Hapag-Lloyd verankert Landstrom im Hamburger Hafen

Hapag-Lloyd will die Nutzung von Landstrom im Hamburger Hafen vom Einzelversuch stärker in den regulären Betrieb überführen. Die Vereinbarung mit der Hamburg Port Authority ist damit ein praktischer Schritt für eine emissionsärmere Schifffahrt, ihre Wirkung bleibt jedoch an verfügbare Anschlüsse und geeignete Schiffe gebunden. Für die Hapag-Lloyd Flotte beginnt nun vor allem die operative Bewährungsprobe.

Die Reederei hat zugesagt, vorhandene Landstromanlagen an allen Hamburger Terminals nach Möglichkeit zu nutzen. Damit wird aus einer technischen Option ein festerer Bestandteil der Hafenabläufe, ohne dass daraus bereits eine lückenlose Versorgung folgt. Zwei Containerschiffe, die „Al Muraykh“ und die „Tihama“, haben das System in den vergangenen Wochen während ihrer Liegezeit getestet. Beide verkehren im Asien-Nordeuropa-Dienst und zeigen, dass Landstrom für Schiffe auch in eng getakteten Liniendiensten grundsätzlich einsetzbar ist.

Landstrom für Schiffe senkt vor allem die Belastung im Hafen

Während eines Hafenaufenthalts benötigen Containerschiffe weiterhin Energie, etwa für Bordtechnik, Kühlcontainer und Versorgungssysteme. Üblicherweise wird dieser Strom von Hilfsmotoren an Bord erzeugt, die Kraftstoff verbrennen und Abgase sowie Lärm verursachen. Über einen Landanschluss kann das Schiff diese Motoren zeitweise abschalten und Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen. Davon profitieren vor allem Hafenbeschäftigte und Anwohner, weil Emissionen unmittelbar am Liegeplatz sinken.

Die Klimawirkung ist dennoch nicht automatisch vollständig positiv. Sie hängt auch davon ab, wie der bereitgestellte Strom erzeugt wird und ob Anschlüsse, Netzkapazitäten und technische Standards zuverlässig zusammenspielen. Landstrom für Schiffe ist deshalb kein Ersatz für sauberere Antriebe auf See, sondern eine ergänzende Maßnahme für die Stunden im Hafen. Gerade in dicht besiedelten Hafenstädten kann dieser begrenzte Einsatzbereich trotzdem relevant sein.

Die Hapag-Lloyd Flotte ist erst teilweise für den Umbau gerüstet

Nach Angaben des Unternehmens sind derzeit rund 35 Prozent der Hapag-Lloyd Flotte vollständig landstromfähig. Alle Neubauten würden bereits entsprechend ausgerüstet, geeignete ältere Schiffe sollen nachgerüstet werden. Das zeigt zugleich die Grenze der Vereinbarung, denn ein erheblicher Teil der Schiffe kann die Infrastruktur bislang nicht oder nicht vollständig nutzen. Der Ausbau an Land und die technische Umstellung an Bord müssen deshalb parallel vorankommen.

Für die Reederei ist die Entscheidung auch eine Investition in künftige Betriebsfähigkeit. Hafenaufenthalte werden zunehmend danach bewertet, wie stark sie Luftqualität, Lärm und Klimabilanz belasten. Wer seine Schiffe frühzeitig kompatibel macht, kann neue Infrastruktur nutzen und mögliche spätere Vorgaben leichter erfüllen. Die Flotte der Reederei wird damit schrittweise auf einen Hafenbetrieb vorbereitet, in dem emissionsärmere Schifffahrt nicht nur freiwilliges Zusatzangebot, sondern stärkerer Wettbewerbsfaktor sein dürfte.

Der Hamburger Hafen wird zum Testfeld für emissionsärmere Schifffahrt

Für Hamburgs Hafen ist die Vereinbarung ein Signal, dass die zuvor aufgebaute Infrastruktur tatsächlich in den Linienbetrieb einfließt. Landstromanlagen entfalten ihren Nutzen nur, wenn Reedereien sie regelmäßig anschließen und die Abläufe mit Terminals, Netzbetreibern und Schiffsbesatzungen funktionieren. Die Vereinbarung reduziert damit ein typisches Investitionsrisiko öffentlicher Infrastruktur, nämlich teure Technik bereitzustellen, die im Alltag kaum genutzt wird. Gleichzeitig bleibt offen, wie häufig Anschlüsse verfügbar sind und in welchem Umfang sie tatsächlich zum Einsatz kommen.

Strategisch passt der Schritt zum Ziel von Hapag-Lloyd, bis 2045 Netto-Null-Emissionen der Flotte zu erreichen. Landstrom kann dazu nur einen begrenzten Beitrag leisten, weil der größte Energieverbrauch während der Fahrt entsteht. Dennoch ist die Maßnahme für den Standort Hamburg mehr als Symbolpolitik, sofern aus den ersten erfolgreichen Einsätzen eine verlässliche Routine wird. Entscheidend wird sein, ob technische Nachrüstung, Stromangebot und Hafenlogistik im selben Tempo wachsen.

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