Der Flughafen Frankfurt hat 2025 wieder mehr Reisende gezählt, bleibt aber deutlich unter dem Rekordniveau von 2019. Während der Heimatstandort nur langsam aufholt, wächst das internationale Fraport-Portfolio deutlich stärker. Damit wird das Auslandsgeschäft für den Konzern strategisch immer wichtiger.
Frankfurt kam nach Unternehmensangaben auf 63,2 Millionen Passagiere, 2,6 Prozent mehr als 2024. Vor der Pandemie waren es fast 70,6 Millionen. Konzernweit stieg das Aufkommen dagegen um 5,3 Prozent auf 183,7 Millionen Reisende. Die Zahlen zeigen eine zweigeteilte Entwicklung: Das deutsche Drehkreuz stabilisiert sich, die stärkeren Wachstumsimpulse entstehen jedoch in Märkten wie Peru, Griechenland oder der Türkei.
Frankfurts Netzwerk bleibt stark, doch Kapazität wandert in dynamischere Märkte
Fraport verweist auf 94 Fluggesellschaften und 301 Ziele in 96 Ländern. Diese Breite macht Frankfurt weiterhin zu einem wichtigen europäischen Umsteigeflughafen. Eine hohe Konnektivität bedeutet, dass sich viele Flüge mit kurzen Übergangszeiten kombinieren lassen. Davon profitieren vor allem Langstrecken, die zusätzlich mit Passagieren aus dem europäischen Zubringernetz gefüllt werden.
Der Netzvorteil führt aber nicht automatisch zu schnellerem Wachstum. Airlines verteilen knappe Flugzeuge und Personal dorthin, wo sich Kapazitäten wirtschaftlich am besten einsetzen lassen. Gebühren, Steuern, operative Engpässe und regulatorische Vorgaben beeinflussen deshalb, ob neue Verbindungen in Deutschland oder an konkurrierenden Standorten aufgebaut werden.
Fraport nutzt die Verkehrsbilanz entsprechend auch für die Standortdebatte. Der Konzern begrüßt politische Entlastungen, hält sie aber offenbar nicht für ausreichend, um die Lücke zu anderen europäischen Märkten rasch zu schließen. Damit bleibt Frankfurt zwar ein zentraler Hub, muss im Wettbewerb um neue Frequenzen und Strecken jedoch stärker um Investitionen der Fluggesellschaften kämpfen.
Europaverkehr wächst schneller als die Fernstrecke
Die stärksten Impulse kamen 2025 aus dem Europaverkehr, der um 3,7 Prozent zulegte. Besonders gefragt waren Ziele in Süd- und Südosteuropa. Das passt zu einer Nachfrage, die stärker von Urlaubs- und Besuchsreisen geprägt ist, während sich Geschäftsreisen in Teilen dauerhaft unter dem früheren Niveau bewegen.
Auf interkontinentalen Strecken lag das Wachstum nur bei 0,6 Prozent. Einzelne Märkte entwickelten sich deutlich besser, darunter Thailand. Auch wiederaufgenommene Verbindungen nach Israel und in den Libanon beeinflussten das Angebot. Für den Flughafenbetrieb entsteht daraus ein uneinheitliches Bild, weil Wachstum nicht breit über alle Regionen verteilt ist, sondern von einzelnen Zielen und politischen Entwicklungen abhängt.
Für Frankfurt ist die Fernstrecke dennoch von hoher Bedeutung. Langstrecken bringen Umsteiger ins Netz, stärken die internationale Erreichbarkeit des Standorts und tragen über Gebühren sowie zusätzliche Dienstleistungen zum Ergebnis bei. Der geringe Zuwachs zeigt allerdings, dass der große Wachstumsschub bislang ausbleibt.
Mehr Flugbewegungen und Fracht zeigen operative Erholung
Die Zahl der Starts und Landungen stieg um 4,4 Prozent auf 460.272. Damit wuchsen die Flugbewegungen stärker als das Passagieraufkommen. Das kann auf zusätzliche Frequenzen, den Wiederaufbau einzelner Verbindungen oder kleinere Flugzeuge auf bestimmten Strecken hindeuten. Für den Betrieb ist es ein Signal zunehmender Aktivität, aber noch kein Beleg für eine neue Rekordphase.
Das Cargo-Volumen erhöhte sich um 1,1 Prozent auf rund 2,1 Millionen Tonnen. Luftfracht ist für Frankfurt wichtig, weil sie den Flughafen weniger abhängig vom Passagiergeschäft macht und auf kurzfristige Veränderungen globaler Lieferketten reagiert. Besonders der Verkehr mit China soll 2025 zugelegt haben, während das Geschäft mit den USA schwächer ausfiel.
Im Dezember registrierte Frankfurt 4,8 Millionen Reisende und 173.610 Tonnen Fracht. Das stärkere Jahresende deutet auf eine Belebung hin, die sich jedoch erst 2026 bestätigen muss. Für Airlines und Frachtkunden bleibt entscheidend, ob sich die Nachfrage stabil genug entwickelt, um zusätzliche Kapazitäten dauerhaft zu rechtfertigen.
Das internationale Portfolio wird zum Wachstumsmotor
Deutlich dynamischer entwickelten sich mehrere Auslandsstandorte. Lima erreichte mit rund 25,5 Millionen Passagieren einen neuen Höchstwert. Die 14 griechischen Regionalflughäfen kamen auf etwa 37,1 Millionen Reisende, Antalya auf rund 39 Millionen. Auch Brasilien erholte sich nach den Belastungen des Vorjahres, während Ljubljana und die bulgarischen Twin Star-Airports kräftig zulegten.
Für Fraport ist diese regionale Streuung ein strategischer Vorteil. Tourismus, Konjunktur und politische Risiken verlaufen in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Schwächen an einem Standort können dadurch teilweise durch Wachstum an anderen Flughäfen ausgeglichen werden. Gleichzeitig folgen Investitionen zunehmend den Märkten, in denen neue Kapazitäten schneller ausgelastet werden können.
Erweiterungen in Lima und Antalya sollen weiteres Wachstum ermöglichen. Dadurch verschiebt sich das Konzernprofil: Frankfurt bleibt das zentrale Drehkreuz und Aushängeschild, doch ein wachsender Teil der Dynamik entsteht außerhalb Deutschlands. Das Auslandsgeschäft liefert damit nicht nur zusätzliche Passagiere, sondern erhöht auch die Bedeutung internationaler Regulierung, lokaler Partner und regionaler Infrastrukturplanung.
2026 wird zum Test für den deutschen Luftverkehrsstandort
Fraport-Chef Stefan Schulte erklärte, der deutsche Markt liege bei der Erholung des Luftverkehrs weiterhin auf den hinteren Plätzen Europas. Hinter dieser Aussage steht die Forderung nach verlässlicheren Rahmenbedingungen und geringeren Standortkosten. Für den Konzern geht es darum, ob Frankfurt seine starke Vernetzung wieder stärker in Passagierwachstum übersetzen kann.
Die Bilanz 2025 ist deshalb weder Krisensignal noch Befreiungsschlag. Frankfurt gewinnt Reisende zurück, bleibt aber klar unter dem Vorkrisenrekord. Das internationale Portfolio wächst schneller und wird zum strategischen Gegengewicht. Entscheidend wird sein, ob sich die Langstrecke belebt, zusätzliche Flugzeuge nach Deutschland kommen und die operative Erholung in eine nachhaltige Wachstumsphase übergeht.


