Henkel setzt sich neue Nachhaltigkeitsziele und will den Umbau des Konzerns stärker an messbaren Vorgaben ausrichten. Im Mittelpunkt stehen Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft bei Verpackungen, Gleichstellung im Management und nachhaltige Lieferketten.
Der Düsseldorfer Konsumgüter- und Klebstoffkonzern reagiert damit auf steigende Erwartungen von Kunden, Handelspartnern, Investoren und Regulierern. Nachhaltigkeit wird für Henkel weniger zu einem Kommunikationsfeld als zu einer Frage operativer Steuerung. Denn viele Ziele hängen nicht nur von eigenen Werken und Büros ab, sondern auch von Rohstoffen, Verpackungen, Energieversorgung, Transporten und Lieferanten.
Die neuen Vorgaben reichen bis 2030 und sind als Zwischenschritt auf dem Weg zu einem Net-Zero-Ziel bis 2045 angelegt. Henkel will seine absoluten Treibhausgasemissionen in Scope 1 und Scope 2 bis 2030 um 42 Prozent senken. Für Scope 3, also Emissionen aus vor- und nachgelagerten Teilen der Wertschöpfungskette, nennt der Konzern eine Reduktion um 30 Prozent gegenüber 2021. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil viel Klimawirkung außerhalb der eigenen Fabriken entsteht.
Henkels Klimaziele verlagern den Druck stärker in die Wertschöpfungskette
Nach Unternehmensangaben wurde bereits 2024 ein Umsetzungsplan für den Weg zu Net-Zero festgelegt, der von der Science Based Targets initiative validiert worden sei. Wissenschaftsbasierte Klimaziele sind ein wichtiger Maßstab für Dekarbonisierungspläne. Henkel verweist darauf, bis 2025 die Emissionen in Scope 1, Scope 2 und Scope 3 insgesamt um 29 Prozent gegenüber 2021 reduziert zu haben. Zudem seien 37 Standorte weltweit auf klimaneutrale Produktion umgestellt worden. Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen liege weltweit bei rund 97 Prozent.
Für die eigene Produktion lassen sich Fortschritte vergleichsweise direkt steuern, etwa über Energieeffizienz, Grünstromverträge oder alternative Brennstoffe. Schwieriger ist die Reduktion dort, wo Henkel nur indirekten Einfluss hat. Scope 3 umfasst unter anderem eingekaufte Waren, Verpackungsmaterialien, Transportketten sowie Nutzung oder Entsorgung von Produkten. Dort entscheidet sich, ob die Net-Zero-Strategie über einzelne Standorte hinaus wirkt. Die Henkel Nachhaltigkeitsziele sind deshalb auch ein Versuch, Lieferanten, Produktentwicklung und Logistik stärker über Klimadaten und überprüfbare Fortschritte zu steuern.
Verpackungen werden zum Prüfstein der Kreislaufwirtschaft
Ein zweites Kernfeld ist die Kreislaufwirtschaft bei Verpackungen. Henkel will den Anteil recycelter Kunststoffe in Verpackungen für Konsumgüter bis 2030 auf mindestens 35 Prozent erhöhen. Aktuell liege dieser Wert bei 28 Prozent. Zugleich sollen bis 2030 sämtliche Verpackungen recyclingfähig sein. Nach Unternehmensangaben liegt der Anteil derzeit bei 88 Prozent.
Damit adressiert Henkel ein Problem, das viele Konsumgüterhersteller betrifft. Verpackungen müssen Produkte schützen, im Handel funktionieren, Verbraucheranforderungen erfüllen und zugleich stärker auf Wiederverwertung ausgelegt sein. Recyclingfähiges Design bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Verpackung tatsächlich recycelt wird. Es heißt zunächst, dass Materialkombinationen, Etiketten, Klebstoffe und Verschlüsse so gewählt werden, dass Sortier- und Recyclinganlagen sie verarbeiten können.
