Der Maschinenbauer HOMAG richtet einen Teil seines Wachstumskurses auf den industriellen Holzbau aus. Dahinter steht nicht nur die Hoffnung auf neue Aufträge, sondern auch die Erwartung, dass automatisierte Fertigung im Wohnungsbau an Bedeutung gewinnt, wenn Kosten, Personalmangel und Klimaziele gleichzeitig bewältigt werden sollen.
Im Zentrum steht die Überlegung, dass sich Teile des Bauens stärker in Fabriken verlagern lassen. Gerade beim Holzbau könnte diese Industrialisierung nach Einschätzung des Unternehmens schneller vorankommen als im konventionellen Bauen.
Die Lage am Wohnungsmarkt und in der Bauwirtschaft schafft für Anbieter von Fertigungstechnik ein günstiges Umfeld. In Ballungsräumen fehle bezahlbarer Wohnraum, während Bauunternehmen zugleich mit hohen Material- und Finanzierungskosten, Personalmangel und langwierigen Verfahren zu kämpfen hätten. HOMAG setzt deshalb auf serielle Holzbau Produktion, also auf vorgefertigte Module und Elemente, die nicht mehr überwiegend auf der Baustelle, sondern unter kontrollierten Bedingungen industriell hergestellt werden.
Für Laien lässt sich das Prinzip einfach erklären: Wände, Decken oder ganze Raumeinheiten entstehen weitgehend standardisiert in einer Fabrik und werden auf der Baustelle montiert. Das verkürzt nach Darstellung des Unternehmens die Bauzeit und macht Abläufe planbarer. Für die Branche ist das relevant, weil sich Engpässe bei Fachkräften damit zumindest teilweise abfedern lassen und weil automatisierte Bauelementfertigung dort Vorteile hat, wo klassische Baustellenarbeit langsam, teuer und störanfällig wird.
Der Holzbau wird für die Industrie interessanter, weil er Tempo und Klimafragen miteinander verbindet
Dass HOMAG Holzbau als Wachstumsfeld hervorhebt, verweist auf einen breiteren Trend. Holz gilt in der Bauwirtschaft seit Jahren als Baustoff, der sich gut für standardisierte Prozesse eignet und zugleich politisch anschlussfähig ist, weil er mit dem Ziel klimafreundlicheren Bauens verbunden wird. Das Unternehmen argumentiert, Holz könne Kohlenstoff langfristig im Gebäude binden, lasse sich vergleichsweise ressourcenschonend rückbauen und passe damit zur Idee der Kreislaufwirtschaft.
Diese ökologische Erzählung allein würde für einen Marktaufschwung allerdings kaum ausreichen. Entscheidend ist, dass der Holzbau nach Unternehmensangaben auch ökonomisch und organisatorisch Vorteile bieten könne. Mehrgeschossige Wohnbauten, Schulen oder Kindertagesstätten ließen sich zunehmend in Holz realisieren, während zugleich Märkte mit traditionell hohem Holzanteil stärker auf Vorfertigung und Automatisierung setzten. Für HOMAG Holzbau heißt das: Nicht nur der Baustoff selbst, sondern die gesamte Produktionslogik wird zum Geschäft.
Besonders im Sanierungsmarkt könnte industrielle Fertigung schneller Wirkung zeigen als im Neubau
Bemerkenswert ist, dass HOMAG seine Erwartungen nicht allein an neue Wohngebäude knüpft. Das Unternehmen verweist auch auf die energetische Sanierung als zentralen Treiber. Gerade dort könnten Holzfassadenelemente an Bedeutung gewinnen, weil sich gedämmte und passgenau gefertigte Bauteile im Werk vorbereiten und vor Ort vergleichsweise schnell montieren lassen. Für Bewohner und Eigentümer wäre das attraktiv, weil Eingriffe am Bestandsgebäude kürzer ausfallen könnten als bei herkömmlichen Verfahren.
Strategisch ist dieser Punkt wichtig, weil der Sanierungsmarkt oft verlässlicher ist als der Neubau. Wenn Millionen Wohnungen modernisiert werden müssen, entsteht daraus ein Bedarf, der weniger von einzelnen Projektzyklen abhängt. Für die serielle Holzbau Produktion eröffnet das ein zweites Standbein neben dem klassischen Wohnungsbau Deutschland. Hinzu kommt, dass sich solche Elemente laut Unternehmen auch für Dachaufstockungen und Erweiterungen eignen, also für Maßnahmen, die in dicht bebauten Städten zusätzlichen Wohnraum schaffen können, ohne neue Flächen zu versiegeln.
HOMAG versucht, mit gebündelten Tochterfirmen eine Schlüsselrolle in der Lieferkette zu besetzen
HOMAG beschreibt sein Angebot nicht als Einzelmaschine, sondern als industrielles System. Drei Tochtergesellschaften aus Deutschland und Dänemark deckten nach Unternehmensangaben die wesentlichen Schritte ab, die für Wand-, Decken- und Dachelemente erforderlich seien. Das ist aus Wettbewerbssicht relevant, weil Kunden in der Regel keine isolierte Lösung suchen, sondern möglichst geschlossene Prozessketten. Wer mehrere Fertigungsschritte aus einer Hand anbieten kann, stärkt seine Position in der Lieferkette.
Dass HOMAG diesen Bereich hervorhebt, hängt auch mit den jüngsten Geschäftssignalen zusammen. Für 2025 meldet das Unternehmen einen Rekordauftragseingang von 235 Millionen Euro in diesem Segment. Zudem verweist die Muttergesellschaft Dürr auf die strategische Bedeutung des Geschäfts. Vorstandschef Dr. Jochen Weyrauch erklärte: „Das Holzbaugeschäft ist eines der wichtigsten Wachstumsfelder für den Dürr-Konzern.” Als Beleg für die internationale Nachfrage nennt HOMAG außerdem einen Großauftrag aus Nordamerika in hohem zweistelligen Millionenbereich, der als bislang größter Auftrag im Holzbau beschrieben wird. Das deutet darauf hin, dass sich automatisierte Bauelementfertigung nicht nur als Spezialthema für einzelne Nischen entwickelt, sondern als industrieller Markt mit wachsender globaler Reichweite.


