Henkel bündelt seine Konsumgüterlogistik in Düsseldorf

Mit einem erweiterten Hochregallager ordnet Henkel seine Warenströme in Deutschland und der Benelux-Region neu. Die Investition von 45 Millionen Euro stärkt den Henkel-Standort Düsseldorf, erhöht aber auch die Abhängigkeit von einem zentralen Knotenpunkt.

Nach zwei Jahren Planung und Bau hat der Konzern die Erweiterung an sein seit 2014 betriebenes automatisiertes Lager angeschlossen. Das Hochregallager Düsseldorf bildet nun ein Logistikzentrum mit mehr als 200.000 Palettenplätzen auf 24.000 Quadratmetern. Für Henkel ist es das größte europäische Lager für Waschmittel, Reinigungsprodukte und Haarpflegeartikel.

Strategisch wichtiger als die Größe ist die Lagerkonsolidierung. Fünf bisher getrennte Standorte in Deutschland und der Benelux-Region werden am Konzernsitz zusammengeführt. Der Henkel-Standort Düsseldorf wird damit zu einem noch wichtigeren Steuerungszentrum für gebündelte Lieferketten.

Die Zentralisierung folgt dem Umbau des Konsumgütergeschäfts

Henkel hatte seine Geschäfte mit Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Haarpflege im Bereich Consumer Brands zusammengeführt. Das neue Lager überträgt diese organisatorische Integration nun auf die Logistik. Produkte aus unterschiedlichen Sortimenten können an einem Ort gelagert, zusammengestellt und ausgeliefert werden.

Für Händler soll das die Beschaffung vereinfachen. Henkel stellt in Aussicht, Kunden in Deutschland und Benelux künftig mit einem Auftrag, einer Lieferung und einer Rechnung zu bedienen. Für die europäische Konsumgüterlogistik zeigt das, wie Konzerne ihre Netze verdichten, um Bestände und Liefertermine enger zu steuern.

Effizienzgewinne gehen mit einer stärkeren Standortabhängigkeit einher

Gebündelte Lieferketten können Transporte zwischen mehreren Lagern verringern und die Palettenkapazität besser auslasten. Zugleich sinkt der organisatorische Aufwand, wenn Waren nicht mehr auf verschiedene regionale Knoten verteilt werden. Ob die erwartete Lieferketteneffizienz erreicht wird, hängt jedoch auch von der Stabilität des zentralen Systems ab.

Die Konzentration in Düsseldorf schafft deshalb nicht nur Vorteile. Je mehr Warenströme über einen Standort laufen, desto wichtiger werden Ausweichrouten, Sicherheitsbestände und eine robuste IT. Das Hochregallager Düsseldorf steht damit für einen verbreiteten Zielkonflikt moderner Logistik, weil höhere Effizienz oft mit einer größeren Abhängigkeit von wenigen Zentren erkauft wird.

Der Bahnanschluss soll die Klimabilanz der Lieferwege verbessern

Ein direkter Gleisanschluss verbindet das Logistikzentrum mit dem Henkel-Werk im bayerischen Wassertrüdingen. Von dort sollen Haarpflegeprodukte per Bahn nach Düsseldorf gelangen, statt ausschließlich über die Straße transportiert zu werden. Nach Angaben des Unternehmens kann dieser Bahntransport die Emissionen auf der Strecke senken.

Wassertrüdingen produziert Haarpflegeartikel für Deutschland und nach Unternehmensangaben für rund die Hälfte Europas. Damit erhält die Verbindung eine Bedeutung, die über einzelne Lieferungen hinausgeht. Für die europäische Konsumgüterlogistik zeigt sie, dass zentrale Lager ökologisch nur überzeugen, wenn auch die vorgelagerten Transportwege effizient organisiert sind.

Die Investition stärkt Düsseldorf als industriellen Konzernstandort

Henkel gibt an, am Hauptsitz durchschnittlich rund 100 Millionen Euro pro Jahr zu investieren. Die aktuelle Standortinvestition bindet einen weiteren Teil der Logistikkompetenz an Nordrhein-Westfalen. Der Konzern wertet den Henkel-Standort Düsseldorf zugleich gegenüber externen Lagerstandorten auf.

Langfristig dürfte der Erfolg daran gemessen werden, ob die gebündelten Lieferketten verlässlicher, günstiger und emissionsärmer werden. Für Düsseldorf bedeutet das Projekt zunächst mehr Gewicht im europäischen Netzwerk. Es ist damit weniger ein einzelner Lagerausbau als ein Baustein im Umbau der Lieferstruktur für das gesamte Konsumgütergeschäft.

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