Hellmann und MAS Holdings wollen ihre gemeinsame Logistikplattform in Sri Lanka deutlich erweitern. Mit einem neuen Fashion-Logistikzentrum Sri Lanka nahe dem internationalen Flughafen Bandaranaike setzen die Partner auf eine Region, die für globale Bekleidungsströme strategisch interessanter wird.
Die geplante Anlage in Kimbulapitiya im Distrikt Gampaha soll mehr sein als ein weiteres Lager für Textilien. Für Hellmann MAS Supply Chain, das seit 2018 bestehende Joint Venture der beiden Unternehmen, ist der Standort ein Baustein, um die Fashion-Logistik in Südasien stärker mit internationalen Märkten zu verknüpfen. Der Neubau liegt nur wenige Kilometer vom wichtigsten internationalen Flughafen des Landes entfernt und soll dadurch Warenströme in Richtung Asien, Afrika und Europa schneller bündeln. Aus Sicht von Hellmann passt das Projekt zugleich in die Wachstumsstrategie Hellmann Forward2030, in der die Sparte Mode und Bekleidung offenbar eine größere Rolle im globalen Netzwerk erhalten soll.
Für die Bekleidungsindustrie Südasien ist der Schritt auch deshalb relevant, weil internationale Marken ihre Lieferketten seit Jahren breiter aufstellen. Neben Kosten spielen Geschwindigkeit, Planbarkeit und Nähe zu Produktionsstandorten eine größere Rolle. Sri Lanka positioniert sich in diesem Umfeld nicht nur als Produktionsland, sondern zunehmend als logistischer Knotenpunkt zwischen großen Absatz- und Beschaffungsmärkten. Das neue Fashion-Logistikzentrum Sri Lanka zeigt damit, wie eng Produktion, Lagerung, Qualitätssteuerung und internationale Distribution inzwischen miteinander verzahnt werden.
Der Standort nahe Colombo soll Produktionsnähe und internationale Anbindung verbinden
Das geplante Logistikzentrum soll auf mehr als 8.000 Quadratmetern entstehen und auf die Anforderungen der Modebranche zugeschnitten werden. Bekleidung ist logistisch anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick wirkt, da Materialien empfindlich auf Temperatur, Feuchtigkeit und lange Standzeiten reagieren können. Getrennte Klima- und Feuchtigkeitszonen sollen deshalb sicherstellen, dass unterschiedliche Warengruppen kontrolliert gelagert werden können. Für internationale Modemarken kann ein solcher Standort helfen, Bestände näher an der Produktion zu halten und dennoch rasch in verschiedene Märkte zu verteilen.
Die Nähe zum Bandaranaike Airport ist dabei ein zentraler Faktor. Luftfracht bleibt in der Modebranche wichtig, wenn Kollektionen kurzfristig nachgesteuert werden müssen oder Lieferfenster eng sind. Zugleich dürfte das Fashion-Logistikzentrum Sri Lanka nicht allein auf schnelle Transporte ausgerichtet sein, sondern auch auf eine stabilere Steuerung der gesamten Lieferkette. Hellmann MAS Supply Chain kann damit Funktionen bündeln, die früher häufiger auf mehrere Dienstleister verteilt waren. Genau darin liegt der strategische Wert solcher Kontraktlogistik-Projekte.
Hellmann und MAS verschieben die Zusammenarbeit von Produktion zu integrierten Lieferketten
MAS Holdings gehört zu den bedeutenden Bekleidungs- und Apparel-Tech-Unternehmen der Region. Durch die Kooperation mit Hellmann gewinnt das Unternehmen Zugang zu internationaler Logistikkompetenz, während Hellmann näher an Produktionsnetzwerke in Südasien rückt. Das Joint Venture Hellmann MAS Supply Chain verbindet damit zwei Ebenen, die in der globalen Modewirtschaft immer stärker zusammengehören. Produktion allein reicht für große Marken nicht mehr aus, wenn Lieferketten zugleich schneller, transparenter und widerstandsfähiger werden sollen.
