neuen Fahrzeuggenerationen wächst: Das Bordnetz wird komplexer, weil immer mehr Funktionen softwarebasiert orchestriert werden und Steuergerätearchitekturen umgebaut werden. Die Kooperation mit Analog Devices, Inc. ziele darauf, eine Sicherungslösung zu liefern, die sich in solche Plattformen leichter integrieren lasse und die Versorgung kritischer Verbraucher präziser überwachen könne. Hinter dem Begriff stehe nicht die klassische Schmelzsicherung, sondern eine vollelektronische Variante, die Schalten, Messen und Diagnostik in einer Lösung bündeln soll. Damit rückt FORVIA HELLA iConF in eine Kategorie von Bauteilen, die in der Branche als unscheinbar gelten, aber den Unterschied zwischen beherrschbarer und kaum noch wartbarer Fahrzeugelektrik ausmachen können.

Gleichzeitig ist der Zeitpunkt strategisch gewählt, weil Hersteller ihre Elektrik und Elektronik vielerorts neu zuschneiden, um Funktionen nachträglich per Software auszurollen. Nach Angaben der Unternehmen verbindet iConF eine elektronische Sicherung mit einem integrierten Schaltkreis und einer Steuerungssoftware, was den Bauraum reduzieren und die Zahl einzelner Komponenten senken soll. Für die Lieferkette ist das relevant, weil weniger Teile tendenziell weniger Abhängigkeiten bedeuten, gerade dort, wo Halbleiter über Jahre hinweg knapp oder teuer sein können. Ob die Rechnung aufgeht, hängt am Ende davon ab, wie robust die Lösung im Alltag funktioniert und wie gut sie sich in unterschiedliche Fahrzeugplattformen übertragen lässt.

Die Partnerschaft wirkt wie eine Antwort auf den Architekturwechsel in der Autoindustrie

Die Arbeitsteilung deutet darauf hin, dass beide Seiten ihre Stärken ausspielen wollen, ohne sich gegenseitig zu kannibalisieren. FORVIA HELLA soll die Gesamtverantwortung für die Technologie übernehmen, inklusive der Softwareebene und der Auslegung der Sicherungssysteme. Analog Devices liefere dafür die Halbleiterbasis und Know-how rund um das zugrunde liegende Schaltungsdesign, also den Kern, der später in hohen Stückzahlen gefertigt werden müsste. Genau dieser Zuschnitt macht die Ankündigung plausibel, weil Softwarekompetenz und Halbleiterentwicklung in der Praxis oft in unterschiedlichen Entwicklungszyklen laufen und in Partnerschaften zusammengeführt werden müssen. Für FORVIA HELLA iConF ist das zudem ein Signal, dass das Unternehmen die Rolle des Systemintegrators betonen möchte, statt sich auf einzelne Hardwaremodule beschränken zu lassen.

In der Pressemitteilung wird der Anspruch auch sprachlich hoch gehängt, eine Einordnung bleibt dennoch notwendig. Denn in der Elektronik gilt: Integration spart zwar Platz, kann aber Fehlersuche und Reparaturen erschweren, wenn Komponenten nicht mehr getrennt zugänglich sind. Hier verweisen die Unternehmen auf Diagnosefähigkeit und Softwarelogik, die Fehler in Echtzeit erkennen und die Reaktion darauf steuern soll. Joachim Ziethen wird mit den Worten zitiert: „Unsere hochintegrierte Produktlösung iConF ist ein Meilenstein in der Entwicklung moderner Fahrzeugelektronik.“ Die Branche dürfte solche Sätze zunächst als Erwartungsmanagement lesen und erst dann ernst nehmen, wenn die Lösung in Serie unter Beweis stellt, dass sie nicht nur elegant konstruiert, sondern auch langlebig und skalierbar ist.

Technisch geht es um ein unspektakuläres Bauteil mit großer Hebelwirkung

Wer iConF verstehen will, muss bei der Stromabsicherung beginnen. Während herkömmliche Sicherungen bei Überlast auslösen und meist ersetzt werden müssen, sollen elektronische Varianten reversibel arbeiten und damit wartungsfrei sein. Das ist für Hersteller attraktiv, weil Bauteile nicht mehr frei zugänglich platziert werden müssen, was neue Packaging-Konzepte erlaubt und Konstruktion vereinfacht. In diesem Zusammenhang nennt FORVIA HELLA eine mögliche Entlastung bei Gewicht und Leitungslängen, weil sich der Aufbau des Bordnetzes ändern kann. Die Rede ist von einer möglichen Entlastung um bis zu 25 Prozent beim Kabelbaum, was in der Praxis nicht nur Effizienz verspricht, sondern auch Reichweite bei elektrifizierten Fahrzeugen indirekt beeinflussen kann.

Entscheidend ist allerdings, wie gut die Steuerung im Fehlerfall reagiert. iConF soll die Stromflüsse überwachen und bei Störungen so eingreifen, dass sicherheitskritische Funktionen weiter verfügbar bleiben. Dafür fällt in der Mitteilung der Begriff Fail operational, der im Kern bedeutet, dass das System auch bei Teilproblemen handlungsfähig bleibt. Dass eine Sicherungslösung in diese Sicherheitslogik hineinragt, zeigt, wie stark sich Bordnetze von einer reinen Versorgungsinfrastruktur zu einem aktiven Steuerungssystem entwickeln. Damit wird Fahrzeug-Bordnetz Steuerung zu einem Feld, in dem Zulieferer sich neu positionieren, weil nicht mehr nur Leistung zählt, sondern auch Daten und Softwareverhalten.

Der angekündigte Serienanlauf 2028 ist ein Test für Skalierung und Glaubwürdigkeit

Ein großvolumiger Auftrag eines nicht genannten Premiumherstellers soll den Ausschlag geben, iConF in Serie zu bringen. Der Zeitplan ist ambitioniert, aber nicht untypisch, weil Architekturentscheidungen oft Jahre vor dem SOP fallen und dann lange stabil bleiben müssen. Genannt wird als Einsatzumfeld der Zone Controller, also Steuergeräte, die Funktionen einer Fahrzeugzone bündeln und Leitungswege verkürzen sollen. In diesem Aufbau wäre iConF nicht Beiwerk, sondern ein zentraler Schalter und Wächter des Stromnetzes, der sowohl die Verteilung als auch die Diagnose unterstützt. Damit ist E/E-Architekturen Serienstart 2028 mehr als eine Datumsmarke, sondern ein Hinweis auf die nächste Plattformgeneration, in die sich Zulieferer früh hineindrängen wollen.

Für den Wettbewerb ist interessant, dass Musterchips bereits verfügbar sein sollen, weil das Entwicklungsfenster in der Autoindustrie eng ist und sich die Lieferfähigkeit früh abzeichnet. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark die Lösung standardisiert werden kann und ob sie über den ersten Kunden hinaus breiter eingesetzt wird. Dass Software und Hardware entkoppelt werden sollen, ist in der Logik softwaredefinierter Fahrzeuge konsequent, weil Funktionen dann später per Update verändert werden können. In der Mitteilung ist von Over-the-Air-Updates die Rede, was vor allem als Versprechen an Hersteller verstanden werden kann, Plattformen länger aktuell zu halten, ohne die Hardware neu auszulegen. Ob FORVIA HELLA iConF dieses Versprechen einlöst, entscheidet sich spätestens dann, wenn der Serienanlauf tatsächlich erreicht wird und die Lösung im Feld zeigt, dass sie Komplexität reduziert, statt sie nur zu verlagern.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von  HELLA, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

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