HUGO BOSS ordnet seine Organisation neu und trennt die Verantwortung für Damen- und Herrenmode klarer. Künftig sollen zwei eigenständige Powerhouses die Bereiche steuern, jeweils über beide Marken BOSS und HUGO hinweg. Der Konzern verbindet die Modekonzern Reorganisation mit der Erwartung, dass Entscheidungen schneller werden und die Zusammenarbeit zwischen den Marken messbar effizienter läuft.
HUGO BOSS schafft zwei eigenständige Einheiten für Menswear und HUGO BOSS Womenswear und setzt damit auf Spezialisierung als Steuerungsprinzip. Solche Strukturen sind in der Branche häufig ein Signal, dass Wachstum nicht mehr nur über mehr Vertrieb, sondern über präzisere Sortimentsarbeit kommen soll, von der Produktplanung bis zur Markteinführung. Die Powerhouse-Struktur HUGO BOSS dürfte deshalb weniger als kosmetischer Umbau zu lesen sein, sondern als Versuch, Verantwortung zu bündeln und Reibungsverluste zu reduzieren. Ob das gelingt, entscheidet sich in der Praxis daran, ob Kollektionen konsistenter ausfallen, schneller auf Nachfrage reagieren und weniger Ware mit Preisnachlässen abverkauft werden muss.
Mit dem Schritt rückt HUGO BOSS Womenswear strategisch stärker in den Mittelpunkt, was auch an der neuen Führungsrolle sichtbar wird. Zum 15. Januar übernimmt Kerstin Dorst die neu geschaffene Position Senior Vice President Business Unit Womenswear und berichtet an Oliver Timm, Chief Sales Officer und stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Timm begründet die Maßnahme so: „Mit der neuen Organisationsstruktur richten wir unsere Business Units neu aus, um unseren Fokus auf Womenswear weiter zu schärfen und die Basis für zukünftiges Wachstum zu legen.“ Damit setzt der Konzern die CLAIM 5 Strategie operativer um und macht gleichzeitig deutlich, dass der Umbau nicht nur internen Abläufen dienen soll, sondern dem Ausbau eines Segments, das im Premiumgeschäft besonders umkämpft ist.
Die Personalie Dorst deutet auf eine stärkere Verknüpfung von Mode und Alltagsfunktion hin
Dorst komme laut Unternehmen von Tory Burch, wo sie mehr als zehn Jahre in New York am Ausbau der Hauptkollektion und der Sportswear gearbeitet habe. Davor habe sie bei Adidas in Deutschland und Asien Station gemacht und unter anderem an der Einführung einer Premium-Sportswear-Linie mitgewirkt. Der Mix aus Modehaus und Sportartikelhersteller passt zu einem Markt, in dem Kundenerwartungen zunehmend zwischen formellerem Premiumanspruch und lässiger Tragbarkeit pendeln. Für HUGO BOSS Womenswear könnte das bedeuten, dass der Konzern Kollektionen stärker auf vielseitige Anlässe ausrichtet, ohne sich zu weit in Richtung reiner Freizeitmode zu bewegen.
In der neuen Rolle soll Dorst zudem die kreative Ausrichtung der Womenswear-Kollektionen verantworten und eng mit Marco Falcioni als Creative Director zusammenarbeiten. Das ist ein Hinweis darauf, dass HUGO BOSS die Produktseite enger mit der Markenführung verzahnen will, statt sie allein als Vertriebsaufgabe zu behandeln. Gleichzeitig erhöht die Modekonzern Reorganisation den Erwartungsdruck, weil Verantwortung klarer zugeordnet wird und sich Erfolge oder Misserfolge schneller an einem Bereich festmachen lassen. Für die CLAIM 5 Strategie wäre das ein Vorteil, wenn die neue Aufstellung tatsächlich zu besserer Marktpassung führt.
Der Umbau hat auch Folgen für das Herrengeschäft und für die Steuerung über beide Marken
Im Menswear-Bereich bleibt Christian Schwinn laut Mitteilung verantwortlich für BOSS Menswear und übernimmt zusätzlich HUGO Menswear als Senior Vice President Business Unit Menswear. Damit spiegelt der Herrenbereich die neue Logik, dass eine Einheit die Marken übergreifend führt und so Synergien nutzen soll. Die Powerhouse-Struktur HUGO BOSS ist damit auch ein Versuch, die Balance zwischen Markenprofil und gemeinsamer Organisation zu finden, was in vielen Konzernen über Jahre hinweg eine Dauerbaustelle bleibt. Wenn das Modell funktioniert, kann es Planungsprozesse vereinheitlichen und die interne Abstimmung reduzieren, ohne die Marken zu stark zu verwässern.
Für die Lieferkette und die Sortimentssteuerung kann eine solche Struktur ebenfalls relevant sein, weil klarere Verantwortlichkeiten oft zu weniger kurzfristigen Korrekturen führen. Gerade bei HUGO BOSS Womenswear, wo Trendrisiken und Retourenquoten typischerweise höher ausfallen als im klassischen Herrensegment, wird der Anspruch an Planung und Timing größer. Der Umbau ist damit auch eine Wette darauf, dass Spezialisierung und zentrale Koordination zugleich möglich sind. Ob die Modekonzern Reorganisation den erhofften Effekt bringt, dürfte sich erst zeigen, wenn die nächsten Kollektionen unter der neuen Struktur am Markt messbar besser abschneiden.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von HUGO BOSS, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


