DEICHMANN will seine Bestell- und Bestandsprozesse über Ländergrenzen und Verkaufskanäle hinweg stärker vereinheitlichen und setzt dafür auf fulfillmenttools. Im Kern geht es um die Frage, wie ein Händler in einem zunehmend verzahnten Geschäft verlässliche Verfügbarkeiten und Lieferzeiten abbildet, ohne dass Lager, Filialen, Online-Shop und Marktplätze gegeneinander arbeiten.
DEICHMANN ordnet seine IT-Landschaft im Handel weiter neu und ergänzt sie nach eigenen Angaben um eine Plattform, die Bestände und Aufträge netzwerkweit zusammenführt. Das fulfillmenttools Order Management soll künftig Daten und Prozesse aus Online-Shops, Filialen und Marktplätzen bündeln und damit die Grundlage schaffen, Bestellungen je nach Verfügbarkeit effizient zuzuweisen. Der Schritt ist weniger spektakulär als strategisch, denn im DEICHMANN Omnichannel Handel entscheidet oft nicht das Frontend, sondern die dahinterliegende Logik über das Lieferversprechen.
Aus Sicht des Unternehmens soll die Lösung schneller auf neue Kanäle und Funktionen reagieren können, ohne jedes Mal tief in die bestehende Systemlandschaft eingreifen zu müssen. DEICHMANN-CIO Severin Canisius formuliert die Erwartung so: „Wir brauchen eine Plattform, die unsere Bestandsverwaltung vereinheitlicht und uns ermöglicht, Kund:innen jederzeit verlässliche Informationen zu Lieferzeiten und Verfügbarkeiten zu bieten.“ Damit wird die globale Bestandssteuerung Europa zu einem zentralen Hebel, gerade weil Filialnetze im Schuhhandel zugleich Verkaufsfläche, Rückgabeort und potenzieller Versandstandort sind.
Omnichannel wird zur Pflicht und Software entscheidet über Lieferversprechen
Händler in Europa geraten seit Jahren unter Druck, weil Kundinnen und Kunden Verfügbarkeit in Echtzeit, flexible Zustelloptionen und einfache Retouren als Standard betrachten. Was früher eine organisatorische Herausforderung war, wird heute zu einer Softwarefrage: Nur wer Bestände kanalübergreifend kennt und Aufträge sauber verteilt, kann Lieferzeitprognosen belastbar kommunizieren. Genau hier setzt eine Order Routing Plattform an, indem sie Bestellungen nicht starr einem Lager zuordnet, sondern je nach Bestand und Standort dynamisch entscheidet.
Für DEICHMANN ist das auch eine Antwort auf strukturelle Verschiebungen im Wettbewerb. Marktplätze erhöhen die Preistransparenz, gleichzeitig erwarten viele Käufer, dass Click and Collect, Filiallieferung oder schnelle Zustellung parallel verfügbar sind. Das erfordert eine durchgängige Auftragsorchestrierung, die Konflikte zwischen Online-Nachfrage und Filialbedarf auflöst. In dieser Logik ist fulfillmenttools Order Management kein Zusatzmodul, sondern eine Schicht, die das operative Geschäft miteinander versöhnt.
Order Management verschiebt Macht in der Lieferkette und senkt Bestandsrisiken
Fulfillmenttools stellt in Aussicht, dass DEICHMANN künftig eine vollständigere Sicht auf Bestände und Bestellungen erhält und damit Überhänge und Fehlbestände reduzieren kann. Für Laien lässt sich das vereinfacht so erklären: Wenn ein Produkt im Ladenregal liegt, ist es aus Kundensicht trotzdem „nicht verfügbar“, wenn der Online-Shop diesen Bestand nicht kennt oder ihn nicht sinnvoll nutzen darf. Umgekehrt führt mangelnde Transparenz zu Overstock, also Ware am falschen Ort, und zu Out-of-Stock, also leeren Regalen dort, wo Nachfrage entsteht.
Die Plattform soll Bestellungen automatisch dem Standort zuweisen, der sie am sinnvollsten bedienen kann, etwa dem nächstgelegenen Lager oder einer passenden Filiale. Das verspricht Effizienzgewinne, hat aber auch eine zweite Ebene: Wer die Zuteilung beherrscht, steuert die Warenflüsse im Filialnetz und kann Prioritäten setzen, etwa beim Abverkauf saisonaler Ware. Für den DEICHMANN Omnichannel Handel bedeutet das, dass operative Entscheidungen stärker datengetrieben werden, statt von historischen Zuständigkeiten einzelner Kanäle geprägt zu sein.
Die Zusammenarbeit ist ein Signal für SaaS aus dem Handel, aber nicht ohne Integrationsrisiken
Für fulfillmenttools ist der Zuschlag bei einem großen europäischen Händler vor allem ein Referenzfall im Wettbewerb um Handelssoftware. Managing Director Udo Rauch sagt: „Wir sind stolz darauf, mit DEICHMANN einen der führenden europäischen Händler bei der Transformation seiner Fulfillment-Prozesse zu unterstützen.“ Das Unternehmen positioniert sich als SaaS-Plattform und verweist auf moderne MACH-Technologie, also eine Architektur, die modular aufgebaut ist und sich leichter anpassen lässt als monolithische Altsysteme. Zusätzlich betont fulfillmenttools seine Herkunft aus einem Handelsumfeld, das laut eigener Darstellung jahrzehntelange Retail-Erfahrung einbringe.
Gleichzeitig ist die eigentliche Bewährungsprobe selten die Funktionsliste, sondern die Systemintegration in gewachsene IT-Landschaften. Wenn Händler auf Standardkomponenten setzen und darüber eine zentrale Schicht legen, müssen Datenqualität, Prozessdisziplin und Verantwortlichkeiten im Alltag funktionieren, sonst wird aus Transparenz schnell ein neues Streitfeld. Langfristig kann die globale Bestandssteuerung Europa zwar die Resilienz von Lieferketten erhöhen und Wachstum über neue Kanäle erleichtern, sie erhöht aber auch die Abhängigkeit von stabilen Schnittstellen und einem Anbieter, der das Tempo der Weiterentwicklung mitgeht.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von REWE Group, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


