Frankfurt Airport startet vertikale Solarstrom-Anlage

Am Flughafen Frankfurt ist eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb gegangen, die in dieser Form eher an einen Zaun als an ein Solardach erinnert. Fraport verbindet das Projekt mit der eigenen Klimastrategie – und mit der Frage, wie sich energieintensive Infrastruktur in Hessen künftig verlässlicher und sauberer versorgen lässt.

Fraport hat entlang der Startbahn West eine neue Anlage installiert, die sich optisch und technisch von klassischen Solarparks unterscheidet: 37.000 senkrecht montierte Module ziehen sich nach Angaben des Unternehmens über rund 2.800 Meter. Die Spitzenleistung beziffert der Betreiber auf 17,4 Megawatt, die Jahresproduktion auf bis zu 17,4 Millionen Kilowattstunden – Strom, der vor allem in die Terminalklimatisierung fließen und zudem die wachsende E-Fahrzeugflotte am Standort versorgen soll. Mit dem Fokus auf interne Abnehmer wird deutlich: Es geht nicht um Einspeise-Romantik, sondern um die Stabilisierung eines großen Eigenverbrauchers.

Für die Startbahn West Photovoltaik ist die Bauform selbst Teil der Botschaft. Statt Flächen zu versiegeln oder Dächer allein auszureizen, nutzt Fraport einen Streifen Infrastruktur, der ohnehin existiert. Senkrecht montierte Solarmodule gelten bislang eher als Nischenlösung – etwa dort, wo Platz knapp ist oder wo ein Zaun ohnehin benötigt wird. Dass ein international vernetzter Flughafenbetreiber diese Variante großflächig einsetzt, dürfte auch deshalb Aufmerksamkeit erzeugen, weil sich an Airports vieles nicht beliebig gestalten lässt: Sicherheit, Betrieb und Genehmigungen setzen enge Grenzen, gerade im Umfeld von Start- und Landebahnen.

Der Photovoltaik-Zaun ist mehr als ein Symbolprojekt, bleibt aber nur ein Baustein

Fraport ordnet die Anlage als Schritt auf dem Weg zu einem treibhausgasneutralen Betrieb ein und verweist auf ein Zieljahr, das in vielen Unternehmensstrategien inzwischen als Fixpunkt gilt. Vorstandschef Stefan Schulte formuliert es so: „Bis spätestens 2045 wird Fraport den Flughafen Frankfurt im Status Net Zero, also treibhausgasneutral und CO2-frei betreiben.“ Die neue Anlage passt in diese Logik, weil sie die Abhängigkeit von externem Strombezug zumindest teilweise reduziert – und weil Solarstrom dort erzeugt wird, wo er gebraucht wird: in einem Betrieb, der rund um die Uhr Energie für Gebäude, Logistik und Mobilität benötigt.

Gleichzeitig bleibt die Größenordnung einzuordnen. 17,4 Millionen Kilowattstunden pro Jahr sind in absoluten Zahlen viel, bei einem Großflughafen mit energieintensiver Infrastruktur aber voraussichtlich nur ein Teil des Gesamtbedarfs – wie groß dieser Anteil ist, lässt Fraport in der Mitteilung offen. Umso wichtiger wird der zweite Pfeiler der Strategie, den das Unternehmen ebenfalls hervorhebt: ein Power Purchase Agreement ab Mitte 2026, das langfristig erneuerbaren Strom sichern soll. Genannt wird ein 2021 vereinbarter Leistungsumfang von 85 Megawatt sowie der Vertragspartner EnBW; damit solle der Bedarf der Konzerngesellschaften am Standort künftig vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. In der Summe entsteht ein Bild, das über das einzelne Bauwerk hinausweist: Eigenerzeugung soll Lastspitzen abfedern, während vertraglich gesicherter Grünstrom die Grundversorgung stabilisiert.

Die Ost-West-Ausrichtung soll die Solarproduktion über den Tag strecken

Die technische Idee hinter dem Projekt ist leichter verständlich, wenn man zwischen „Leistung“ und „Ertrag“ unterscheidet: Die Spitzenleistung (Megawatt) beschreibt, was unter Idealbedingungen kurzfristig möglich ist; die Jahresproduktion (Kilowattstunden) sagt, wie viel Energie am Ende tatsächlich zusammenkommt. Entscheidend ist am Flughafen jedoch nicht nur die Menge, sondern auch der zeitliche Verlauf. Fraport argumentiert, dass die Zaunanlage in Ost-West-Richtung morgens und nachmittags besonders gut Sonnenlicht einfange – also zu Zeiten, in denen klassisch geneigte Dach- oder Freiflächenanlagen häufig weniger liefern als zur Mittagszeit.

Damit entsteht ein Kombinationsansatz, der betriebswirtschaftlich naheliegt: Konventionelle Dachanlagen liefern ihre höchsten Werte oft um die Mittagsstunden, die vertikalen Module sollen den Rand des Tages besser abdecken. Fraport verweist in diesem Zusammenhang auch auf weitere Photovoltaikflächen, etwa auf Dachbereichen sowie am neuen Terminal 3, dessen Gebäude und Parkhaus ebenfalls mit PV ausgestattet werden sollen. Für den Flughafen Frankfurt Solarstrom ist das nicht nur Technikfolklore, sondern ein Versuch, das tägliche Lastprofil eines Dauerbetriebs näher an die eigene Erzeugung zu bringen – was im Idealfall Kostenrisiken senkt und den Bedarf an Netzstrom in Zeiten hoher Preise reduziert.

Hessens Anteilseignerrolle macht Klimaprojekte am Flughafen auch politisch

Dass zur Inbetriebnahme der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweh Mansoori mit Schulte gemeinsam auftrat, zeigt: Die Anlage ist auch ein politisches Signal. Mansoori würdigte den Flughafen als wichtigen Arbeitgeber und stellte die Inbetriebnahme als Beitrag zu Innovation und Fortschritt in Hessen dar; das Land Hessen steht als Hauptanteilseigner hinter der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. In der Hessen Flughafen Energiewende wird der Airport damit zugleich zum Schauplatz industriepolitischer Erwartungen: Klimaschutz soll hier nicht als Zusatzaufgabe erscheinen, sondern als Modernisierung einer kritischen Infrastruktur.

Bemerkenswert ist zudem der ökologische und betriebliche Unterbau, den Fraport für die neue Bauform anführt. Das Unternehmen berichtet, es habe die Technologie 2022 in einer Demonstrationsanlage getestet und dabei Wartung sowie Grünflächenpflege erprobt; die Pflege solle weiterhin aus eigener Hand erfolgen. Beim Ausbau ab Frühjahr 2024 seien Bauintervalle an die Brut- und Setzzeit angepasst worden, um die Biodiversität in den Grünflächen zu berücksichtigen. Der senkrechte Aufbau habe außerdem den Vorteil, dass Vegetation unter den Modulen weiter gedeihen könne, weil Licht und Niederschläge nicht in gleichem Maß abgeschirmt würden wie bei flach liegenden Anlagen. Schulte fasst den möglichen Transfer so zusammen: „Diese Vorteile machen die PV-Zäune nicht nur für unseren Flughafen, sondern auch für den öffentlichen Raum attraktiv“. Ob daraus ein breiter Standard wird, hängt allerdings weniger vom guten Willen ab als von Genehmigungen, Flächenkonflikten und der Frage, ob Betreiber solche Nischenlösungen in ihre Beschaffung und Wartung integrieren können.

Schreibe einen Kommentar