Krones Robobox SynFlow bringt Robotik Verpackungstechnik vor den Packer

Krones erweitert den Einsatz von Robotern in Verpackungslinien und überträgt ein bekanntes Prinzip aus der Gebindegruppierung auf die Verteilung einzelner Behälter. Mit Krones Robobox SynFlow will das Unternehmen einen Prozess automatisieren, der in der Getränkeindustrie bislang stark von mechanischen Führungssystemen und gelegentlichen manuellen Eingriffen geprägt war.

In modernen Abfüllanlagen entscheidet nicht nur die Geschwindigkeit einzelner Maschinen über die Wirtschaftlichkeit. Wichtig ist auch, ob Flaschen oder Dosen gleichmäßig, schonend und in der richtigen Zahl an den nächsten Prozessschritt übergeben werden. Genau hier setzt Krones Robobox SynFlow an. Das System soll Behälter vor dem Packer nicht mehr nur passiv über Schienen führen, sondern aktiv mithilfe von Robotern sortieren, ausrichten und auf mehrere Gassen verteilen.

Der Ansatz ist für die Getränkeindustrie Automatisierung relevant, weil Verpackungslinien häufig an kleinen Unregelmäßigkeiten verlieren. Wenn im Behälterstrom Lücken entstehen, können starre Führungssysteme die Gassen ungleichmäßig füllen. Am Ende einer Charge mussten nach Angaben des Unternehmens teils Mitarbeitende eingreifen, damit die letzten Flaschen korrekt verpackt werden. Krones versucht nun, diesen Übergang robuster zu machen.

Die Verteilung einzelner Behälter wird zum neuen Automatisierungsfeld

Technisch nutzt die Anlage einen Tripod, also einen schnell beweglichen Deltaroboter, der leichte Behälter präzise greifen und positionieren kann. Anders als klassische Führungssysteme soll die Maschine nicht nur einem festen Muster folgen. Sie erkennt laut Krones die Zahl der einlaufenden Behälter und kann auf Lücken oder veränderte Abstände reagieren. Die Anlage behandelt den Behälterstrom damit nicht mehr wie eine gleichmäßige Masse, sondern wie einzelne Objekte.

Diese Form der Robotik Verpackungstechnik ist dort interessant, wo hohe Leistung mit flexibler Verarbeitung zusammenkommen muss. Krones nennt zwei Ausführungen. Eine kleinere Variante mit einem Tripod ist für Linien mit bis zu 55.000 Behältern pro Stunde vorgesehen. Eine größere Variante mit zwei Tripods soll bis zu 105.000 Behälter pro Stunde verarbeiten können. Beide Versionen können drei bis neun Gassen im Variopac Pro versorgen.

Strategisch fügt sich die Entwicklung in einen breiteren Trend der Industrieautomation ein. Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen stehen unter Druck, mehr Flexibilität, weniger Stillstand und geringere Betriebskosten in bestehende Linienkonzepte zu integrieren. Gerade für Getränkehersteller mit verschiedenen Formaten, Chargen und Verpackungseinheiten kann eine präzisere Behälterverteilung ein Vorteil sein.

Formflaschen zeigen, warum Präzision in Verpackungslinien wichtiger wird

Besonders deutlich wird der Nutzen nach Darstellung des Unternehmens bei Formbehältern. Solche Flaschen besitzen besondere Konturen, Prägungen oder asymmetrische Formen. Dadurch lassen sie sich schwieriger automatisch führen als Standardflaschen oder Dosen. Krones setzt bei Robobox SynFlow deshalb auf formschlüssige Präzisionsgreifer, die Behälter bewegen und kontrolliert ausrichten sollen.

Für Markenhersteller kann diese Ausrichtung mehr bedeuten als reine Mechanik. Wenn Etiketten im fertigen Gebinde sichtbar in eine bestimmte Richtung zeigen sollen, muss die Position jedes einzelnen Behälters stimmen. Die Maschine soll diese Orientierung ermöglichen, ohne die Behälter unnötig zu belasten. Das ist bei hohen Geschwindigkeiten wichtig, weil kleine Abweichungen zu Störungen, Ausschuss oder optischen Qualitätsproblemen führen können.

