GEA Siemens machen die Getränkeproduktion zur Datenfrage

GEA und Siemens wollen auf der Hannover Messe zeigen, wie sich moderne Getränkeprozesse stärker vernetzen, überwachen und digital steuern lassen. Im Mittelpunkt steht eine virtuell dargestellte Produktionslinie, die den Weg vom Rohstoff bis zur Einbindung der Abfüllung nachvollziehbar machen soll. Für die Branche ist das mehr als eine technische Demonstration, weil sich die Anforderungen an Getränkehersteller durch neue Produkte, kleinere Chargen und steigende Effizienzvorgaben deutlich verändern.

Die GEA Siemens Kooperation stellt die digitale Getränkeproduktion nicht als einzelne Innovation dar, sondern als Zusammenspiel aus Maschinen, Datenplattformen und Automatisierung. Die gezeigte Prozesslinie soll verdeutlichen, wie Anlagen miteinander kommunizieren, Betriebsdaten auswerten und daraus Hinweise für eine stabilere Produktion ableiten können. Besonders relevant ist das bei Getränken, deren Herstellung mehr Prozesskontrolle verlangt als klassische Standardprodukte.

Als Beispiele nennt die Mitteilung Cold Brew Coffee sowie funktionale und proteinangereicherte Getränke. Solche Produkte stellen Hersteller vor die Aufgabe, empfindliche Inhaltsstoffe zu verarbeiten, gleichbleibende Qualität zu sichern und dennoch wirtschaftlich zu produzieren. Die digitale Getränkeproduktion soll dabei helfen, Abweichungen früher zu erkennen und Produktionsschritte besser aufeinander abzustimmen. Für die Automatisierung Getränkeindustrie geht es damit nicht allein um mehr Technik, sondern um die Frage, wie flexibel Anlagen auf neue Marktanforderungen reagieren können.

Cloud und KI machen Maschinenzustände für Betreiber besser bewertbar

Ein zentrales Beispiel ist der Getränkeseparator GEA GSX 260, den das Unternehmen als kompakte Skid-Lösung präsentiert. Separatoren trennen Bestandteile in Flüssigkeiten und spielen deshalb in vielen Getränkeprozessen eine wichtige Rolle, etwa wenn Partikel entfernt oder Produktströme geklärt werden müssen. Der GSX 260 ist laut Mitteilung in die GEA Cloud eingebunden und soll dadurch laufend Daten aus dem Betrieb nutzbar machen.

Für Betreiber liegt der eigentliche Wert solcher Systeme weniger im Sammeln von Daten als in deren verständlicher Auswertung. Über sichere Edge-Gateways sollen Maschinen und Module angebunden werden, während Webanwendungen Leistungswerte, Energieverbrauch und Anlagenzustände sichtbar machen. Funktionen wie Condition Monitoring und Predictive Maintenance können dazu beitragen, Wartung stärker am tatsächlichen Zustand einer Anlage auszurichten. In der Automatisierung Getränkeindustrie ist das wichtig, weil ungeplante Stillstände Liefertermine, Qualität und Kosten unmittelbar beeinflussen.

KI-gestützte Assistenzsysteme wie der GEA InsightPartner sollen zusätzlich Muster erkennen, Prognosen erstellen und Bedienpersonal bei Entscheidungen unterstützen. Damit verschiebt sich die Rolle digitaler Anwendungen von der reinen Dokumentation hin zu einer aktiveren Produktionsbegleitung. Ob solche Systeme im Alltag tatsächlich entlasten, hängt jedoch davon ab, wie verständlich ihre Empfehlungen sind und wie gut sie in bestehende Betriebsabläufe passen. Die digitale Getränkeproduktion wird damit auch zu einer organisatorischen Aufgabe.

Offene Standards entscheiden mit darüber, wie flexibel Anlagen geplant werden können

GEA und Siemens verweisen in ihrer Präsentation auf OPC UA und den MTP-Standard. OPC UA ist ein Kommunikationsstandard, der Maschinen und Software den strukturierten Datenaustausch erleichtert. Der MTP-Standard beschreibt Prozessmodule so, dass sie herstellerübergreifend einfacher in größere Anlagen eingebunden werden können. Für Unternehmen kann das den Aufwand bei Planung, Erweiterung und Inbetriebnahme reduzieren.

Diese Standardisierung ist für Getränkehersteller strategisch relevant. Wer Module schneller kombinieren oder Produktionskapazitäten anpassen kann, reagiert leichter auf neue Rezepturen, veränderte Nachfrage oder zusätzliche Qualitätsvorgaben. Die GEA Siemens Kooperation greift damit einen Trend auf, der weit über einzelne Maschinen hinausgeht. Anlagen sollen künftig nicht nur leistungsfähig sein, sondern auch schneller umbaufähig und besser integrierbar.

Auf der Hannover Messe wird diese Entwicklung besonders sichtbar, weil dort Maschinenbau, Softwareanbieter und Industriepolitik aufeinandertreffen. Offene Standards können Investitionsentscheidungen erleichtern, weil sie die Abhängigkeit von einzelnen technischen Insellösungen verringern. Zugleich bleibt die Umsetzung anspruchsvoll, denn digitale Schnittstellen müssen zuverlässig, sicher und für das Betriebspersonal beherrschbar sein. Die Automatisierung Getränkeindustrie steht deshalb vor der Aufgabe, technologische Offenheit mit industrieller Robustheit zu verbinden.

Virtuelle Tests sollen Entwicklungszeiten verkürzen und Risiken früher sichtbar machen

Neben Cloud und KI spielen digitale Entwicklungswerkzeuge eine wichtige Rolle. Siemens bringt dafür unter anderem SIMIT und das TIA Portal ein. Mit solchen Systemen lassen sich Anlagenkonzepte und Prozessstrategien virtuell testen, bevor sie in der realen Produktion umgesetzt werden. Der digitale Zwilling bildet dabei ausgewählte Eigenschaften einer Anlage oder eines Prozesses digital ab und macht technische Zusammenhänge früher überprüfbar.

Für Hersteller kann diese Vorgehensweise die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen. Fehler, die früher erst beim Aufbau oder im Testbetrieb auffielen, lassen sich im Idealfall bereits in der Planungsphase erkennen. Das ist besonders wichtig, wenn neue Getränkeprodukte schneller eingeführt werden sollen und Produktionslinien zugleich möglichst störungsarm laufen müssen. Die Hannover Messe zeigt damit auch, wie stark sich der klassische Anlagenbau in Richtung softwaregestützter Planung verschiebt.

Langfristig dürfte der Wandel weniger in spektakulären Einzeltechnologien bestehen als in der engeren Verknüpfung von Maschinen, Daten und Entwicklungsprozessen. Die digitale Getränkeproduktion wird für Hersteller dann interessant, wenn sie Transparenz schafft, Energie- und Ressourceneffizienz verbessert und zugleich den Betrieb nicht unnötig komplizierter macht. Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich die GEA Siemens Kooperation: Sie zeigt, dass die Fabrik der Zukunft in der Getränkebranche vor allem aus besser verbundenen, besser erklärbaren und schneller anpassbaren Prozessschritten bestehen dürfte.

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