HOCHTIEF startet YEXIO-Rechenzentrum in Herne

Im FunkenbergQuartier in Herne beginnt der Bau eines Rechenzentrums, das regionale Unternehmen und kommunale Einrichtungen mit Cloud- und IT-Diensten versorgen soll. HOCHTIEF und der Infrastrukturinvestor Palladio Partners setzen damit auf eine regionale Cloud-Infrastruktur, die Daten näher an ihren Nutzern verarbeitet. Das Edge-Rechenzentrum Herne soll im Herbst 2027 fertiggestellt werden und zunächst zwei Megawatt IT-Leistung bereitstellen.

Das YEXIO-Rechenzentrum ist zunächst auf einen überschaubaren regionalen Bedarf ausgelegt, kann seine Kapazität jedoch auf vier Megawatt verdoppeln. Anders als große zentrale Anlagen arbeitet ein Edge-Rechenzentrum in räumlicher Nähe zu Unternehmen, Verwaltungen und digitalen Anwendungen, wodurch Daten kürzere Wege zurücklegen. Relevant ist das vor allem dort, wo sensible Informationen, kurze Reaktionszeiten und eine verlässliche Verfügbarkeit zusammenkommen. HOCHTIEF verbindet das Projekt deshalb mit digitaler Souveränität, also mit der Möglichkeit, wichtige Daten und Dienste in einer kontrollierbaren Infrastruktur vor Ort zu betreiben.

Die Nähe zu den Nutzern macht das Rechenzentrum zu einem Standortprojekt

Der Neubau ist mehr als ein zusätzliches Technikgebäude im FunkenbergQuartier. Mit dem Edge-Rechenzentrum Herne entsteht eine Basis, auf der Softwareanbieter, größere Unternehmen, der Mittelstand und die öffentliche Hand digitale Anwendungen betreiben können, ohne ausschließlich auf weit entfernte Rechenkapazitäten angewiesen zu sein. Als Nutzer der Anlage soll Yorizon Cloud-Computing- und Green-IT-Dienste anbieten, während HOCHTIEF Entwicklung, Bau und Betrieb verantwortet. Für Herne liegt die strategische Bedeutung darin, dass die regionale Cloud-Infrastruktur bestehende Betriebe versorgen und zugleich IT- und wissensbasierte Arbeitsplätze sowie kommunale Digitalprojekte begünstigen kann.

Die Stadt ordnet das Rechenzentrum als technischen Kern ihrer Smart-City-Projekte ein. Kurze Datenwege sollen Anwendungen in Mobilität, Verwaltung und Infrastruktur erleichtern und die Abhängigkeit von externen Standorten verringern. Ob daraus ein breiter Standortvorteil entsteht, hängt jedoch ebenso von Nachfrage, Dienstleistungsangebot und Einbindung in die kommunalen Systeme ab. Das Gebäude schafft damit eine Voraussetzung für den digitalen Umbau, ersetzt aber nicht die organisatorischen und finanziellen Entscheidungen für konkrete Anwendungen.

Der Holzbau und die Kühlung sollen den Ressourcenverbrauch begrenzen

Rechenzentren benötigen kontinuierlich Strom und Kühlung, weshalb ihre Umweltbilanz wesentlich von Energiequelle, Gebäudekonzept und technischer Effizienz abhängt. Für das YEXIO-Rechenzentrum ist ein Betrieb mit erneuerbaren Energien vorgesehen, während der Baukörper vollständig aus Massivholz entstehen soll. Vorgefertigte Module sollen Bauzeit und Kosten reduzieren, zugleich beziffert HOCHTIEF die Einsparung gegenüber einer Konstruktion aus Beton und Stahl auf rund 600 Tonnen Kohlendioxid. Diese Angabe betrifft den Bau des Gebäudes, nicht den gesamten späteren Energieverbrauch der Anlage.

Auch bei der Kühlung setzt das Projekt auf eine Alternative zur verbreiteten Luftkühlung. Eine direkte Wasserkühlung führt Wärme über einen geschlossenen Kreislauf ab und soll dadurch weniger Energie benötigen. Die entstehende Abwärme soll über Sektorkopplung in die lokale Energieversorgung gelangen und damit für andere Zwecke nutzbar werden. Eine begrünte Fassade und ein Regenwassermanagement sollen zudem das Mikroklima verbessern und die Technikfläche ökologisch einbetten.

Langfristiges Kapital ermöglicht den Aufbau eines größeren Netzes

Finanziert wird das Projekt gemeinsam von HOCHTIEF PPP Solutions und Palladio Partners. Der Investor stellt langfristiges Kapital aus einem Infrastrukturportfolio für Deutschland und ausgewählte EU-Staaten bereit. Diese Struktur passt zu einer Anlage, die hohe Anfangsausgaben verlangt und über viele Jahre betrieben werden soll. Die Beteiligung zeigt zugleich, dass Rechenzentren zunehmend als grundlegende Infrastruktur und nicht nur als Spezialimmobilien der IT-Branche betrachtet werden.

Herne ist nach Angaben von HOCHTIEF der vierte Standort des geplanten europäischen Netzes. Die Strategie zielt auf mehrere kleinere, regional verteilte Anlagen, die sichere Cloud-Dienste näher an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bringen. Erst weitere Standorte können aus einem einzelnen Bauvorhaben eine regionale Cloud-Infrastruktur mit größerer Reichweite machen. Für die digitale Souveränität bleibt dabei entscheidend, wer die Dienste betreibt, wo Daten gespeichert werden und welchen Regeln der Zugriff unterliegt.

Der wirtschaftliche Nutzen wird sich erst im laufenden Betrieb zeigen

Mit dem Baustart erhält Herne ein Infrastrukturprojekt, das kommunale Digitalisierung, private Cloud-Nachfrage und energiepolitische Ziele verbinden soll. Die Erweiterbarkeit auf vier Megawatt lässt Raum für steigenden Bedarf, vermeidet zunächst aber eine überdimensionierte Anlage und begrenzt damit das Investitionsrisiko. Der Erfolg wird daran zu messen sein, ob Yorizon wettbewerbsfähige Dienste bereitstellt und die versprochene Nähe für Kunden einen erkennbaren Vorteil schafft. Das Edge-Rechenzentrum Herne steht damit für eine Infrastrukturpolitik, die Digitalisierung über lokale Rechenleistung, Energieversorgung und Bauweise organisiert. Für HOCHTIEF ist Herne ein weiterer Baustein einer europäischen Strategie, für die Stadt dagegen ein konkreter Test, ob digitale Souveränität und nachhaltige Technik zu dauerhaftem wirtschaftlichem Nutzen führen.

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