Jungheinrich gewinnt für Liebherr-Projekt den IFOY Award 2026

Jungheinrich hat für eine gemeinsam mit Liebherr entwickelte Lösung zur Ersatzteillogistik den IFOY Award 2026 erhalten. Automatisierte Intralogistik, die nicht nur Waren bewegt, sondern Abläufe mithilfe von Daten laufend neu ordnet, rückt dadurch stärker in den Mittelpunkt. Jungheinrich und Liebherr zeigen mit dem Projekt, wie ein KI-gestütztes Warehouse-Management unter realen Bedingungen eingesetzt werden kann.

Ausgezeichnet wurde die Lösung in der Kategorie „Integrated Customer Solution“. Nach den Angaben aus dem Wettbewerbsverfahren setzte sie sich gegen 16 weitere Finalisten durch, wobei eine internationale Jury aus Fachjournalisten unter anderem Funktionalität, Innovationsgrad, Kundennutzen und Marktrelevanz bewertete. Hinzu kamen Praxistests im IFOY Test Camp Intralogistics, wodurch der Preis weniger als reine Produktprämierung, sondern als Urteil über das Zusammenspiel mehrerer Systeme zu verstehen ist.

KI-gestütztes Warehouse-Management verschiebt Entscheidungen in den laufenden Betrieb

Im Zentrum steht eine Software, die Betriebs- und Prozessdaten fortlaufend auswertet und Aufträge in Echtzeit priorisiert. Anders als bei starren Regelwerken soll die Reihenfolge damit von aktuellen Lagerinformationen, laufenden Vorgängen und engen Lieferfenstern abhängen. Die Technik übernimmt somit keine abstrakte Prognoseaufgabe, sondern greift direkt in die Lagersteuerung ein und entscheidet, welcher Prozess als Nächstes Vorrang erhält.

Für die Ersatzteillogistik ist dieser Ansatz besonders relevant, weil Verzögerungen schnell Folgen für nachgelagerte Abläufe haben können. Die ausgezeichnete Lösung soll nach Angaben der Beteiligten die Effizienz und Termintreue erhöhen sowie die Prozesskosten senken. Belastbare Kennzahlen nennt die Mitteilung allerdings nicht, sodass sich die behaupteten Effekte von außen nicht im Detail überprüfen lassen.

Automatisierte Intralogistik entsteht durch Integration statt durch Einzelprodukte

Bemerkenswert ist, dass nicht ein einzelnes Fahrzeug oder eine isolierte Software ausgezeichnet wurde, sondern eine Gesamtlösung. Solche Projekte funktionieren erst durch das Zusammenspiel von Lagertechnik, Datenverarbeitung und operativen Abläufen. Der Wettbewerbsvorteil liegt deshalb weniger in einer spektakulären Einzelinnovation als in der Fähigkeit, verschiedene Komponenten so zu verbinden, dass sie im täglichen Betrieb zuverlässig arbeiten.

Für Jungheinrich stärkt der IFOY Award 2026 die Position als Anbieter komplexer Automatisierungsprojekte. Zugleich verweist das Projekt auf einen breiteren Wandel im Markt, denn Kunden erwarten zunehmend Systeme, die flexibel auf schwankende Auftragslagen reagieren und sich bei wachsendem Volumen erweitern lassen. Die hervorgehobene Skalierbarkeit ist daher nicht nur ein technisches Merkmal, sondern ein strategisches Versprechen an Unternehmen, die ihre Lieferkette widerstandsfähiger organisieren wollen.

Die Auszeichnung erhöht den Druck, den praktischen Nutzen dauerhaft zu belegen

Die Preisverleihung am 25. Juni 2026 bei AEB SE in Stuttgart verschafft dem Projekt zusätzliche Aufmerksamkeit in der Branche. Entscheidend wird jedoch sein, ob sich die Lösung auch über den ausgezeichneten Einzelfall hinaus übertragen lässt, ohne dass Komplexität und Kosten unverhältnismäßig steigen. Gerade bei KI im Lager hängt der wirtschaftliche Nutzen davon ab, ob Datenqualität, Prozessdisziplin und technische Integration dauerhaft zusammenpassen.

Die Kooperation von Jungheinrich und Liebherr hat auch eine industriepolitische Dimension, weil sie interne Digitalisierung mit industrieller Wettbewerbsfähigkeit verbindet. Sollte sich das Modell auf weitere Standorte und Auftragsprofile übertragen lassen, könnte es zum Maßstab für ähnliche Projekte in der Ersatzteillogistik werden. Der Preis liefert dafür ein starkes Signal, ersetzt aber nicht den langfristigen Nachweis im Betrieb.

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