Die Anlage ist nach Unternehmensangaben für Glasflaschen, PET-Flaschen und Dosen geeignet. Als Behälterdurchmesser nennt Krones eine Spanne von 40 bis 125 Millimetern. Damit zielt das System auf ein breites Spektrum typischer Getränkeverpackungen. Für die Getränkeindustrie Automatisierung ist das wichtig, weil Investitionen meist nur dann attraktiv sind, wenn sie mehrere Formate und Produktwechsel abdecken.

Energieverbrauch und Platzbedarf werden zu harten Standortfragen

Neben der Prozesssicherheit verweist Krones auf Effekte bei Energieverbrauch und Flächenbedarf. Die Transporteure der Maschine werden laut Mitteilung von Permanentmagnet-Motoren angetrieben, die im Vergleich zu herkömmlichen Asynchron-Motoren einen bis zu 50 Prozent energiesparsameren Betrieb ermöglichen sollen. Solche Angaben müssen im konkreten Linienkontext geprüft werden, zeigen aber die Richtung des Marktes.

Auch der Platzbedarf spielt eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint. In vielen Produktionshallen sind Erweiterungen schwierig, weil bestehende Linien eng geplant sind und Umbauten laufende Produktion beeinträchtigen können. Krones argumentiert, dass Robobox SynFlow trotz zusätzlicher Maschine die gesamte Aufstellfläche einer Linie verringern könne. Bei der kleineren Version soll dies über eine variable Anpassung der Behältergeschwindigkeit gelingen.

Bei der größeren Variante könne auf Inliner verzichtet werden, sodass Etikettiermaschinen, Verteilsystem und Packer direkter miteinander verbunden würden. Im Durchschnitt stellt Krones eine Verringerung des Platzbedarfs um rund zehn Prozent in Aussicht. Für den Standort Neutraubling ist diese Entwicklung auch ein Signal, dass Maschinenbauer zunehmend Lösungen für knappe Flächen, steigende Energiekosten und komplexere Produktionsabläufe anbieten müssen.

Sicherheitsfunktionen sollen Ausfälle begrenzen und Anlagen schützen

Ein weiterer Punkt ist die Störungssicherheit. In schnellen Verpackungslinien können umfallende Behälter, verklemmte Flaschen oder fehlerhafte Abstände rasch Folgeschäden verursachen. Robobox SynFlow soll solche Veränderungen erkennen und bei Bedarf einen sofortigen Not-Halt auslösen. Damit rückt die Maschine auch als Schutzsystem für Linie und Material in den Fokus.

Interessant ist die mechanische Auslegung der Greiferführung. Die sogenannten Padels sind laut Krones magnetisch am Tripod befestigt. Bei einer Kollision sollen sie sich lösen, um Schäden an der Maschine zu vermeiden. Das ist pragmatisch, weil in realen Produktionsumgebungen nicht jede Störung allein über Software verhindert werden kann. Robuste Konstruktion und intelligente Steuerung müssen zusammenwirken, wenn Robotik im Hochgeschwindigkeitsbetrieb zuverlässig sein soll.

Für Krones ist die neue Lösung mehr als eine einzelne Maschinenvariante. Sie zeigt, wie das Unternehmen klassische Verpackungstechnik schrittweise mit sensorgestützter Robotik verbindet. Krones Robobox SynFlow steht damit für eine Entwicklung, in der Robotik Verpackungstechnik nicht mehr nur Spezialaufgaben übernimmt, sondern stärker in den Kern der Linie rückt. Langfristig könnte dies darüber entscheiden, wie flexibel Getränkehersteller auf kleinere Chargen, neue Verpackungsformen und steigende Effizienzanforderungen reagieren.

Schreibe einen Kommentar