Infineon stärkt Physical AI Sicherheit mit TPM für NVIDIA Jetson Thor

Infineon Technologies integriert sein OPTIGA TPM in die Robotikplattform NVIDIA Jetson Thor. Der Münchener Halbleiterkonzern will damit eine hardwarebasierte Sicherheitsgrundlage für autonome Maschinen schaffen, die künftig in Fabriken, Logistikzentren, Kliniken und öffentlichen Räumen eingesetzt werden.

Mit wachsender Rechenleistung und größerer Autonomie steigen auch die Risiken. Ein kompromittierter Roboter kann nicht nur Daten verlieren, sondern Produktionsprozesse stören, Lieferketten verzögern oder physische Schäden verursachen. Cybersecurity wird deshalb zu einer Voraussetzung für den industriellen Einsatz von Physical AI.

Hardware-Sicherheit wird zum Wettbewerbsfaktor

Das OPTIGA TPM speichert kryptografische Schlüssel in einem getrennten Hardwarebereich. Dadurch sind sensible Informationen besser geschützt, selbst wenn andere Teile des Systems angegriffen werden.

Ein sogenannter Root of Trust bildet die Vertrauensbasis des Geräts. Beim Start und während des Betriebs kann das System prüfen, ob Softwarekomponenten authentisch und unverändert sind. Für autonome Roboter ist diese Kontrolle besonders wichtig, weil Manipulationen direkte Auswirkungen auf Bewegungen und Entscheidungen haben können.

Infineons Sicherheitsmodul unterstützt unter anderem Measured Boot. Dabei wird der Startzustand des Systems erfasst und überprüft. Hinzu kommt Remote Attestation. Mit diesem Verfahren kann ein Betreiber aus der Ferne kryptografisch bestätigen, dass ein Roboter mit unveränderter und zugelassener Software arbeitet.

Solche Funktionen gewinnen an Bedeutung, wenn Unternehmen große Roboterflotten über viele Jahre betreiben. Geräte müssen regelmäßig aktualisiert, überwacht und gegenüber Kunden, Prüfern oder Behörden als sicher nachgewiesen werden.

Jetson Thor soll Sicherheit früher in die Entwicklung bringen

NVIDIA Jetson Thor richtet sich an Entwickler von Robotik und Edge AI. Gemeint sind Systeme, die KI-Berechnungen direkt am Einsatzort ausführen und in Echtzeit auf ihre Umgebung reagieren.

Durch die Integration des TPM können Sicherheitsfunktionen bereits in der Architekturphase berücksichtigt werden. Entwickler müssen sie nicht erst nachträglich ergänzen. Das kann Kosten senken, weil spätere Änderungen an Hardware und Sicherheitsdesign in der Robotik aufwendig sind.

Bei autonomen Maschinen müssen Softwareintegrität, geschützte Modellschlüssel und verschlüsselte Kommunikation zusammen gedacht werden. Auch Over-the-Air-Updates stellen hohe Anforderungen. Sie erleichtern die Wartung verteilter Flotten, schaffen jedoch neue Angriffspunkte, wenn Aktualisierungen nicht signiert und überprüfbar sind.

Die Kooperation zeigt deshalb, dass der Wettbewerb um Physical AI nicht allein über Rechenleistung entschieden wird. Sicherheit, Compliance und langfristige Betreibbarkeit werden zu ebenso wichtigen Kriterien.

Regulierung erhöht den Druck auf nachweisbare Sicherheit

Der Zeitpunkt der Zusammenarbeit ist regulatorisch relevant. In Europa verschärfen der Cyber Resilience Act und der EU AI Act die Anforderungen an digitale Produkte und risikobehaftete KI-Anwendungen.

Für industrielle Systeme spielt zudem die Norm IEC 62443 eine wichtige Rolle. Sie beschreibt Anforderungen an Cybersicherheit in Automatisierungs- und Steuerungsumgebungen.

In Branchen wie Gesundheitswesen, Logistik und Automobilindustrie dürfte die Nachfrage nach auditierbarer Hardware-Sicherheit weiter steigen. Betreiber müssen zunehmend belegen können, wie Geräte geschützt, aktualisiert und während ihres gesamten Lebenszyklus überwacht werden.

