Fresenius treibt den Ausbau seiner (Bio)Pharma-Aktivitäten voran und setzt dabei stärker auf datenbasierte Produktionsmethoden. Eine Kooperation der Fresenius-Tochter mAbxience mit HP soll helfen, Herstellprozesse für biologische Arzneimittel besser zu überwachen und effizienter zu steuern. Die Fresenius KI Partnerschaft ist damit weniger ein Schaufensterprojekt als ein Versuch, den industriellen Alltag in einer sensiblen Produktionsumgebung zu stabilisieren.
Im Zentrum steht die Idee, Produktionsschritte virtuell abzubilden, bevor Anpassungen in der realen Anlage erfolgen. Die biotechnologische Produktion Spanien gilt gerade bei komplexen Wirkstoffen als anspruchsvoll, weil kleinste Abweichungen messbare Folgen für Qualität und Ausbeute haben können. Dass Fresenius ausgerechnet hier ansetzt, deutet auf eine strategische Priorität hin, nämlich die Kombination aus Skalierung, Kostendisziplin und Qualitätssicherung. Die Fresenius KI Partnerschaft fügt sich in dieses Bild ein, weil KI-gestützte Modelle vor allem dort Mehrwert liefern, wo Prozesse viele Variablen haben und Entscheidungen bisher stark von Erfahrung und manueller Kontrolle abhängen.
Digitale Zwillinge sollen die Prozesskontrolle in einer heiklen Produktion vorverlagern
mAbxience und HP planen nach eigenen Angaben eine Lösung, die KI mit einem sogenannten digitalen Zwilling verbindet. Ein solcher Digital Twin ist vereinfacht gesagt ein digitales Abbild der Produktionsumgebung, das mit realen Daten gefüttert wird und virtuelle Tests ermöglicht. Für Entwicklungsteams kann das bedeuten, dass Prozessmodellierung und Risikoprüfung früher stattfinden und weniger Änderungen erst während der laufenden Fertigung sichtbar werden. In der Praxis entscheidet allerdings die Güte der Produktionsdaten darüber, ob ein Modell belastbar ist oder nur plausible Kurven liefert.
Das Projekt soll sich auf die Produktion von monoklonale Antikörper und Biosimilars beziehen. Biosimilars sind Nachfolgeprodukte biologischer Originalpräparate, deren Herstellung nicht einfach kopiert werden kann, weil biotechnologische Verfahren stark von Zellkulturen und Prozessführung abhängen. In diesem Kontext könnte der Ansatz mAbxience Digital Twin helfen, Szenarien schneller zu bewerten, etwa bei Rohstoffschwankungen oder Anpassungen im Scale-up. Ob daraus kurzfristig messbare Ressourceneffizienz entsteht, bleibt eine offene Frage, weil regulatorische Validierung und Dokumentationspflichten auch digitale Verbesserungen oft langsamer machen, als es die Softwarewelt gewohnt ist.
Der Standort León wird zum Testfeld für Industriepolitik und Lieferkettenstabilität
Gestartet wird am Produktionsstandort in León, der nach Darstellung der Partner auch Ausgangspunkt für eine mögliche Ausweitung sein kann. Damit bekommt die Biosimilar Herstellung León eine Signalwirkung, weil europäische Standorte in den vergangenen Jahren wieder stärker unter dem Blickwinkel von Versorgungssicherheit und Lieferkette betrachtet werden. Wenn sich Prozesse zuverlässiger planen lassen, kann das die Produktionsauslastung erhöhen und im besten Fall Engpässe reduzieren, auch wenn solche Effekte in der Biotechnologie selten sofort sichtbar werden. Die biotechnologische Produktion Spanien könnte so zu einem Gradmesser werden, wie weit sich digitale Steuerung in einem strikt regulierten Umfeld tatsächlich durchsetzen lässt.
Für Fresenius passt das Vorhaben zudem zur eigenen Positionierung in Spanien. Der Konzern verweist auf Quirónsalud als starken Pfeiler im Klinikgeschäft und auf Fresenius Kabi als Anbieter essenzieller Arzneimittel und Technologien. Die operative Logik dahinter ist klar: Wer Versorgung und Produktion enger denkt, hat mehr Spielraum bei Qualität, Kosten und Verfügbarkeit. Die Fresenius KI Partnerschaft und der mAbxience Digital Twin sind damit auch ein Versuch, die industrielle Seite der (Bio)Pharma-Plattform so zu modernisieren, dass sie im Wettbewerb nicht nur über Preis, sondern über Planbarkeit und Robustheit bestehen kann.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Fresenius, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