Die Partner stellen das Projekt entsprechend als Ausbau integrierter End-to-End-Lösungen dar. Gemeint ist damit, dass Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette stärker aus einer Hand organisiert werden, von der Lagerung über Bestandssteuerung bis zur Verteilung in verschiedene Märkte. Patrick Grzywa, Regional COO Contract Logistics IMEA bei Hellmann Worldwide Logistics, sagte dazu: „Sri Lanka vereint erstklassige Produktions- und Logistikkompetenzen mit agilen Fashion-Lieferketten und ist damit ein verlässlicher Partner für globale Marken.“ Die Aussage macht deutlich, dass Hellmann Forward2030 nicht nur auf zusätzliche Fläche zielt, sondern auf eine tiefere Rolle in den Lieferketten großer Modekunden.
Nachhaltigkeit wird zum Standortfaktor in der Fashion-Logistik
Zum Konzept der Anlage gehören auch Solaranlagen auf dem Hallendach, die einen erheblichen Teil des Energiebedarfs decken sollen. Für die Bekleidungsindustrie Südasien ist das mehr als ein technisches Detail, weil internationale Auftraggeber Nachhaltigkeitsanforderungen zunehmend in ihre Lieferanten- und Logistikentscheidungen einbeziehen. Wer für globale Marken arbeitet, muss nicht nur verlässlich liefern, sondern auch Daten und Standards zu Energieverbrauch, Prozessen und Standorten plausibel darstellen können. Das neue Fashion-Logistikzentrum Sri Lanka dürfte deshalb auch als Antwort auf diesen Druck verstanden werden.
Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie groß der tatsächliche Beitrag zur Dekarbonisierung ausfallen wird. Lagerstandorte mit eigener Solarstromerzeugung können Betriebskosten senken und Emissionen reduzieren, ersetzen aber nicht die schwierigen Fragen rund um internationale Transporte und schwankende Nachfragezyklen in der Modebranche. Dennoch zeigt die Investition, in welche Richtung sich moderne Kontraktlogistik entwickelt. Sie muss nicht nur Fläche bereitstellen, sondern Temperaturführung, Energieeffizienz, digitale Steuerung und flexible Kapazitäten miteinander verbinden.
Sri Lanka will in der globalen Modewirtschaft mehr als ein Produktionsstandort sein
Für Sri Lanka ist die Investition auch industriepolitisch bedeutsam. Die Bekleidungsbranche zählt zu den wichtigen Exportsektoren des Landes, steht aber im Wettbewerb mit anderen Produktionsregionen in Asien. Wenn Logistik, Produktion und Supply-Chain-Management enger zusammenrücken, kann ein Standort über reine Fertigungskosten hinaus an Attraktivität gewinnen. Shakthi Ranatunge, Chief Operating Officer bei MAS Holdings und Mitglied des Boards von Hellmann MAS Supply Chain, sprach davon, Sri Lankas Position als global wettbewerbsfähigen Standort für die Bekleidungsindustrie weiter stärken zu wollen.
Ob das gelingt, hängt nicht allein von einer einzelnen Anlage ab. Entscheidend werden Verlässlichkeit, Infrastruktur, politische Rahmenbedingungen und die Fähigkeit sein, internationale Kunden dauerhaft an das Netzwerk zu binden. Das Projekt von Hellmann MAS Supply Chain ist dennoch ein Hinweis darauf, dass Sri Lanka im globalen Handel eine anspruchsvollere Rolle anstrebt. Das Land soll nicht nur Bekleidung produzieren, sondern stärker zum Steuerungs- und Umschlagpunkt für Fashion-Lieferketten werden. Für Hellmann Forward2030 wiederum ist der Standort ein sichtbares Signal, dass Wachstum in der Logistik zunehmend dort gesucht wird, wo Produktion, regionale Nähe und globale Verteilung zusammenfallen.


