Henkel stellt die eigene Hotmelt-Historie in den Vordergrund und feiert 25 Jahre Technomelt Supra. Hinter dem Jubiläum steckt mehr als Produktpflege: Es geht um Standards in der Verpackungsindustrie, in der Schmelzklebstoffe oft über Tempo, Ausschuss und Energiebedarf entscheiden.
Henkel Technomelt Supra ist seit dem Start Anfang der 2000er Jahre als Versuch zu lesen, eine unscheinbare, aber kritische Komponente industrieller Verpackungslinien zu modernisieren. Hotmelts, also Schmelzklebstoffe, werden in Kartonagen, Etiketten oder Verschlüssen in Sekundenbruchteilen aufgetragen und müssen unter Hitze, Zeitdruck und Materialmix stabil funktionieren. Genau dort sei die Produktreihe laut Unternehmen groß geworden: in der Routinefertigung, in der Stillstände teuer sind und kleine Effizienzgewinne schnell in der Bilanz sichtbar werden.
Dass Henkel die Reihe heute als Referenz beschreibt, ist auch ein Hinweis auf die Dynamik im Verpackungsmarkt. Die Branche steht unter Druck, Materialeinsatz und Energieverbrauch zu senken, gleichzeitig steigen Anforderungen an Produktsicherheit, etwa bei Lebensmittelverpackung oder Pharma. In diesem Spannungsfeld versucht Henkel, seine Hotmelts nicht nur als Klebstoff, sondern als Prozessbaustein zu positionieren, der Produktionslogik und Nachhaltigkeitsziele miteinander vereinbaren soll.
Der Wechsel vom EVA-Klebstoff zum Polyolefin Hotmelt Klebstoff trifft einen Nerv der Branche
Ausgangspunkt der Entwicklung sei nach Darstellung des Konzerns gewesen, klassische EVA-basierte Klebstoffe zu ersetzen, die bei Temperatur- und Alterungsbeständigkeit an Grenzen stoßen. EVA steht dabei für Ethylen-Vinylacetat, ein verbreiteter Kunststoff, dessen Eigenschaften in Hochgeschwindigkeitsanlagen oder bei schwankenden Temperaturen zu Qualitätsproblemen führen können. Henkel setzt dem einen Polyolefin Hotmelt Klebstoff entgegen, also eine Klebstoffchemie auf Basis einer Polymerfamilie, die als robuster gilt und sich in vielen Industrieanwendungen durchgesetzt hat.
Henkel argumentiert, die Umstellung zahle doppelt auf Effizienz ein: durch höhere Verarbeitungssicherheit und geringere Verbrauchsmengen. Die genannte Verbrauchsreduktion von bis zu 30 Prozent ist eine starke Kennzahl, bleibt in der Praxis aber stark abhängig von Anlage, Substraten und Prozessführung. Dennoch ist der Kernpunkt plausibel: Wenn ein Klebstoff stabiler läuft, weniger gereinigt werden muss und seltener zu Störungen an Düsen oder Aggregaten führt, sinken Stillstandszeiten und Wartungsaufwand. In der Summe kann das aus einer scheinbar kleinen Materialposition einen Hebel für OEE, also die Gesamtanlageneffektivität, machen.
In der Verpackungsindustrie zählt nicht nur Haftung, sondern auch Prozessstabilität und Hygiene
Henkel hebt zudem Eigenschaften hervor, die für sensible Anwendungen entscheidend sind, etwa geringe Geruchs- und Farbausprägung. Gerade bei Lebensmittelverpackung sind solche Parameter nicht nur Komfort, sondern Teil von Qualitäts- und Freigabeprozessen. Wenn ein Verpackungsindustrie Schmelzklebstoff in breiten Substratkombinationen funktioniert, reduziert das zudem Varianten in der Produktion. Aus Sicht vieler Hersteller ist das strategisch relevant, weil weniger Klebstofftypen Lagerhaltung, Umrüstzeiten und Fehlanwendungen verringern können.
Die Behauptung, eine Technologie könne viele Substrate abdecken, ist zugleich ein Hinweis auf den Trend zu heterogenen Verpackungsmaterialien. Karton, Folie, Verbunde oder beschichtete Oberflächen stellen unterschiedliche Anforderungen an Haftung und Temperaturfenster. Wer dafür eine robuste Klebstoffplattform anbietet, bindet Kunden nicht nur über Produktleistung, sondern über Prozessintegration. Henkel stärkt damit die Rolle von Technomelt Supra als Baustein einer Lieferkette, in der Zulieferer zunehmend mit dem Versprechen antreten, Komplexität aus den Linien der Abnehmer herauszunehmen.
Eine negative Cradle-to-Gate CO2 Bilanz klingt stark, bleibt aber eine Bilanzfrage
Besonders ambitioniert wirkt Henkels Verweis auf Technomelt Supra ECO, das auf biobasierte Rohstoffe setze und eine negative Cradle-to-Gate CO2 Bilanz ermöglichen solle. Cradle-to-Gate meint dabei die Emissionen bis zum Werkstor, also von Rohstoffgewinnung bis Produktion, ohne Nutzungsphase und Entsorgung. Eine negative Bilanz kann in solchen Systemgrenzen etwa dann entstehen, wenn biogene Kohlenstoffbindung oder Gutschriften in der Rohstoffkette bilanziell überwiegen. Das ist nicht automatisch Greenwashing, verlangt aber Transparenz, weil die Aussage stark von Methodik, Datenqualität und Systemgrenzen abhängt.
Henkel verweist zusätzlich auf Auszeichnungen, die die ECO-Variante erhalten habe, und auf weitere Abzweigungen der Produktfamilie. Technomelt Supra COOL soll mit niedrigerer Auftragstemperatur den Energieverbrauch senken, was in energieintensiven Verpackungslinien unmittelbar relevant ist. Für Anwendungen mit hohen Taktgeschwindigkeiten wird zudem eine PRO-Variante genannt, die etwa im Pharmaumfeld zielt. Insgesamt zeigt die Roadmap, wie Anbieter versuchen, regulatorischen Druck und Kundenerwartungen in Produktplattformen zu übersetzen, statt nur Einzellösungen zu verkaufen. Marcel Hübenthal, Global Director Technology Hotmelts, ordnet das intern als historischen Meilenstein ein und sagt: „Technomelt Supra war nicht nur ein Meilenstein in der Hotmelt-Technologie, sondern auch in unserer 150-jährigen Unternehmensgeschichte.“
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Henkel, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


