GEA und CST setzen auf Dekanter für effizientere Zuckerfabriken

Die globale Zuckerindustrie steht unter Druck, aus jeder Tonne Zuckerrohr mehr Ertrag zu gewinnen und zugleich Wasser, Energie und Personal sparsamer einzusetzen. GEA und CST wollen deshalb die Einführung der Dekanter von GEA beschleunigen, die bei der Entwässerung von Zuckerschlamm herkömmliche Filtertechnik ersetzen können.

Die Kooperation verbindet die Zentrifugentechnik des Anlagenbauers mit der Prozesserfahrung des indischen Engineering-Unternehmens Chemical Systems Technologies. Im Mittelpunkt steht die Modernisierung von Zuckerfabriken, insbesondere dort, wo bestehende Anlagen ohne grundlegenden Neubau auf einen kontinuierlichen Prozess umgestellt werden sollen. Für Betreiber ist das vor allem eine Investitionsfrage, denn der wirtschaftliche Nutzen hängt weniger von einem einzelnen Effizienzversprechen als von dauerhaft niedrigeren Zucker-, Wasser- und Wärmeverlusten ab.

Für die Entwässerung von Zuckerschlamm trennen Dekanter in Zuckerfabriken Feststoffe und Flüssigkeit durch hohe Drehzahlen. Der bei der Saftklärung entstehende Schlamm wird kontinuierlich in die Maschine geleitet, das flüssige Zentrat kehrt in den Produktionsprozess zurück, während die entwässerten Feststoffe ausgeschleust werden. Anders als offene Filteranlagen arbeitet das System geschlossen, was Temperaturschwankungen begrenzen und die Prozessautomatisierung erleichtern soll.

Der größte wirtschaftliche Hebel liegt in geringeren Zuckerverlusten

Nach Angaben der Partner sind in indischen Fabriken rund 50 entsprechende Anlagen installiert, die täglich zwischen 3.500 und 18.000 Tonnen Zuckerrohr verarbeiten. Die dort erhobenen Betriebswerte deuteten darauf hin, dass die Technik vor allem durch eine höhere Zuckerrückgewinnung wirtschaftlich interessant sein könnte. Gegenüber Drehvakuumfiltern sollen die Produktverluste um bis zu 60 Prozent, gegenüber Bandpressen um bis zu 25 Prozent sinken.

Als Vergleich nennt die Mitteilung einen durchschnittlichen Zuckerverlust von 0,03 Prozent bezogen auf die verarbeitete Zuckerrohrmenge bei Dekantern und 0,07 Prozent bei Drehvakuumfiltern. Für eine Fabrik mit 10.000 Tonnen Tageskapazität und einer Kampagne von 150 Tagen ergäbe sich daraus rechnerisch ein Mehrertrag von rund 600 Tonnen Zucker. Diese Kalkulation stammt allerdings von den beteiligten Unternehmen und sagt ohne Angaben zu Anschaffungskosten, Wartung und lokalen Zuckerpreisen noch nichts über die tatsächliche Amortisationsdauer aus.

Geschlossene Systeme können Wasser- und Energiebedarf deutlich senken

Die Ressourceneffizienz ist für die globale Zuckerindustrie nicht nur eine Kostenfrage, sondern zunehmend auch eine Voraussetzung für wettbewerbsfähige Produktion. Konventionelle Drehvakuumfilter benötigen laut den vorgelegten Daten Waschwasser in Höhe von rund sechs Prozent der verarbeiteten Zuckerrohrmenge, Bandpressen bis zu acht Prozent. Dekanter in Zuckerfabriken kommen in diesem Arbeitsschritt demnach ohne zusätzliches Waschwasser aus.

Auch beim Wärmehaushalt verspricht die Technik Vorteile. Während offene Filtersysteme einen Temperaturverlust von etwa 20 bis 30 Grad Celsius verursachen sollen, liege er in der geschlossenen Dekanterstufe bei zwei bis fünf Grad. Weil weniger Wasser wieder erhitzt werden muss, könne der zusätzliche Dampfbedarf entfallen, der bei herkömmlichen Verfahren nach Unternehmensangaben etwa ein bis 1,2 Prozent der Zuckerrohrmenge entspricht.

Für bestehende Werke entscheidet die Integration über den Erfolg

Die Modernisierung von Zuckerfabriken ist häufig schwieriger als der Bau neuer Anlagen, weil Platz, Rohrleitungen und Produktionsabläufe bereits festgelegt sind. Dekanter benötigen nach Angaben von GEA und CST ungefähr halb so viel Stellfläche wie vergleichbare konventionelle Systeme. Das kann Retrofit-Projekte erleichtern, beseitigt aber nicht die Notwendigkeit, den gesamten Prozess von der Schlammzufuhr bis zur Reinigung im Betrieb neu abzustimmen.

Die Partnerschaft von GEA und CST zielt deshalb nicht nur auf den Verkauf einzelner Maschinen, sondern auf Planung, Inbetriebnahme und laufende Optimierung. CST soll vor allem Kenntnisse über schwankende Faseranteile und Schlammeigenschaften einbringen, die sich während einer Zuckerkampagne verändern können. Die Dekanter von GEA bilden den technischen Kern, während der Anlagenbauer seinen internationalen Marktzugang einbringt und das Angebot damit auch außerhalb Indiens ausrollen will.

Die Kooperation verschärft den Wettbewerb um effizientere Verfahren

Für die Anbieter ist der Markt attraktiv, weil viele Zuckerfabriken ihre Anlagen schrittweise erneuern müssen und Investitionen zunehmend an messbaren Betriebskosten ausrichten. Die Dekanterzentrifugen stärker in der Zuckerindustrie zu verankern, ist deshalb auch eine strategische Positionierung gegen etablierte Filterlösungen. Entscheidend wird sein, ob sich die versprochenen Einsparungen unter unterschiedlichen Rohstoffqualitäten, Energiepreisen und Wartungsbedingungen bestätigen lassen.

Für Betreiber könnten geringere Verluste die Abhängigkeit von zusätzlichem Zuckerrohr reduzieren und damit indirekt Lieferketten sowie Flächenbedarf entlasten. Gleichzeitig dürfte die Technik vor allem dort an Bedeutung gewinnen, wo Wasser knapp, Dampf teuer oder qualifiziertes Personal schwer verfügbar ist. Die Partnerschaft von GEA und CST setzt damit auf einen Trend, der über einzelne Maschinen hinausweist: In der Zuckerproduktion wird künftig stärker darüber entschieden, wie vollständig Rohstoffe genutzt und wie stabil bestehende Werke automatisiert betrieben werden können.

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