Krones beschleunigt Simulationen in Abfülllinien mit KI-Zwillingen

Krones beschreibt einen Technologiesprung, der die digitale Planung und Optimierung von Abfüll- und Verpackungsanlagen deutlich beschleunigen soll. Im Kern geht es um Krones Digital Twins, die Simulation und KI so verknüpfen, dass Produktionsentscheidungen schneller vorbereitet werden könnten. Hinter dem Vorstoß steht auch die Frage, wie sich Anlagenbau und Getränkeindustrie in Zeiten steigender Energie- und Ressourcenkosten effizienter aufstellen.

Krones verlagere die Optimierung seiner Linien in eine neue Rhythmik, weil Simulationen nach Unternehmensangaben nicht mehr in Stunden, sondern in Minuten laufen sollen. Dafür kombiniere der Anlagenbauer physikalisch basierte Modelle mit Agentic Digital Twins, also digitalen Zwillingen, die nicht nur abbilden, sondern mit KI-Agenten Varianten bewerten und Parameter selbstständig nachjustieren könnten. Das sei mehr als ein weiteres Digitalisierungsprojekt, weil sich damit die Logik der Prozessverbesserung ändere: Statt seltene, aufwendige Simulationsfenster zu planen, werde kontinuierliches Ausprobieren möglich, zumindest im virtuellen Modell. Für die Simulation Getränkeproduktion ist das relevant, weil dort kleine Abweichungen schnell Ausschuss, Stillstände oder erhöhte Verbräuche nach sich ziehen können und weil die Prozesse stark miteinander verkettet sind.

Zugleich positioniert Krones das Vorhaben als Teil seiner Produktentwicklung. Der digitale Zwilling sei demnach auch bei der Entwicklung und Optimierung des neuen Linienkonzepts „Ingeniq“ eingesetzt worden, das auf der drinktec 2025 gezeigt werden soll. Damit rücke der digitale Zwilling näher an die frühe Phase der Anlagenplanung, in der Layout, Taktung und Prozessparameter die spätere Wirtschaftlichkeit oft stärker prägen als spätere Feinjustierungen. Krones stellt die Initiative damit in einen Kontext, der über einzelne Maschinen hinausgeht und auf komplette Linien und deren Betrieb zielt.

Der Schulterschluss mit großen Plattformanbietern macht Krones schneller, aber auch abhängiger

Krones schildert die Umsetzung als Ökosystemprojekt mit mehreren Partnern, darunter Ansys, CADFEM, Microsoft, NVIDIA und SoftServe. Der Ansatz folgt einem Muster, das in der Industrie zunehmend zu sehen ist: Spezialwissen für Simulation, Datenintegration und KI wird mit Standardplattformen für Rechenleistung und Datenhaltung verknüpft. Für Krones kann das die Entwicklung beschleunigen, weil nicht jede Komponente selbst gebaut werden muss. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von Schnittstellen, Lizenzmodellen und Roadmaps der beteiligten Technologieanbieter, was langfristig strategische Fragen nach Kosten, Kontrolle und Austauschbarkeit aufwirft.

Technisch setzt Krones nach eigenen Angaben auf eine Kombination aus physikalisch exakten Simulationen und einer Umgebung für 3D-Daten und Interoperabilität, die über OpenUSD organisiert werden soll. Auch Microsoft Azure Cloud wird als Rechenplattform genannt, auf der die rechenintensiven Vorgänge laufen sollen. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Leistungsversprechen weniger aus einzelnen Algorithmen, sondern aus der Industrialisierung von Simulation entstehen sollen: mehr Rechenkapazität, bessere Datenflüsse, schnellere Iterationen. Krones argumentiert, dass sich der Nutzen besonders dort zeige, wo viele Parameter gleichzeitig wirken und wo das reale Experiment teuer oder riskant wäre.

Wenn KI-Agenten Parameter setzen, verschiebt sich Verantwortung im Betrieb

Krones macht deutlich, dass der entscheidende Schritt nicht allein die Beschleunigung ist, sondern die Teilautomatisierung von Entscheidungen. Bei Agentic Digital Twins sollen KI-Agenten Szenarien testen, Ergebnisse bewerten und neue Durchläufe anstoßen, bis sich bessere Einstellungen herauskristallisieren. Das klingt nach einem Optimierungskreislauf, der menschliche Eingriffe reduziert und den digitalen Zwilling vom Analysewerkzeug zum aktiven Steuerungshelfer macht. Markus Tischer, Vorstandsmitglied von Krones, sagt dazu wörtlich: „Mit den Agentic Digital Twins zeigen wir, dass Digitalisierung und KI nicht nur Vision sind, sondern heute schon konkrete Effizienzgewinne und nachhaltige Vorteile bringen“.

