GEA meldet neue Betriebsergebnisse für seinen Pre2Fuel-Prozess in einer Anlage des Betreibers Bremfield in Klang, Malaysia. Dort würden gebrauchte Speiseöle und Reststoffe aus Palmölmühlen für die spätere Herstellung von Biokraftstoffen aufbereitet. Nach Darstellung des Unternehmens deute vieles darauf hin, dass sich die Vorbehandlung solcher Rohstoffe wirtschaftlicher und zugleich ressourcenschonender organisieren lasse als mit herkömmlichen Verfahren.
In der Biokraftstoffbranche ist genau dieser Schritt von wachsender Bedeutung. Je stärker Hersteller auf problematische Reststoffe statt auf einfache, saubere Ausgangsmaterialien setzten, desto wichtiger werde eine verlässliche Reinigung vor den nachgelagerten Prozessen. GEA Pre2Fuel ziele auf diesen Engpass und positioniere sich damit in einem Markt, in dem HVO SAF Rohstoffe und deren industrielle Verarbeitung zunehmend strategisch werden.
Nach Angaben von GEA erreiche die Anlage in Malaysia bei der Reinigung der Rohstoffe Werte, die die geforderten Grenzwerte für Phosphor und Metalle nicht nur einhalten, sondern teils deutlich unterschreiten würden. Das sei relevant, weil Verunreinigungen in späteren Hydrierprozessen Katalysatoren belasten und damit Kosten, Wartungsaufwand und Ausfallrisiken erhöhen könnten. Für Betreiber von Anlagen, die aus Used Cooking Oil und POME marktfähige Kraftstoffkomponenten herstellen wollen, ist die Qualität der Vorbehandlung daher kein Nebenthema, sondern eine zentrale Voraussetzung für stabile Produktion.
Hinzu komme eine Produktausbeute von 99,6 Prozent, die GEA als Beleg für die industrielle Reife von GEA Pre2Fuel wertet. Für den Markt für Biokraftstoff Vorbehandlung ist das vor allem deshalb bemerkenswert, weil hohe Reinheit oft mit Verlusten im Prozess erkauft wird. Wenn sich hohe Qualität und hohe Ausbeute tatsächlich dauerhaft verbinden lassen, hätte das direkte Folgen für die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen.
Der Verzicht auf Bleicherde könnte die Kostenstruktur ganzer Anlagen verschieben
Besonders stark hebt GEA hervor, dass der Prozess ohne Bleicherde auskomme. In klassischen Verfahren werde dieses Material genutzt, um Metalle, Phosphor und andere Verunreinigungen zu entfernen. Fällt dieser Schritt weg, sinkt nicht nur der Materialverbrauch. Auch Lagerung, Handhabung, Entsorgung und die dazugehörige Infrastruktur würden einfacher, was sich unmittelbar auf Betriebskosten und Betriebsabläufe auswirken könne.
Gerade für Anlagenbetreiber ist das mehr als eine technische Randnotiz. Bleicherde ist mit zusätzlichem Aufwand, Staubentwicklung und Sicherheitsanforderungen verbunden. GEA argumentiert, dass der Wegfall dieses Hilfsmittels die Arbeitsbedingungen verbessere und zugleich Scope-3-Emissionen reduziere, weil Herstellung, Transport und Entsorgung des Materials entfielen. Damit bekommt GEA Pre2Fuel eine strategische Dimension, die über den reinen Anlagenbetrieb hinausreicht und auch unter ESG- und Dekarbonisierungsgesichtspunkten interessant ist.
Die Anlage in Malaysia zeigt, warum Reststoffe für HVO und SAF an Bedeutung gewinnen
Der Standort in Malaysia ist kein Zufall. Das Land ist eng mit globalen Palmöl- und Biokraftstoffströmen verbunden, zugleich fallen dort große Mengen an Neben- und Reststoffen an, die sich für die Weiterverarbeitung eignen. Wenn eine Malaysia Biokraftstoffanlage nachweist, dass sich komplexe Rohstoffe wie Used Cooking Oil und POME zuverlässig aufbereiten lassen, ist das auch ein Signal an andere Betreiber in Asien und darüber hinaus.
Für HVO SAF Rohstoffe ist das deshalb wichtig, weil der Markt zunehmend nach Alternativen zu klassischen Pflanzenölen sucht. Reststoffe gelten politisch und wirtschaftlich als attraktiver, weil sie die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion verringern und in regulatorischen Systemen oft günstiger bewertet werden. Allerdings sind diese Stoffe schwieriger zu verarbeiten. Genau hier versucht GEA Pre2Fuel anzusetzen, indem das Unternehmen die Vorbehandlung als Hebel für eine robustere Lieferkette in der Biokraftstoffindustrie beschreibt.
Der angebliche Gamechanger liegt weniger im Image als in der Prozesslogik
Der Betreiber Bremfield beschreibt die Umstellung auf das neue Verfahren in ungewöhnlich deutlichen Worten. Loh Chee Fei, Executive Vice President – Technical, Mewah-Oils / Bremfield Sdn Bhd, wird mit dem Satz zitiert: „Die Umstellung auf das Pre2Fuel-Verfahren von GEA war für unsere Anlage ein echter Gamechanger.“ Hinter dieser Formulierung steht vor allem eine nüchterne betriebliche Logik. Wenn bessere Produktqualität, geringerer Materialeinsatz und niedrigere operative Kosten zusammenkommen, verändert das die Rechnung der gesamten Anlage.
Auch GEA selbst versucht, diese Ergebnisse in einen größeren industriellen Zusammenhang zu stellen. Dass der Prozess Anfang 2025 mit dem unternehmenseigenen Ökolabel „Add Better“ ausgezeichnet wurde, ist aus journalistischer Sicht zwar zunächst eine interne Bewertung. Interessanter ist, dass das Unternehmen seine Technologie damit klar als Antwort auf zwei gleichzeitige Anforderungen positioniert: mehr Effizienz in der Produktion und weniger Belastung entlang der Lieferkette. Sollte sich das im Dauerbetrieb bestätigen, könnte GEA Pre2Fuel im Feld der Biokraftstoff Vorbehandlung tatsächlich an Gewicht gewinnen, gerade dort, wo schwierige Reststoffe künftig eine größere Rolle spielen.


