Der europäische Gebrauchtwagenmarkt beginnt 2026 mit sinkenden Preisen, zumindest im Großhandel zwischen Händlern. Darauf deuten neue Indexwerte der AUTO1 Group hin, die zugleich zeigen, wie stark sich die einzelnen Antriebsarten auseinanderentwickeln.
Der AUTO1 Group Price Index fällt im Januar um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und rutscht von 138,2 auf 136,6 Punkte. Im Jahresvergleich ergibt sich trotzdem ein kleines Plus, die gemessenen B2B-Verkaufspreise liegen rund ein Prozent über dem Stand von Januar 2025. Das spricht weniger für eine Trendwende als für einen Markt, der nach den Verwerfungen der vergangenen Jahre wieder stärker von normaler Abschreibung, Zinssensibilität und Lagerzyklen geprägt wird.
Für die Einordnung lohnt ein Blick darauf, was ein solcher Indikator abbilden soll. Der AUTO1 Group Price Index basiert auf unternehmenseigenen Transaktionsdaten aus Millionen Händlergeschäften und setzt die Entwicklung in Indexpunkte um. Damit wird keine einzelne Modellreihe bewertet, sondern ein breiter Durchschnitt über Marken, Segmente und Länder hinweg. Gerade weil der Index monatlich erscheint, ist er eher als Stimmungsbarometer für den Handel zu lesen, nicht als Preisschild für den Privatkauf am Wochenende.
Der Preisabstand zwischen Elektro, Hybrid und Verbrenner wird zur strategischen Frage
Auffällig ist, wie unterschiedlich sich die Antriebsarten bewegen. Benziner und Diesel bleiben laut den Indexreihen vergleichsweise stabil, während Hybride leicht zulegen und reine Elektroautos deutlich nachgeben. Besonders die Dynamik bei E-Autos fällt ins Gewicht, weil sie nicht nur den Gebrauchtwagenhandel betrifft, sondern Rückschlüsse auf Restwerte, Leasingkalkulationen und die Attraktivität neuer Modelle zulässt.
Bei den E-Autos zeigt der Fuel-Type-Index für batterieelektrische Fahrzeuge einen Wert von 98 Punkten. Damit liegen sie unter 100 Indexpunkten und nach Darstellung des Unternehmens sogar unter dem Vor-Pandemie-Niveau des Jahres 2019. Die BEV Preise Europa geraten damit ausgerechnet in einem Segment unter Druck, das politisch forciert wird, dessen Wertstabilität aber für viele Käufer und Flottenbetreiber zentral ist. Wer ein Elektroauto finanziert oder least, achtet besonders auf den Wiederverkauf, und genau dort kann ein anhaltender Preisrutsch das Wachstum bremsen.
Händler erwarten weiteren Druck, und das ist mehr als nur Stimmung
Die begleitende AUTO1.com Händlerumfrage Europa deutet darauf hin, dass viele Marktteilnehmer kurzfristig eher mit weiteren Nachlässen rechnen. In der im Dezember 2025 durchgeführten Befragung unter mehreren Tausend Partnerhändlern erwartet knapp die Hälfte sinkende Preise, nur gut ein Fünftel rechnet mit einem Anstieg. Der Anteil derjenigen, die von stabilen Preisen ausgehen, liegt dazwischen. Das Bild passt zu einem Markt, der seit Mitte 2025 eher abwärts läuft und in dem Lagerbestände wieder stärker auf Marge und Liquidität drücken.
Bemerkenswert sind auch die Unterschiede zwischen Ländern. Besonders in Polen, aber auch in Italien und Schweden, ist die Erwartung sinkender Preise überdurchschnittlich verbreitet. Das kann auf unterschiedliche Neuwagenangebote, nationale Förderkulissen, Kaufkraftentwicklungen oder auch auf die Geschwindigkeit der Flottenumstellung hinweisen. Die AUTO1.com Händlerumfrage Europa wirkt damit wie eine Momentaufnahme der Risikowahrnehmung im Handel, nicht wie eine Prognose mit Gewissheit, aber als Signal, wo der Preisdruck zuerst spürbar werden könnte.
Chinesische Neuwagenmarken verändern die Preismechanik im Gebrauchtmarkt
Als Gründe nennen Händler vor allem klassische Faktoren wie Verbrauchernachfrage und Angebotsengpässe, daneben veränderte Präferenzen. Ein Teil der Antworten verweist jedoch auf einen Punkt, der über kurzfristige Zyklen hinausgeht: wachsende Konkurrenz durch chinesische Neuwagenmarken. Wenn neue Fahrzeuge günstiger angeboten werden oder mit attraktiver Ausstattung in den Markt drängen, geraten vergleichbare Gebrauchte stärker unter Druck, besonders in preissensiblen Segmenten.
Gerade bei Elektroautos ist diese Konkurrenzlogik plausibel. Wer ein neues Modell zu einem relativ niedrigen Einstiegspreis bekommt, verhandelt beim Gebrauchten härter, und Händler kalkulieren Restwerte vorsichtiger. In der Umfrage zeigen sich zudem klare Erwartungsketten: Wer den Wettbewerb durch neue Anbieter als entscheidend ansieht, rechnet besonders häufig mit weiter fallenden Preisen. Regulierung spielt in den Antworten eine kleinere Rolle, EU-Emissionsvorschriften und Steuerfragen werden seltener als Haupttreiber genannt, können aber je nach nationaler Umsetzung trotzdem auf Nachfrage und Modellmix wirken.
Ein Index zeigt Richtung, aber nicht automatisch Entwarnung für Käufer
Für Verbraucher klingt „billiger“ zunächst nach einer guten Nachricht, doch die Konsequenzen sind ambivalent. Sinkende Gebrauchtwagenpreise können die Erschwinglichkeit verbessern, zugleich verschärfen sie den Wertverlust für Halter, Leasingnehmer und Flotten. In der Logik des Handels kann das Transaktionsvolumen steigen, wenn Unsicherheit über Restwerte sinkt und Finanzierung wieder planbarer wird. Ein Top-Down-Index kann diese Mechanik andeuten, ersetzt aber nicht den Blick auf einzelne Fahrzeugklassen, Batteriezustand, Laufleistungen oder regionale Besonderheiten.
Moritz Lück, SVP Sales & Operations der AUTO1 Group, fasst die Entwicklung so zusammen: „Seit Mitte 2025 beobachten wir einen konsequenten Abwärtstrend bei den Gebrauchtwagenpreisen, ein Muster, das sich auch zu Beginn dieses Jahres fortgesetzt hat.“ Ob die Gebrauchtwagenpreise Europa 2026 über das Jahr hinweg weiter nachgeben oder sich stabilisieren, hängt damit nicht nur von Konjunktur und Zinsen ab, sondern auch davon, wie schnell sich das Angebot an neuen, bezahlbaren Modellen verändert. Für die BEV Preise Europa dürfte entscheidend sein, ob technologische Sprünge, Preissenkungen im Neuwagenmarkt und eine wachsende Auswahl an jungen Gebrauchten die Restwerte weiter unter Druck setzen oder ob sich ein neues Gleichgewicht etabliert. Der AUTO1 Group Price Index liefert dafür monatliche Wegweiser, die politische Zielbilder und Marktrealität zumindest messbar miteinander konfrontieren.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von AUTO1 Group , die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


