Knorr-Bremse öffnet sich für ein Geschäftsfeld abseits des klassischen Bremsenmarkts und setzt dabei auf Kreislaufwirtschaft Europa als strategischen Rahmen. Ein neuer Wettbewerb soll Start-ups und kleinere Unternehmen anlocken, die Recycling und Demontage industriell skalieren können.
Knorr-Bremse will sich im Themenfeld Knorr-Bremse Green-Tech positionieren und sucht dafür externe Innovationspartner, die bislang eher in der Start-up-Szene zu Hause sind. Im Kern geht es um Technologien, die Hightech-Komponenten am Ende ihres Lebenszyklus nicht nur zerlegen, sondern auch die darin gebundenen Materialien wieder nutzbar machen sollen. Das Unternehmen stellt das Vorhaben als ersten Schritt in Richtung eines neuen Geschäftsfelds dar, das über die eigenen etablierten Lieferketten hinausreicht.
Dabei setzt Knorr-Bremse auf Automatisierte Demontage Robotik als Hebel, um Prozesse zu beschleunigen und Fehleranfälligkeit zu reduzieren. Hinter dem Ansatz steckt eine einfache Rechnung: Wenn die Zerlegung komplexer Baugruppen maschinell gelingt, kann die Rückgewinnung wirtschaftlicher werden und damit für Industriepartner attraktiver. Ob daraus kurzfristig ein profitables Standbein entsteht, bleibt offen, denn der Übergang vom Pilot zur Serienfähigkeit gilt in diesem Segment als anspruchsvoll.
Knorr-Bremse testet Kreislaufwirtschaft als neues Standbein
Der Vorstoß wirkt auch wie eine Reaktion auf ein Umfeld, in dem Verfügbarkeit, Preise und Herkunft von Materialien stärker in den Fokus rücken. In vielen Industrien wächst der Druck, Wertstoffe länger im Kreislauf zu halten und Abhängigkeiten von volatilen Beschaffungsmärkten zu reduzieren, besonders in Kreislaufwirtschaft Europa. Knorr-Bremse ordnet das Thema als wirtschaftliche Chance ein und knüpft daran die Erwartung, dass aus der Rückgewinnung neue Erlösmodelle entstehen könnten.
Auffällig ist, dass der Einstieg nicht als klassisches Forschungsprogramm startet, sondern als Wettbewerb mit konkretem Anreizsystem. Das spricht dafür, dass Knorr-Bremse weniger an reiner Grundlagenarbeit interessiert ist, sondern an Lösungen, die zeitnah in industrielle Abläufe überführt werden können. Marc Llistosella, CEO der Knorr-Bremse AG, sagte: „Automatisierte Demontage- und Recyclingtechnologien sind entscheidend für eine robuste Wirtschaft.“
Automatisierte Demontage soll Recycling industrialisieren, aber die Hürden sind hoch
Inhaltlich zielt der Wettbewerb auf zwei Bereiche, die sich in der Praxis gegenseitig bedingen: Demontage und Rückgewinnung. Automatisierte Demontage Robotik soll Bauteile nicht nur trennen, sondern so sortieren, dass Materialströme sauber genug für die Weiterverarbeitung bleiben. Gerade bei komplexen Produkten ist das oft der Engpass, weil Klebstoffe, Verbundmaterialien oder wechselnde Bauteilvarianten die Standardisierung erschweren.
Knorr-Bremse verweist in diesem Zusammenhang auf den Einsatz von KI-gestützte Robotik, die in der Lage sein soll, Bauteile zu erkennen und Greif- und Trennschritte anzupassen. Für Laien lässt sich das als Mix aus Kamerasystemen, lernenden Algorithmen und Industrierobotern beschreiben, der Entscheidungen trifft, die früher manuell erfolgen mussten. Ob solche Systeme in der Breite funktionieren, hängt jedoch stark davon ab, wie robust sie gegenüber Produktvielfalt sind und wie gut sie sich in bestehende Recyclingprozesse integrieren lassen.
Der Circular Technology Award verbindet Industrie, Start-ups und Politikinteressen
Das Format trägt den Namen Circular Technology Award und richtet sich ausdrücklich an Start-ups sowie KMUs in Europa. Vier Gewinner sollen jeweils 25.000 Euro erhalten, zusätzlich stellt Knorr-Bremse ein Budget von bis zu 150.000 Euro für ein Proof-of-Concept in Aussicht, falls eine Umsetzung gemeinsam erfolgt. Der Bewerbungszeitraum endet am 2. März 2026, die Sieger sollen am 6. Mai 2026 auf der IFAT Messe bekanntgegeben werden.
Strategisch interessant ist die Einbettung in ein Netzwerk aus Industrie und Innovationsförderung. Knorr-Bremse kooperiert nach eigenen Angaben mit der Heinz Hermann Thiele Familienstiftung und mit CIRCULAR REPUBLIC, einem Hub an UnternehmerTUM, das eng mit der TU München arbeitet und damit Zugang zu Gründungs- und Industriekontakten verspricht. Die Jury ist prominent besetzt, unter anderem mit Vertretern aus Industrie und Forschung sowie mit Philipp Rösler, was dem Vorhaben Sichtbarkeit verschaffen dürfte. Gleichzeitig zeigt die Zusammensetzung, dass es nicht nur um Technik geht, sondern auch um Standortfragen, Investitionsstrategie und die Sicherung kritischer Rohstoffe.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Knorr-Bremse, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


