Krones wird beim German Design Award 2026 gleich zweimal ausgezeichnet. Prämiert werden ein digitaler Showroom für die Produktpräsentation und die Central Operation Unit als Arbeitsplatz für die Überwachung von Getränkeproduktionsanlagen. Die Preisverleihung ist für Februar 2026 in Frankfurt am Main angekündigt.
In vielen Industriebranchen ist Gestaltung lange als nachgeordnetes Thema behandelt worden, gerade im klassischen Anlagenbau. Dass Krones nun mit zwei Projekten beim German Design Award 2026 sichtbar wird, lässt sich deshalb auch als Signal lesen, wie stark sich der Wettbewerb verschiebt: Nicht nur technische Leistungswerte zählen, sondern auch, wie Technik erklärt, bedient und in Prozesse integriert wird. Unter dem Stichwort Krones German Design Award wird damit ein Trend greifbar, der in Deutschland besonders den exportorientierten Maschinenbau betrifft, der immer häufiger mit digitalen Angeboten und Effizienzversprechen um Aufmerksamkeit kämpft.
Für Krones Neutraubling Anlagenbau spielt diese Wahrnehmung eine doppelte Rolle. Zum einen wird die eigene Position als Anbieter kompletter Prozess-, Abfüll- und Verpackungslösungen betont, zum anderen wird ein Bild von Modernität erzeugt, das auf Kundenseite Vertrauen in Investitionsentscheidungen stützen soll. Designpreise sind zwar kein Ersatz für betriebswirtschaftliche Kennziffern, sie können aber helfen, erklärungsbedürftige Produkte aus der Nische der Technikdetails herauszuholen und in eine verständlichere Sprache zu übersetzen.
Digitale Showrooms werden im Maschinenbau zum Vertriebsmittel
Der ausgezeichnete Krones 3D-Showroom setzt genau an dieser Übersetzungsarbeit an. Das Konzept wurde laut Unternehmensangaben erstmals auf der drinktec 2025 in München gezeigt und soll als interaktive Umgebung funktionieren, in der sich eine virtuelle Produktionshalle erkunden lässt. Anders als klassische Messevideos oder Renderings bietet das Format eine Navigation, die an bekannte Spielmechaniken erinnert und damit auch komplexe Anlagen leichter greifbar macht. Entwickelt wurde das Tool nach Angaben von Krones gemeinsam mit der Polypic GmbH, technisch basiert es auf Unreal Engine 5.
Strategisch interessant ist weniger die Spieloptik als der dahinterliegende Vertriebs- und Schulungsgedanke. Der Showroom dient als digitales Schaufenster für die Ingeniq PET-Linie und passt in eine Zeit, in der Reisebudgets, Nachhaltigkeitsanforderungen und Fachkräftemangel die Art verändern, wie Anlagen erklärt und verkauft werden. Krones verbindet damit die Hoffnung, dass Produktkommunikation planbarer wird und weniger von einzelnen Messekontakten abhängt. Teamleiter Andreas Wurm formuliert es so: „Wir möchten unsere Kunden mit innovativen Lösungen begeistern.“
Ein Bedienplatz als Designthema zeigt den Druck zur Effizienz
Die zweite Auszeichnung zielt stärker auf den laufenden Betrieb. Die Krones Central Operation Unit ist als Arbeitsplatz konzipiert, an dem Software-Systeme zusammenlaufen und Bedienpersonal Störungen in Getränkeproduktionsanlagen schneller erkennen soll. In einer Branche, in der Stillstände teuer sind, rückt damit ein Bereich ins Zentrum, der lange als rein funktional galt: die Steuerwarte, der Leitstand, die Schnittstelle zwischen Mensch und Anlage. Krones argumentiert, dass sich über schnellere Reaktion nicht nur Ausfallzeiten reduzieren ließen, sondern auch Energieverbrauch und CO₂-Emissionen, weil Anlagen stabiler und effizienter betrieben werden könnten.