Ob daraus wieder hochwertiger Kunststoff entsteht, hängt zusätzlich von Sammelsystemen, regionaler Infrastruktur und Nachfrage nach Rezyklaten ab. Henkel verweist auf Klebstofflösungen aus dem Geschäftsbereich Adhesive Technologies, die in Packaging Recyclabs in Düsseldorf und Shanghai getestet würden. Klebstoffe können beim Recycling wichtig sein, weil sie beeinflussen, ob Verpackungsschichten getrennt und Materialien sauber wiederverwertet werden können. Kreislaufwirtschaft wird damit auch zu einer technischen Aufgabe für Materialentwicklung und industrielle Prozesse.
Gleichstellung und Lohngerechtigkeit werden messbarer Teil der Konzernsteuerung
Neben Klima und Verpackungen nimmt Henkel auch soziale Ziele in seine Agenda bis 2030 auf. Das Unternehmen strebt über alle Managementebenen hinweg ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis an. Jedes Geschlecht soll mit mehr als 45 Prozent vertreten sein. Ende 2025 habe der Frauenanteil im Management bereits bei mehr als 43 Prozent gelegen. Das Ziel ist damit weniger ein symbolischer Richtwert als eine konkrete Vorgabe für Besetzung, Personalentwicklung und Führungskultur.
Hinzu kommt das Ziel weltweiter Lohngerechtigkeit bis 2030, jeweils unter Berücksichtigung lokaler Gesetze und regionaler Rahmenbedingungen. Für internationale Unternehmen ist das anspruchsvoll, weil Vergütungssysteme je nach Land, Funktion und Arbeitsmarkt stark variieren. Dennoch wächst der Druck, Unterschiede systematischer zu erfassen und nachvollziehbar zu begründen. Nachhaltigkeit wird bei Henkel damit nicht allein über CO2-Kennzahlen oder Verpackungsquoten definiert, sondern auch über faire Chancen, Karrierewege und Bezahlung.
Nachhaltige Lieferketten werden zum Wettbewerbsfaktor und zum Risiko
Besonders weitreichend ist das Ziel, bis 2030 rund 85 Prozent der Lieferanten auf spezifische Nachhaltigkeitsstandards zu verpflichten. Henkel bewertet Geschäftspartner nach eigenen Angaben unter anderem in den Bereichen Arbeitssicherheit, Gesundheit, Umweltschutz, Sozialstandards und faire Geschäftspraktiken. Damit rücken nachhaltige Lieferketten stärker in den Mittelpunkt der Unternehmenssteuerung. Für große Hersteller ist das nicht nur eine Frage der Verantwortung, sondern zunehmend auch eine Voraussetzung für stabile Produktion, regulatorische Absicherung und Zugang zu anspruchsvollen Kunden.
Die Umsetzung dürfte komplex bleiben. Lieferanten unterscheiden sich nach Größe, Region, Branche und Ressourcen. Große Zulieferer verfügen oft über eigene Nachhaltigkeitsabteilungen, kleinere und mittelständische Partner benötigen häufiger Unterstützung, um Daten zu erfassen, Standards umzusetzen oder Audits zu bestehen. Henkel verweist deshalb auf Brancheninitiativen wie Together for Sustainability sowie auf Engagement-Programme für kleinere Lieferanten. Solche Kooperationen können Anforderungen vereinheitlichen und Doppelarbeit vermeiden. Zugleich zeigen sie, dass nachhaltige Lieferketten nicht allein durch Vorgaben entstehen, sondern durch langfristige Zusammenarbeit und Kontrolle.
Dass Henkel seine Fortschritte auch über externe Bewertungen einordnet, passt zur wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsratings. Im CDP-Rating 2025 habe der Konzern erstmals eine A-Bewertung in der Kategorie Klima erhalten. Bei EcoVadis sei Henkel erneut mit Gold ausgezeichnet worden. Solche Ratings ersetzen keine Prüfung der Zielerreichung, zeigen aber, dass Unternehmen Daten, Prozesse und Programme vergleichbar machen müssen. Für Henkel erhöhen sie zugleich den Anspruch, die Ziele bis 2030 nicht nur zu kommunizieren, sondern nachweisbar umzusetzen.