Für Betreiber von Abfüll- und Verpackungslinien stellt sich damit eine praktische Frage: Wie viel Entscheidungsspielraum bekommt ein System, das in Minuten neue Vorschläge generiert, und wie wird nachvollziehbar, warum eine Einstellung empfohlen wird. Gerade in der Simulation Getränkeproduktion sind Parameter wie Durchfluss, Druck oder Temperatur nicht nur technische Größen, sondern Stellhebel mit Auswirkungen auf Qualität, Hygiene, Energieeinsatz und Ausschuss. Krones beschreibt, dass die besten virtuellen Lösungen anschließend auf reale Anlagen übertragen würden. In der Praxis dürfte das bedeuten, dass Unternehmen Regeln, Freigaben und Kontrollmechanismen definieren müssen, damit aus schneller Optimierung keine unkontrollierte Dynamik wird, etwa wenn sich Rahmenbedingungen ändern oder Sensorwerte fehlerhaft sind.

Der Nutzen zielt auf Wasser, Energie und Stillstände und trifft den Nerv der Branche

Krones führt als mögliche Effekte kürzere Inbetriebnahmen, weniger Stillstände und einen effizienteren Ressourceneinsatz an, darunter sinkender Wasserverbrauch. Solche Ziele passen zur Lage der Getränkeindustrie, in der Kosten- und Nachhaltigkeitsdruck gleichzeitig steigen und in der Produktionslinien oft auf hohe Verfügbarkeit getrimmt sind. Digitale Zwillinge können dabei helfen, weil sie Eingriffe zunächst risikofrei testen. Der entscheidende Unterschied ist, ob ein Unternehmen punktuell simuliert oder ob Krones Digital Twins als laufendes System verstanden werden, das dauerhaft mit Daten gefüttert wird und regelmäßig neue Empfehlungen erzeugt.

Dass Krones die Lösung in Kooperation entwickelt, deutet auch auf ein Wettbewerbsthema hin. Im Maschinen- und Anlagenbau verschiebt sich die Differenzierung zunehmend von reiner Mechanik zu Software, Datenkompetenz und Integration. Wer Simulationen und Optimierung in den Alltag der Produktion bringt, kann Kunden stärker binden, etwa über Services, Updates und wiederkehrende Datenprojekte. Krones sendet damit ein Signal in Richtung Industrie 4.0, dass der Anlagenbauer nicht nur Hardware liefern, sondern einen digitalen Betrieb mitgestalten will. Für die Lieferketten bedeutet das im Idealfall stabilere Auslastung und weniger Störungen, weil Anpassungen früher erkannt werden. Gleichzeitig entsteht ein neues Abhängigkeitssystem, in dem Datenqualität, Cloud-Zugänge und Schnittstellen zum kritischen Produktionsfaktor werden.

Die eigentliche Wette lautet: Standardisierung der Daten statt einzelner Pilotprojekte

Krones betont, die Lösung sei in kurzer Zeit entstanden und soll als Plattform für weitere Erweiterungen dienen. Das ist die zentrale Wette hinter vielen Digital-Twin-Initiativen: Nicht der einzelne Use Case entscheidet, sondern ob sich Datenmodelle, Visualisierung und Simulation als Standard über mehrere Anlagen und Standorte ausrollen lassen. Krones knüpft diese Perspektive an seine Produktentwicklung, etwa über das Ingeniq-Linienkonzept, und an eine Infrastruktur, die skalieren soll. Ob das gelingt, hängt weniger von einer einzelnen Demonstration ab als davon, wie robust die Modelle im Alltag sind, wie gut sie mit realen Störungen umgehen und wie klar die Verantwortlichkeiten zwischen Mensch und System geregelt werden.

Ein zweiter Hebel ist die Verständlichkeit der Ergebnisse. Thomas Albrecht, Head of Simulation bei Krones, beschreibt den Anspruch wörtlich so: „Unsere Lösung integriert KI-basierte High-End-Fluidsimulation in den digitalen Zwilling der Abfüllmaschine und eröffnet damit völlig neue Möglichkeiten der Prognose, Optimierung und Visualisierung.“ Gerade Visualisierung kann zum Akzeptanzfaktor werden, wenn Schichtleiter oder Instandhaltung nicht nur eine Empfehlung sehen, sondern deren Konsequenzen nachvollziehen können. Für Krones ist das zugleich ein strategischer Schritt: Wer Microsoft Azure Cloud und Partnerkompetenzen nutzt, kann schneller in die Breite kommen, muss aber dauerhaft beweisen, dass Krones Digital Twins nicht als Laborprojekt stehen bleiben, sondern als verlässliches Werkzeug in der Produktion funktionieren.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Krones, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

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