Henkel baut sein Packaging Competence Center in Düsseldorf aus

Henkel erweitert am Standort Düsseldorf sein Packaging Competence Center und stärkt damit die eigene Rolle als Entwicklungspartner der Verpackungsindustrie. Das modernisierte Test- und Entwicklungszentrum soll Unternehmen dabei helfen, neue Verpackungslösungen unter realitätsnahen Produktionsbedingungen zu prüfen, bevor sie in die industrielle Fertigung gehen. Im Mittelpunkt stehen Klebstoffe und Beschichtungen, die für recyclingfähige Verpackungen zunehmend entscheidend werden.

Der Ausbau geht weit über klassische Laborarbeit hinaus. Verpackungshersteller stehen unter wachsendem Druck, Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit und Ressourceneffizienz zu verbessern. Gleichzeitig müssen Verpackungen Produkte schützen, bedruckbar bleiben, maschinell verarbeitet werden können und gesetzliche Anforderungen erfüllen. Diese Ziele stehen häufig miteinander im Konflikt.

Das Henkel Packaging Competence Center soll die Lücke zwischen chemischer Entwicklung und industrieller Produktion verkleinern. Kunden und Partner können dort Materialkombinationen testen, Verfahren vergleichen und neue Lösungen für den Produktionsmaßstab vorbereiten. Für Henkel ist das strategisch relevant, weil Verpackungsunternehmen zunehmend Anbieter suchen, die nicht nur einzelne Produkte liefern, sondern Entwicklung, Prüfung und Skalierung begleiten.

Klebstoffe und Beschichtungen werden für Recyclingfähigkeit entscheidend

Flexible Verpackungen sind für Lebensmittel, Pharmazeutika und Konsumgüter weiterhin wichtig. Viele klassische Lösungen bestehen jedoch aus mehreren Kunststoffarten, Aluminiumlagen, Klebstoffen und Beschichtungen. Solche Verbünde bieten gute Schutz- und Barriereeigenschaften, lassen sich aber häufig nur schwer recyceln.

Deshalb gewinnen Monomaterial-Konzepte an Bedeutung. Dabei soll eine Verpackung möglichst aus einer Materialfamilie bestehen, damit sie leichter in bestehende Recyclingströme passt. Funktionale Beschichtungen müssen dann Eigenschaften übernehmen, die früher durch zusätzliche Materialschichten erreicht wurden.

Klebstoffe und Beschichtungen bestimmen mit, ob eine Verpackung stabil bleibt, Feuchtigkeit oder Sauerstoff abhält und trotzdem recyclingfähig ist. Sie sind im fertigen Produkt kaum sichtbar, beeinflussen aber Materialverbrauch, Haltbarkeit und Verarbeitbarkeit erheblich.

Henkel verweist auf neue Testkapazitäten, die näher an realen Produktionsbedingungen liegen sollen als klassische Laborversuche. Neue Rezepturen, Laminierverfahren und Beschichtungssysteme können dadurch früher belastbare Daten liefern. Für Hersteller sinkt das Risiko, dass technische Probleme erst während der Serienproduktion sichtbar werden.

Nordmeccanica bringt industrielle Anlagentechnik ein

Eine wichtige Rolle spielt die Kooperation mit dem italienischen Maschinenbauer Nordmeccanica. Im modernisierten Zentrum kommen unter anderem die Anlagen Super Combi 5000 und Super Simplex SL e800 zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich unterschiedliche Beschichtungs- und Laminierverfahren für flexible Verpackungen abbilden.

Die Zusammenarbeit zeigt, wie stark Verpackungsentwicklung inzwischen von mehreren Partnern abhängt. Chemieanbieter, Maschinenbauer und Verpackungshersteller müssen Materialien und Prozesse gemeinsam entwickeln, weil sich Maschinenparameter, Klebstoffverhalten und Recyclingfähigkeit gegenseitig beeinflussen.

Die neuen Anlagen arbeiten digital und erfassen Prozessdaten systematisch. Dazu gehört etwa das Auftragsgewicht, also die Menge an Klebstoff oder Beschichtungsmaterial, die tatsächlich auf ein Substrat gelangt. Bereits kleine Abweichungen können Qualität, Kosten und spätere Verarbeitbarkeit beeinflussen.

Für Henkel entsteht dadurch ein Testumfeld, das näher an industriellen Produktionslinien liegt. Kunden können prüfen, wie sich neue Materialien auf realen Anlagen verhalten, ohne sofort eine laufende Fertigungslinie umzubauen.

Düsseldorf wird zum Entwicklungsstandort für Kunden und Partner

Das Packaging Competence Center ist mit dem benachbarten Inspiration Center Düsseldorf verbunden. Henkel will dadurch mehrere Schritte an einem Standort bündeln, von der chemischen Entwicklung über Anwendungstests bis zur industriellen Validierung.

Auch Schulungsangebote wie die Converter’s Academy sollen Kunden helfen, neue Technologien schneller in ihre Produktion zu übertragen. Gerade bei neuen Klebstoffen oder Beschichtungen reicht es nicht, ein Material technisch freizugeben. Beschäftigte müssen verstehen, wie es verarbeitet, dosiert und kontrolliert wird.

Zusätzlich hat Henkel in Testmöglichkeiten für Haftklebstoffanwendungen investiert. Dieser Bereich betrifft unter anderem Etiketten und Spezialklebebänder, die in Logistik, Handel, Industrie und Konsumgütern eingesetzt werden. Neue Beschichtungsanlagen sowie UV-Aktivierungs- und Messsysteme erweitern die Möglichkeiten für anwendungsnahe Prüfungen.

Der Wettbewerb in der Verpackungsindustrie wird damit nicht allein über neue Materialien entschieden. Ebenso wichtig ist, wie schnell Unternehmen Lösungen testen, absichern und auf größere Produktionsmengen übertragen können. Das Zentrum soll Lernzyklen verkürzen und technische Risiken reduzieren.

Verpackung wird zu einem strategischen Teil der Lieferkette

Die Modernisierung fällt in eine Phase, in der Verpackungen für Markenhersteller und Zulieferer an strategischer Bedeutung gewinnen. Sie beeinflussen Kosten, Transportfähigkeit, Produkthaltbarkeit, Markenwirkung und regulatorische Risiken.

Wenn Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Materialnachweise steigen, werden Testzentren zu wichtigen Schnittstellen zwischen Entwicklung, Produktion und Nachhaltigkeitsstrategie. Für Henkel stärkt das Packaging Competence Center die Position als System- und Entwicklungspartner.

Nordmeccanica erhält zugleich Zugang zu einem Umfeld, in dem Maschinen unter konkreten Material- und Kundenanforderungen eingesetzt werden. Für Henkel wiederum ist die Anlagentechnik wichtig, weil neue Klebstoffe und Beschichtungen nur dann marktfähig werden, wenn sie auf industriellen Maschinen zuverlässig verarbeitet werden können.

Ob das Zentrum die Transformation der Verpackungsindustrie beschleunigt, hängt nicht nur von der Technik ab. Entscheidend ist, ob die getesteten Lösungen wirtschaftlich tragfähig sind, von Verarbeitern akzeptiert werden und künftige regulatorische Anforderungen erfüllen.

Der Ausbau in Düsseldorf zeigt dennoch eine klare Richtung. Verpackungsinnovation entsteht zunehmend als Zusammenspiel von Chemie, Maschinenbau, Daten und industrieller Erfahrung. Henkel versucht, genau diese Schnittstelle stärker zu besetzen.

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