Für die Einordnung ist entscheidend, dass solche Bedienplätze zunehmend als Produktbestandteil verstanden werden. Wer Anlagen verkauft, verkauft heute oft ein Zusammenspiel aus Hardware, Software und Prozesswissen. Eine klar strukturierte Arbeitsumgebung kann dabei zum Wettbewerbsvorteil werden, weil sie Anlernzeiten senkt und Fehlerquellen reduziert. Dass ein Designwettbewerb genau diesen Aspekt auszeichnet, passt zu einer Entwicklung, in der Nutzerführung und Ergonomie in der Industrie nicht mehr als „Nice-to-have“ gelten, sondern als Kostenfaktor im Alltag.
Nachhaltige Materialien sind auch in der Lebensmitteltechnik ein Wettbewerbsfaktor
Auffällig ist zudem, dass Krones die Auszeichnung ausdrücklich mit einem Nachhaltigkeitsanspruch verbindet. Für die Central Operation Unit seien recyclebare Leichtbau-Materialien eingesetzt worden, die ursprünglich aus dem Fassadenbau stammen und zugleich den hygienischen Anforderungen der Lebensmittelindustrie genügen sollen. In der Entwicklung habe Krones nach eigenen Angaben mit der KMH GmbH zusammengearbeitet. Das verweist auf ein praktisches Dilemma vieler Industrieprojekte: Nachhaltigkeit darf nicht nur in der Bilanz auftauchen, sie muss im Material, in der Fertigung und im Betrieb funktionieren, gerade dort, wo Hygiene und Robustheit nicht verhandelbar sind.
Redaktionell betrachtet liegt hier die eigentliche Aussagekraft des Projekts. Wenn Krones Materialien aus anderen Bauwelten adaptiert, zeigt das den Versuch, Lieferketten und Konstruktionslogik neu zu denken, ohne die Produktionsrealität zu ignorieren. Dr. Christian Colceriu, Leiter des Krones Design Labs, bringt den Anspruch auf den Punkt: „Die Central Operation Unit vereint digitale und physische Welt.“ Dahinter steckt die Annahme, dass sich Nachhaltigkeit und Bedienbarkeit künftig nicht mehr getrennt optimieren lassen, sondern gemeinsam über Kaufentscheidungen mitbestimmen.
Für Krones geht es um Marke und Standortpolitik, nicht nur um Trophäen
In der Gesamtsicht ist der doppelte Preis vor allem Teil einer Positionierung. Krones verweist auf seinen Hauptsitz in Neutraubling und auf eine internationale Aufstellung mit mehr als 20.000 Beschäftigten, zudem auf einen Konzernumsatz von 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2024. Solche Kennzahlen sind in einer Pressemitteilung erwartbar, im journalistischen Kontext markieren sie aber, warum Auszeichnungen für das Unternehmen mehr sein können als ein hübsches Signal an die Designszene. Sichtbarkeit hilft im Wettbewerb um Fachkräfte, sie stützt die Erzählung von Innovationsfähigkeit und sie kann im internationalen Geschäft Vertrauen erzeugen, wenn Investitionen in komplette Linien anstehen.
Gleichzeitig bleibt ein Designpreis nur dann relevant, wenn er in der Praxis Wirkung zeigt. Beim Krones 3D-Showroom wird sich daran messen lassen, ob der Ansatz im Digitalvertrieb tatsächlich messbar bessere Beratung und schnellere Entscheidungen ermöglicht. Bei der Krones Central Operation Unit ist entscheidend, ob die versprochene Entlastung im Betrieb ankommt, gerade in Schichtsystemen, in denen Bedienbarkeit und Fehlertoleranz entscheidend sind. Unter dem Label Krones German Design Award lässt sich damit vor allem eine Entwicklung ablesen: Der Maschinenbau versucht, komplexe Technik verständlicher, effizienter und ressourcenschonender zu machen, und nutzt Gestaltung zunehmend als strategisches Werkzeug.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Krones, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