Physical AI Sicherheit wird dadurch zu einer wirtschaftlichen Planungsfrage. Sie kann beeinflussen, ob ein System zugelassen wird, welche Betriebskosten entstehen und in welchen Märkten es eingesetzt werden darf.

Da Roboter oft über viele Jahre entwickelt und betrieben werden, müssen Hersteller auch auf künftige regulatorische Änderungen reagieren können. Eine belastbare Hardwarebasis kann spätere Anpassungen erleichtern.

Post-Quantum-Kryptografie soll lange Produktzyklen schützen

Infineon verweist außerdem auf Post-Quantum-Kryptografie. Darunter fallen Verfahren, die auch Angriffen durch künftige leistungsfähige Quantencomputer standhalten sollen.

Das heutige OPTIGA TPM verfügt nach Angaben des Unternehmens über einen postquanten-gesicherten Mechanismus für Firmware-Updates. Damit soll verhindert werden, dass Aktualisierungen selbst zum Einfallstor werden, wenn sich kryptografische Bedrohungen verändern.

Für Robotik ist dieser Aspekt besonders wichtig. Industrielle Maschinen und humanoide Roboter haben häufig längere Produkt- und Einsatzzyklen als Konsumgeräte. Sicherheitsarchitekturen müssen deshalb über viele Jahre aktualisierbar bleiben.

Dr. Stephan Zizala, Divisionspräsident Connected Secure Systems bei Infineon, erklärt: „Roboter, die die reale Welt wahrnehmen, analysieren und auf sie reagieren, sind nur so vertrauenswürdig wie die Sicherheitsbasis, auf der sie aufgebaut sind.“

Infineon arbeitet zudem an einer neuen TPM-Generation, die Algorithmen wie ML-KEM und ML-DSA unterstützen soll. Diese Verfahren wurden 2024 vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology standardisiert und gelten als Grundlage künftiger quantenresistenter Systeme.

Für Hersteller ist dabei entscheidend, ob bestehende Roboterflotten später ohne tiefgreifende Hardwareänderungen auf neue Sicherheitsstandards umgestellt werden können.

Halbleiter gewinnen in der Robotik an Bedeutung

Die Kooperation verdeutlicht, wie stark sich die Wertschöpfung in der Robotik in Richtung Halbleiter verschiebt. Autonome und humanoide Roboter benötigen Sensoren, Aktoren, Energiemanagement, Konnektivität und hohe Rechenleistung.

Sicherheit verbindet diese Bereiche. Sie schützt Identitäten, Kommunikationswege, Software und digitale Modelle. Das TPM wird dadurch nicht als Zusatzfunktion betrachtet, sondern als Teil der gesamten Systemarchitektur.

Infineon beziffert den geschätzten Halbleiteranteil eines humanoiden Roboters auf rund 500 US-Dollar. Die Zahl zeigt, dass Robotik nicht nur ein Software- und KI-Markt ist, sondern auch ein wachsendes Geschäftsfeld für spezialisierte Chips.

Infineon positioniert sich dabei breiter als ein reiner Anbieter von Sicherheitsbausteinen. Der Konzern liefert auch Komponenten für Stromversorgung, Sensorik, Konnektivität und sichere Identitäten.

Diese Breite könnte zum Vorteil werden, wenn Hersteller ihre Roboterplattformen für die Serienproduktion standardisieren. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb um sicherheitskritische Komponenten, weil diese künftig stärker über Zulassungen, Verträge und Betriebsrisiken entscheiden.

Mit der Integration in NVIDIA Jetson Thor versucht Infineon, frühzeitig Teil der entstehenden Physical-AI-Infrastruktur zu werden. Ob sich daraus ein breiter Markt entwickelt, hängt davon ab, wie schnell autonome Maschinen in regulierten und industriellen Umgebungen eingesetzt werden und ob Hersteller Sicherheit von Beginn an in ihre Plattformen integrieren.

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