Hellmann und Exotec treiben die Lagerautomatisierung in der Kontraktlogistik voran

Hellmann Worldwide Logistics will die eigene Kontraktlogistik stärker automatisieren und setzt dafür auf einen globalen Vertrag mit Exotec. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Lagerprozesse unter wachsendem Zeitdruck, schwankender Nachfrage und knappen Personalressourcen verlässlich organisieren lassen. Der erste praktische Einsatz soll in einem deutschen Healthcare-Umfeld erfolgen, also in einem Bereich, in dem Fehler und Verzögerungen besonders schwer wiegen.

Mit der Vereinbarung reagiert Hellmann Worldwide Logistics nach eigener Darstellung auf einen Markt, in dem klassische Lagerabläufe zunehmend an Grenzen stoßen. Gemeint ist vor allem die Kontraktlogistik, also das Geschäft, bei dem Logistikdienstleister im Auftrag ihrer Kunden Lagerung, Kommissionierung und Versand übernehmen. Gerade dort steigen die Erwartungen an Liefergeschwindigkeit, Verfügbarkeit und flexible Kapazitäten seit Jahren, während zugleich der Fachkräftemangel die operative Planung erschwert.

Die angekündigte Lagerautomatisierung Exotec soll deshalb nicht nur einzelne Arbeitsschritte beschleunigen, sondern ein durchgehenderes System schaffen. Beschrieben wird ein Goods-to-Person-Ansatz, bei dem Waren automatisiert zu Arbeitsplätzen gebracht werden, statt dass Beschäftigte lange Wege im Lager zurücklegen müssen. Für Unternehmen ist das attraktiv, weil sich Prozesse standardisieren lassen und Auftragsspitzen leichter abzufedern sind. Für die Beschäftigten bedeutet es im Idealfall körperliche Entlastung, auch wenn Automatisierung in der Branche regelmäßig die Frage aufwirft, wie sich Arbeitsprofile und Qualifikationsanforderungen verändern.

Die Healthcare-Logistik zeigt, warum Automatisierung zuerst dort eingeführt wird

Dass das erste Projekt in der Healthcare-Logistik Deutschland startet, ist strategisch naheliegend. In dieser Sparte zählen Tempo und Zuverlässigkeit stärker als in vielen anderen Bereichen, weil Lieferungen oft in eng getaktete Versorgungsabläufe eingebunden sind. Hellmann zufolge soll ein Lager für einen führenden deutschen Anbieter aus dem Gesundheitsbereich mit der neuen Technik ausgestattet werden.

Konkret soll der Prozess vom Wareneingang bis zum Versand weitgehend automatisiert werden. Nach der Prüfung durch Mitarbeitende würden Produkte von Robotiksystemen eingelagert und später wieder ausgelagert. Für Laien lässt sich das als ein System beschreiben, bei dem Software und mobile Maschinen die interne Bewegung der Ware übernehmen, um Wege zu verkürzen und Fehlerquellen zu reduzieren. Gerade bei sensiblen Sortimenten kann das relevant sein, weil kürzere Durchlaufzeiten und späte Bestellannahmen am Ende auch über die Versorgungsqualität entscheiden können.

Die Partnerschaft ist auch eine Antwort auf strukturellen Druck in der Lieferkette

Der Rahmenvertrag ist mehr als ein einzelnes Technikprojekt. Er verweist auf eine breitere Entwicklung in der Intralogistik, also jener Logistik innerhalb von Lagern und Verteilzentren, die lange als operatives Detail galt und inzwischen zu einem Wettbewerbsfaktor geworden ist. Wenn Kunden spätere Bestellfristen, verlässlichere Zustellung und gleichzeitig niedrigere Fehlerquoten verlangen, geraten herkömmliche Abläufe in der Lieferkette unter Druck.

Hellmann argumentiert, Flexibilität und kurzfristige Skalierbarkeit würden in einem volatilen Marktumfeld immer wichtiger. Exotec wiederum dürfte von dem Vertrag profitieren, weil globale Partnerschaften mit großen Logistikdienstleistern für Automatisierungsanbieter Referenzcharakter haben. Solche Kooperationen zeigen, dass Robotiksysteme nicht mehr nur für hochspezialisierte Pilotlager gedacht sind, sondern zunehmend als skalierbare Infrastruktur verstanden werden. Das spricht auch für einen Reifeschritt des Marktes, in dem Investitionen nicht allein über technologische Faszination, sondern über Prozessstabilität und Wirtschaftlichkeit begründet werden.

Der Schritt von Hellmann könnte den Wettbewerbsdruck in der Branche weiter erhöhen

Für den Markt ist die Ankündigung auch deshalb relevant, weil sich mit jeder größeren Automatisierungsentscheidung die Messlatte für Wettbewerber verschiebt. Wer in der Kontraktlogistik Intralogistik bisher vor allem über Fläche und Personal organisiert hat, muss sich zunehmend daran messen lassen, wie schnell sich Lager auf neue Kundenprojekte und Auftragsschwankungen einstellen lassen. Lagerautomatisierung Exotec steht dabei beispielhaft für modulare Systeme, die nicht als starre Großanlage vermarktet werden, sondern als Bausteine für unterschiedlich große Standorte.

Politisch und wirtschaftlich passt das in eine Zeit, in der Industrie und Handel über resilientere Lieferketten, Produktivität und Standortqualität diskutieren. Automatisierte Lager lösen diese Fragen nicht allein, sie können aber ein Teil der Antwort sein, wenn Unternehmen Wertschöpfung in Europa stabiler organisieren wollen. Dass Hellmann Worldwide Logistics nun im Healthcare-Bereich beginnt, deutet darauf hin, dass Automatisierung zuerst dort an Bedeutung gewinnt, wo Zuverlässigkeit besonders teuer erkauft werden müsste, wenn sie fehlt.

Schreibe einen Kommentar